Nikolai Starikov „Über Orangene Revolutionen“

Unautorisierte Übersetzung: Igor Syr und Solveigh Calderin

Nikolai Starikov ist ein in Russland bekannter Historiker und Publizist, der für seine genauen Analysen und Schlussfolgerungen bekannt ist.

Das „Forum Seliger“ ist ein jährlich im Sommer stattfindendes Forum der russischen und internationlen Jugend verschiedenster politischer Richtungen und Orientierungen am Seliger See, im Nordosten Russlands, im Gebiet Nowgorod. Hier stellen bekannte Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens ihre Sicht der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Russlands und der Welt vor und diskutieren sie anschließend mit den Teilnehmern.

2013 sprach Nikolai Starikov dort über die „Orangenen Revolutionen“:

Die Ergebnisse des G-20-Treffens – der Handel ist nicht abgeschlossen

Eigene unautorisierte Übersetzung des Artikels von Nikolai Starikow

Das Treffen der Oberhäupter der führenden Länder der Erde ging zu Ende. Wie ich annahm, kam es bis zur Durchführung des G-20-Treffens nicht zu einem Schlag gegen Syrien, aber während seiner Durchführung war er absolut nicht angebracht.

Das syrische Problem wurde ein integraler Bestandteil des globalen Handels. Worum es in den Gesprächen ging, schrieb ich in dem Artikel „Obama bereitet sich auf einen Handel mit Putin vor.“

Es ist Zeit, die Ergebnisse auszuwerten und das Geschehen zu beurteilen.

Foto aus dem Original-Artikel Nikolai Starikows

Foto aus dem Original-Artikel Nikolai Starikows

Zunächst einige Fakten:

Als die USA aus geschlossenen Kanälen die Information über die Absicht Chinas und Russland erhielten, in Petersburg die Gründung einer „Valuta-Union“ im Sinne eines souveränen Fonds bekannt zu machen, der die Wirtschaft und einzelne Projekte kreditieren kann (und was am wichtigsten ist – Schuldverschreibungen ausgeben kann), haben sie sofort die Situation um Syrien verschärft und versuchten so, eine solche Entwicklung zu verhindern. Das Auftauchen einer solchen Alternative zum angelsächsischen Finanzsystem ist eine schreckliche Gefahr für die dollarorientierte Welt.

Sich in Zeitnot befindend, beginnen die USA nach der Methode, ein Problem schaffen, um seine Entscheidung zu verändern. Sie beginnen, die Situation um Syrien zu eskalieren. Der Gedanke dahinter ist, wenn Ihr die „Valuta-Union“ bekannt gebt, beginnen wir den Krieg, der in einen großen regionalen Konflikt auswächst, mit dem Potential eines Weltkrieges. Im Strudel des Krieges werden die Finanzalternativen einfach begraben.

Und dann das Treffen in Petersburg. Gleich am ersten Tag das Rendezvous Putins mit dem Oberhaupt Chinas: Gasprom und die chinesische CNPC unterschrieben eine Vereinbarung über die Grundbedingungen zur Lieferung von Erdgas und der Entwicklung der Öl- und Gasfelder Russlands. Was charakteristisch ist – der Preis der Gaslieferung nach China ist aufgrund der Vereinbarung von dem Henry-Hub-Index losgelöst.

Das heißt, dass Russland und China selbst den Preis der zu liefernden Kohlenwasserstoffe bestimmen. Bei euch dort, in London, an der Börse, kann der Preis fallen oder steigen, ihr könnt ihn stürzen oder anheben, uns wird das nicht beunruhigen. Wir können nämlich auch die Valuta auswählen, in denen wir die Lieferung bezahlen. Yuan oder Rubel.

Am gleichen Tag, ein wenig später, wurde noch eine Neuigkeit aufs Band gelegt: „Die BRICS Staaten gründen einen Stabilitätsfond in Höhe von 100 Milliarden US$, der helfen wird, die Welt-Valuta-Märkte zu heilen, nachdem die USA die Politik der quantitativen Lockerung beenden. Das gab der Präsident Putin auf der Summit der G 20 bekannt, seine Worte führt Reuters an: „Die Initiative zur Gründung der Valuta Reserve der BRICS befindet sich in ihrem Endstadium“, sagte Putin in seinem Eröffnungswort auf dem Treffen der Führer der BRICS in Sankt Petersburg. „Sein Volumen wurde auf einem Niveau von 100 Milliarden US$ vereinbart.“

Wonach die Beratung über das syrische Problem beim Abendbrot folgt. Bis halb eins in der Nacht in der „Großen Runde“, nach der sich Putin und der Premier Großbritanniens noch bis drei Uhr nachts unterhalten.

Am Morgen des zweiten Tages der Summit gibt Putin die dritte Erklärung ab. „Als eine wichtige Errungenschaft der BRICS auf ökonomischen Gebiet halten wir die Gründung der Entwicklungsbank. Sein erstes Stammkapital beträgt 50 Milliarden Dollar.“

Schließlich, am Tage des 6. September, auf der großen Pressekonferenz gibt der Präsident Russlands die vierte Erklärung ab.

„Russland wird Syrien im Fall eines äußeren Militärschlages auf dieses Land helfen“, erklärte W. Putin auf seiner Presse-Konferenz zu den Ergebnissen der Summit der G 20 auf eine entsprechende Frage antwortend. „Wir helfen bereits, wir liefern Waffen, arbeiten auf ökonomischen Gebiet zusammen, ich hoffe, wir werden außerdem in der humanitären Frage zusammenarbeiten, dazu zählt die Lieferung humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung.“

„Der Präsident der Russischen Föderation, Putin hatte ein Treffen mit dem Präsidenten der USA, Barack Obama.“ Das wurde auf der Presse-Konferenz zu den Ergebnissen der Summit der G 20, das heute seine Arbeit in Sankt Petersburg beendete, berichtet. „Wir haben uns 20 – 30 Minuten in sinnvoller und konstruktiver und freundlicher Art unterhalten“, sagte Putin und merkte an, dass jeder der Staatsoberhäupter bei seiner Meinung blieb. „Ich bin nicht mit seinen Arguementen einverstanden. Er ist nicht mit meinen einverstanden, aber es gibt einen Dialog, wir hören einander die Argumente an“, erklärte der Präsident der Russischen Föderation. Schließlich, unter den Mantel der Summit, kam es zu einem Treffen der Präsidenten Russlands und der USA. Sie erfolge zum Ende der Veranstaltung – das ist auch logisch. Zuerst bestimmen die Mannschaften die Positionen, handeln und erst dann verbinden sich die Oberhäupter.

Aber jetzt lassen Sie uns verstehen, was in Petersburg herauskam. Gehen wir von der diplomatischen zur menschlichen Sprache.

Was ist das, eine vollgültige Valuta-Union? Das ist nicht ein allgemeines Finanzpolster im Sinne des Stabilitätsfonds, der im Falle einer Krise die Valutakurse der Mitglieder dieses Fonds stabilisieren kann. Die Stabilisierung des Kurses kann im Ausmaß dieses Fonds erfolgen. Die Größe des angekündigten Fonds – 100 Milliarden Dollar – ist nach den Preisen der gegenwärtigen Krise, in der Trillionen „spazieren gehen“ – Kinkerlitzchen. Aber! Bis der Fond tatsächlich seine Aufgabe erfüllen könnte, müsste für ihn eine Bank gegründet werden. Die muss die Möglichkeit für notwendige Kreditprogramme für die Mitgliedsländer des Fonds haben. Wie ein modernes Finanzinstitut wird diese Bank die Möglichkeit haben, Wertpapiere zu kaufen, wie der Fond selbst, aber auch Schuldpapiere der Mitgliedsländer. Das bedeutet eine souveräne Emission, dabei streng nach den Regeln des heutigen Finanzmarktes. Das ist der Alptraum der FED. Eine vollgültige Valuta-Union: Das ist Fond + Bank + Emission. Auf der Summit wurden nur zwei Teile genannt: Fond + Bank.

Putin nutzte den Druck der USA und konsolidierte um Russland herum den Block der BRICS, um die Instrumente der souveränen Emission zu schaffen, die seit dem Zusammenbruch der UdSSR (außer der FED) nicht bestanden.

Russland und China erklärten nicht das Schaffen einer vollgültigen „Valuta-Union“. Aber anstelle dessen machten sie eine ganze Reihe von Aktionen, Aussagen und Schritten.

1. Die Loslösung des Gaspreises vom Dollar. Zunächst zwischen den beiden Ländern. Aber ihrem Beispiel können auch andere Mitglieder der BRICS folgen. Und nicht BRICS. Aber sie können auch nicht folgen. Es geschieht ein Vorlauf für die Zukunft.
Als Antwort erwarten Russland und China die Erklärung der USA über die Absage eines Schlages auf Syrien, die Absage, einen Kriegskonflikt zu beginnen, in dem Syrien nur die Rolle des Zünders spielt. Die Erklärung erfolgte nicht. So fahren wir fort.

2. Die Länder der BRICS schaffen einen souveränen Fond von 100 Milliarden Dollar. Er kann sibirische Tiger finanzieren, aber er kann auch Kampagnen und Infrastrukturprojekte finanzieren. Die Hauptsache – er ist gegründet und kann jederzeit mit einem neuen Sinn gefüllt werden. Zum Beispiel, wenn die USA wieder eine neue Weltkrise starten, kann der Fond anfangen die Rolle des Zentrums der Finanzkräfte im Weltmaßstab unter dem Vorwand der Störanfälligkeit des Alten – des Dollars – zu spielen.
Sagt Ihr den Schlag gegen Syrien ab? Nein. Dann fahren wir fort, unserer Position zu erklären.

3. Wir erklären die Gründung der Bank.
Wir erwarten die Zustimmung zur Absage der Entfesselung des Krieges. Keine Einwilligung zur Absage des Krieges. Wir setzen fort.

4. „Russland unterstützt Syrien im Falle eines äußeren Schlages“, sagt Putin. China sagt nichts, aber ist dabei. Zwei chinesische Schiffe kamen schon, „einen Auftrag erfüllend“, zu den fünf russischen an die syrischen Küsten. Was wird sein, wenn die Schiffe tatsächlich an die Küste Syriens herankommen? In diesem Fall können beliebige Raketen, die zu ihnen fliegen durch die Luftverteidigung der Kriegsschiffe abgeschossen werden, da sie für sie eine Gefahr darstellen.

Putin hat die USA faktisch in die Enge getrieben. Wenn sie jetzt Syrien überfallen, stellen sie sich selbst als Aggressor dar, arrogant und anmaßend. Das ist der Verlust des Gesichts und der Reputation. Selbst der Präsident Frankreichs begann zu sagen, dass sein Land die „Ergebnisse der Experten der UNO abwartet“, wenn er das auch eine Woche zuvor noch überhaupt nicht vorhatte. Den Überfall auf Syrien abzusagen – das ist genau so ein Verlust des Gesichts und der Reputation. Nach zwei Wochen der Bedrohung und verbalen Attacken die Attacke in der Realität nicht zu vollziehen, bedeutet für die Supermacht den Zusammenbruch. Die Kraft der USA liegt auf dem Dollar und der Kriegsmacht. Der Dollar ist schon „nicht mehr das“, wenn auch die Militärmacht „nicht das“ ist – wird die Welt wirklich multipolar.

Was werden die USA machen? Es ist schwierig, das eindeutig zu sagen. Sie wissen nicht, was tun. Sie befinden sich in Zeitnot und müssen schnell eine Entscheidung treffen. Es darf nicht einen Monat lang debattiert werden, überfallen oder nicht überfallen. Denn die Debatten sind im gegebenen Fall keine Diskussionen, sondern einfach auf Zeit spielen, wenn es nicht möglich ist, eine Entscheidung zu fällen. Außerdem wird diese Entscheidung, jede beliebige Entscheidung, zur Niederlage der USA führen.

Es muss irgend etwas gemacht werden, das irgendwas muss schnell gemacht werden, und dabei genau wissend, dass es nur schlimmer wird. Im Schach nennt man das Zugzwang.

Daher war Obama so unfreundlich und das Treffen mit Putin so kurz. Er muss nach Hause zurückkehren und die Konsultationen beginnen, um zu entscheiden, was zu tun ist.

Ziehen wir ein Fazit. Erstmals seit dem Moment des Untergangs der UdSSR, ist es Russland gelungen, ein Instrument für die Verwirklichung einer souveränen Emission zu schaffen. Dagegen kämpfte die FED in ihrer gesamten Geschichte. Die Amerikaner sind jetzt nicht zu beneiden. Wird Syrien überfallen, steigt der Preis für das Öl an, das wird der Grund für das neue Emissionszentrum, den Prozess der souveränen Emission mit dem Ziel des Erhalts der finanziellen Stabilität in einem Zeitraum von drei bis neun Monaten zu beginnen. Zunächst in kleinem Umfang, der dann erhöht wird. Je stärker die Krise von den USA organisiert wird, desto größer kann die Emission sein. Wenn Syrien nicht überfallen wird, kollidieren sie mit der Überhitzung der eigenen Ökonomie aus dem Überschuss der Ausgabe der nicht gesicherten Dollars. Die Wahl zwischen dem langsamen und schnellen Tod.

Die Valuta-Union ist schlüsselfertig gebildet. Es bleibt, den Schlüssel im Schloss umzudrehen.
P.S. Achten sie auf den Teil des Interviews Putins, in dem er die Länder nannte, die für einen Schlag gegen Syrien auftreten.

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Es ist bezeichnend, dass Putin, als er über diese Länder spicht, als erstes nicht die USA nannte. Zuerst sprach er unbewusst fast den Namen „Großbritannien“ aus, hielt rechtzeitig an und begann sie weiter aufzuzählen: „Syrien zu bombardieren sind die USA, die Türkei, Kanada, Saudi Arabien und Frankreich bereit“, führte der Präsident Russlands an.

Bemerkenswert ist die Anwesenheit der Türkei auf dieser Liste. Das Oberhaupt der Türkei, Erdogan hat nicht die geringsten Zweifel, dass die chemischen Waffen durch die syrischen Kämpfer benutzt wurden, und dass Syrien bombardiert werden muss. Woher kommt diese Überzeugung? Nun, von den Unruhen auf dem Taksim Platz in Istanbul, haben Sie das vergessen? Ich erinnere daran, was ich vor drei Monaten in dem Artikel „Der türkische Frühling – was kommt dabei heraus?“ schrieb.

„Im Ergebnis beginnt die Türkei den Kampf gegen Syrien zu sabotieren. Und schon muss die israelische Luftwaffe die Luftschläge auf syrischem Territorium übernehmen. Die israelische, nicht die türkische, was besser und bequemer wäre. Denn es ist nicht nur ein Chaos nötig, es muss auch einen zwischenreligiösen Konflikt eines jeden mit jedem geben. Für Israel wird es auch so nicht leicht, und da sollte die Türkei nicht an der Seite abwarten. Aber das tut sie. Und dann gibt es Schüsse auf das türkische Territorium von Syrien aus. Es explodieren Bomben in den türkischen Grenzstädten. Und wieder nichts. Die Türke lärmt und schlägt nur mit Worten um sich.

Und dann tritt die Hisbollah in den Kampf an der Seite Assads ein. Die bewaffneten Kämpfer an der libanesischen Grenze werden abgeschnitten, wenn ihnen nicht geholfen wird. Wer sollte helfen? Den Kämpfern-Islamisten? Nun, bestimmt doch nicht Israel! Die Türkei! Sie will nicht – sie muss gezwungen werden. Und da ist der „türkische Frühling“ auf den Straßen. Progrome, Schlägereien mit der Polizei, Versuche des Sturms der Büros der herrschenden Partei. Und alles wegen der Pläne in der Zone eines Parks, wie die Massenmedien uns erzählen?

Vollkommener Unsinn. Das Ziel der Unruhen ist es, die Türkei aktiv in den syrischen Konflikt einzubinden und den Islamisten zu helfen.

Die „Orangene Revolution“ in der Türkei wurde nicht für den Sturz Erdogans gemacht, sondern um ihn daran zu erinnern, wer der Herr im Hause ist. Und er hat alles verstanden. Er hat keine Zweifel. An allem ist Bashar Assad schuld.

 

Nikolai Swanidse: Ich bin auch ein staatlich denkender Mensch

Als Beispiel der unglaublichen, verlogenen und hasserfüllten Hetze gegen Stalin und die Sowjetunion veröffentlichte Nikolai Starikov auf seinem Blog heute das folgende Gespräch mit Nikolai Swanidse, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt und das ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte.

Im folgende meine unautorisierte eigene Übersetzung des Artikels vom heutigen Tag, dem 7. März 2013:

Was gibt es nicht alles zu hören von Nikolai Karlowitsch Swanidse. Die Hörer des Senders „Kommersant FM“ konnten am Dienstag, dem 5. März 2013 erfahren, dass Swanidse ein staatlich denkender Mensch ist. Auch. Allerdings vergaß er zu präzisieren, in den Interessen welchen Staates Nikolai Karlowitsch denkt. Woran ich ihn sofort erinnerte, als ich ihn bat, mich nicht mit dem Wort „Herr“ anzusprechen.

Obwohl, wozu brauchen Sie meine Nacherzählung, wenn Sie alles selbständig lesen und hören können.

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[Anm. von mir: Im Original-Artikel gibt es die Audio-Datei des Gespräches zu hören]

Stalin ist eher lebendig als tot. Zu dieser Schlussfolgerung gelangten die Autoren des Berichtes, der vom Fond Carnegie am Vorabend es 60. Todestages des sowjetischen Führers publiziert wurde. Die Daten des Fonds besprechen der Schriftsteller, Führer der Gesellschaftlichen Organisation „Gewerkschaft der Bürger Russlands“, Nikolai Starikov, und der Journalist, Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer, Nikolai Swanidse, mit dem Moderator Andrej Norkinij.

Nikolai Vikotorwitsch, an Sie die Frage: Sehen Sie hier ein gewisses Paradox darin, dass Stalin gleichzeitig als blutiger Tyrann aber auch als weiser Führer genannt wird?

N. St.: Ich sehe hier keinerlei Paradox, weil von den staatlich denkenden patriotischen Kräften und dem einfachen Volk die Tätigkeit Stalins ausschließlich positiv bewertet wird. Was unsere fünfte Kolonne angeht, die Liberalen, so ist für sie Stalin wie das Weihwasser für den Vampir.

Doch wie kommentieren sie die vom Fond Carnegie veröffentlichten Zahlen selbst? Sind Sie mit ihnen einverstanden oder nicht?

N. St.: Die Zahlen, die von den „unabhängigen“ Forschern veröffentlicht werden, sind natürlich immer schwer zu kommentieren. Aber heute sah ich Zahlen, die vom „Lewada-Zentrum“ veröffentlicht wurden, die auch von US staatlichen Zuschüssen leben. Diese Organisation schreibt, dass die Mehrheit der Bevölkerung Russlands Stalin positiv gegenüber steht, darum, was soll hier kommentiert werden? Das Volk hat seine Wahl getroffen.

Nikolai Karlowitsch, wie denken Sie?

N. Sw.: Zum ersten gestatte ich mir, mich auch einen staatlich denkenden Menschen zu nennen. Dabei ruft Stalin bei mir absolut negative Gefühle hervor, darum übernimmt hier Herr Starikov, nach meiner Sicht, viel für sich, wenn er über staatlich denkende Menschen und im Namen des so genannten einfachen Volkes spricht.
Zum zweiten verstehe ich nicht, was „das einfache Volk“ ist und worin es sich von dem „nicht einfachen“ unterscheidet. Wenn, nach Meinung des Herrn Starikov, das einfache Volk das ist, welches eine Vierklassen-Schulbildung hat, so gibt es die nun wahrscheinlich nicht. Insgesamt liebe ich es sehr, wenn im Namen des Volkes gesprochen wird.
Ich sage dann auch im Namen des Volkes, dass Stalin ganz sicher als blutiger Tyrann und Diktator in die Geschichte Russlands eingeht, der weitgehend den Genofond der russischen Bevölkerung zerstört hat. Die Russische Bevölkerung identifiziere ich mit dem sowjetischen, aber ich habe viele Ethnien im Blick, die auf dem Territorium der Sowjetunion lebten, aber vor allem die russische Ethnie.
Dabei ist es nicht nur die Intelligenz, nicht nur Geistliche, nicht nur Professoren, Adlige, sondern es sind die Menschen, die Herr Starikov das einfache Volk nennt, vor allem die russische Bauernschaft. Außerdem errichtete er einen Koloss auf tönernen Füßen, wie bekannt ist, weil nur einige Jahrzehnte seit Stalin vergangen sind, und wie wir wissen, konnte dieses Land in dieser Zeit nur durch Vergewaltigung und Blut bestehen. Es stürzte bei den ersten Veränderung der außen-politischen ökonomischen Situation.

Nikolai Viktorowitsch, ich bitte Sie zum ersten ihren Begriff „einfaches Volk“ zu erklären. Und dann schon über das Erbe Stalins zu sprechen, worüber gerade Herr Swanidse sprach.

N. St.: Der sehr geehrte Nikolai Karlowitsch kann mich „Genosse“ nennen, mir gefällt es überhaupt nicht, wenn er mich „Herr“ nennt, das zum ersten. Zweitens, ich habe nie im Namen des einfachen oder irgend eines anderen Volkes gesprochen, ich sagte, dass die Mehrheit der Bevölkerung Russlands sich positiv auf Stalin bezieht, was bestätigt wird, und darin sind auch die soziologischen Studien, von denen Sie sprechen, beinhaltet. Aber wenn es die Mehrheit der Bürger Russlands ist, heißt das die Mehrheit des einfachen Volkes. Das sind nicht irgend welche Gelehrten, keine Geistlichen, das sind genau die, die „Volk“ genannt werden.
Was das Staatsdenken Nikolai Karlowitsch Swanidses betrifft, so klingt das natürlich wie eine Anekdote. Hier muss noch angeführt werden, von welchem Staat Nikolai Karlowitsch gebacken wurde. Ich denke, dass es genau nicht die Russische Föderation ist. Welcher es ist, dass werde ich schon noch präzisieren. Was das Erbe Stalins betrifft, so wurde Stalin im März 1953 ermordet, vergiftet. An die Macht kam Chrustschow und die Leute, die Stalin umbrachten. Es ist nicht verwunderlich, dass sie sehr schnell alle seine politischen, ökonomischen Errungenschaften zerstörten, ebenso die Achtung zum Kommunismus, die Achtung für Russland und die Sowjetunion, die Stalin begründete.

Ich möchte, das Nikolai Karlowitsch auch kommentiert.

N. Sw.: Zum ersten, „Genosse“ werde ich Starikow nicht nennen, denn er ist mir kein Genosse. „Herr“ – das ist eine höfliche Anrede, ich erlaube mir, sie gerade ihm gegenüber zu benutzen. Aber die „Genossen“ verschwanden 1991 gemeinsam mit der Sowjetunion, die zusammenbrach, wie ein Kartenhaus, gebaut von Stalin auf dem Blut und den Knochen der russischen Menschen. Zu welchem Staat ich mich selbst zugehörig fühle, so würde mich die Meinung des Herrn Starikow interessieren, er zögert, das auszusprechen und ich weiß nicht, was er im Blick hat. Offensichtlich irgendwelche Angriffe an die Adresse meiner ethnischen Herkunft. Aber möge das bei ihm bleiben. Was den Tod Stalins betrifft, so sind das Phantasien, Unsinn, der durch niemanden bewiesen ist. Das sagen nur Pseudohistoiker, sofern es keine Beweise dafür gibt. Aber es gibt eine Menge Beweise, dass Stalin seinen Tod starb. Um ihn sorgten sich seit einiger Zeit seine Kumpane, wie sie ihn lebendig fürchteten, so fürchteten sie seinen Tod. Und er bewahrte diesen Koloss auf den tönernen Füßen, den viele als die Krone der Schöpfung ansahen. Er trug dieses goldene Ei unter der Bezeichnung „Sowjetischer Staat“, das sich als nicht lebensfähig erwies.

P.S. In der letzten Zeit polemisiere ich häufig mit Nikolai Karlowitsch Swanidse auf verschiedenen Ebenen. Darum, damit wir beim nächsten Mal nicht zu der Frage zurück kehren müssen „wie mich ansprechen“, bitte ich sehr, mich „Nichtgenosse Starikov“ zu nennen.

Das zum ersten.

Und zweitens. Bei dieser Gelegenheit und vor dem großen Auditorium meines Blogs, und sogar den Weiten des russischen Internets möchte ich Sie, Nikolai Karlowitsch, noch einmal zu meinem Programm der Russischen Politik auf RSN einladen. [Es geht hier um die Frage, wo – nämlich in London – Herr Gorbatschow seinen 80. Geburtstag gefeiert hat – Anm. von mir] Lassen Sie uns den Disput Auge in Auge austragen. Für die Zuhörer wird das interessant sein. Ich verstehe, dass Nikolai Karlowitsch ein sehr beschäftigter Mensch ist. Und trotzdem hoffe ich, ihn an einem Samstag in Moskau, um 16:00 Uhr, in den Studien der russischen Nachrichtendienste zu treffen.

P.P.S. Ich konnte Ihre Aufmerksamkeit nicht darauf richten, wie „unabhängige“ Journalisten der Radiostation „Kommersant FM“ völlig „zufällig“ die Worte Swanidses unserer Polemik ins Rampenlicht stellten. Dass ausgerechnet seine Worte – Schimpfworte an die Adresse Stalins – sichtbar waren. Was soll ich sagen – in der besten demokratischen Tradition.

Eigene unautorisierte Übersetzung des Original-Artikels auf nstarikov.ru

Die Rede des Regierungsoberhauptes des Landes über den Bürgerkrieg

(eigene, nicht autorisierte Übersetzung des Artikels Nikolai Starikovs)

In der Geschichte gibt es nichts Neues – alles war schon einmal da. Nur zu einer anderen Zeit und in einem anderen Land. Das Problem liegt darin, dass die Mehrheit der Bewohner unseres Planeten die Geschichte nicht kennen und die Parallelen nicht sehen können.

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Vor Ihnen die Mitteilung über eine Rede des Staatsoberhauptes Syriens Baschar Assad im Parlament des Landes.

Heute gab Baschar Assad in der ersten Sitzung des Parlaments unter Ovationen die Regierungsdeklaration bekannt. Assad gab an, dass die Aufgaben der Regierung darin bestünden, nicht nur den Krieg zu gewinnen, sondern auch die Stärkung der Freiheit und Unabhängigkeit Syriens zu erreichen. Syrien, erklärte Assad, gestattet keinerlei Einmischungen in seine Angelegenheiten. Es habe das Recht, die Unterstützung anderer Länder zu fordern, um den Überfall zurückzuweisen, dessen Opfer Syrien geworden ist. Es geht nicht um eine bewaffnete Revolte, sondern um einen richtigen Krieg, ausgerufen und vorbereitet von totalitären Ländern, unter Missachtung jeden internationalen Gesetzes. Diese Länder wollen die Hegemonie in Europa und in der ganzen Welt. Wenn es nicht Hilfe und Unterstützung durch diese Länder für die Rebellen gäbe, hätte die Regierung diese Revolte längst niedergeschlagen. Der Gewinn des Krieges, wird in der Deklaration gesagt, ist nicht nur eine Frage des einen oder anderen Regimes. Es ist eine Frage über: Sein oder Nichtsein Syriens.

Der Krieg wird nicht nur auf den Schlachtfeldern entschieden. Darum nutzt die Regierung alle Kräfte, um die Ordnung im Hinterland sicherzustellen. Sie hat alle Organisationen aufgelöst, die an Willkür beteiligt waren, um so die persönliche Freiheit aller Bürger des Landes zu stärken und ist bereit, alle Versuche, die Ordnung im Hinterland zu zerstören, im Keim zu ersticken…

Haben Sie das gelesen? Nun, aber Baschar Assad hat nie solche Worte gesprochen.

Vor Ihnen liegt die Rede des Regierungsoberhauptes Juan Negrin, der in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts versuchte, gegen die Unterstützung und Finanzierung der ausländischen „Revolution“ für die Freiheit seines Landes zu kämpfen.

Tatsächlich ist dieser Text eine Notiz der Zeitung „Iswestija“ vom 3. Oktober 1937, Nr. 231 (6393), die mir ein Leser sandte. Ich habe mit Bedacht die Familiennamen der Führer und des Landes ausgetauscht. Und so wurde sofort alles aktuell.

Hier ist der Originaltext:

Valencia, 1. Oktober (TASS). Heute gab der Vorsitzende des Ministerrats Negrínin der ersten Sitzung der Cortes (Parlament) unter Ovationen die Regierungserklärung bekannt. Negrín gab an, dass die Aufgaben der Regierung darin bestünde, nicht nur den Krieg zu gewinnen, sondern auch die Stärkung der Freiheit und Unabhängigkeit Spaniens zu erreichen. Spanien, erklärte Negrín, gestattet keinerlei Einmischungen in seine Angelegenheiten. Es habe das Recht die Unterstützung anderer Länder zu fordern, um den Überfall zurückzuweisen, dessen Opfer Spanien geworden ist. Es geht nicht um eine bewaffnete Revolte, sondern um einen richtigen Krieg, ausgerufen und vorbereitet von totalitären Ländern, unter Missachtung jeden internationalen Gesetzes. Diese Länder wollen die Hegemonie in Europa und in der ganzen Welt. Wenn es nicht Hilfe und Unterstützung durch diese Länder für die Rebellen gäbe, hätte die Regierung diese Revolte längst niedergeschlagen. Der Gewinn des Krieges, wird in der Deklaration gesagt, ist nicht nur eine Frage des einen oder anderen Regimes. Es ist eine Frage über: Sein oder Nichtsein Spaniens.

Der Krieg wird nicht nur auf den Schlachtfeldern entschieden. Darum nutzt die Regierung alle Kräfte, um die Ordnung im Hinterland sicherzustellen. Sie hat alle Organisationen aufgelöst, die an Willkür beteiligt waren, um so die persönliche Freiheit aller Bürger des Landes zu stärken und ist bereit, alle Versuche, die Ordnung im Hinterland zu zerstören, im Keim zu ersticken…

Noch einmal der Link zum russischen Originalartikel auf nstarikov.ru

 

 

Hitler war eine Puppe des Westens im Spiel gegen das russische Volk

Der Historiker und Publizist Nikolai Starikow bezieht neben dem aktuellen Geschehen in Russland auch häufig zu Stalin Stellung (er veröffentlichte meherere Bücher zu Stalin) und so muss er sich zwangsläufig auch mit Hitler beschäftigen. Auch die Artikel, die zu diesem Thema von ihm auf seinem Blog veröffentlicht wurden, werde ich in loser Folger übersetzen und damit auch hier, in Deutschland, zur Dikussion stellen. Der vorliegende ist seine neueste Veröffentlichung zu diesem Thema.

Unautorisierte eigene Übersetzung des Originalartikels des Historikers und Publizisten Nikolai Starikov vom
8. Februar 2013:

Am 30. Januar 1933, vor praktisch 80 Jahren, gab es ein Ereignis, das die einfachen Menschen dieser Zeit überhaupt nicht bemerkten. Sie zogen ihre Kinder auf, liebten ihre Frauen und Männer – mit einem Wort, sie lebten ihr normales leben. Und bemerkten nicht, dass ihr Leben in eine vollkommen andere Etappe eintrat.
Die Bewohner Stalingrads, Moskaus oder Kiews wandten auf dieses Ereignis keinerlei Aufmerksamkeit.
An diesem Tag wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler Deutschlands ernannt.

Entgegen der vorherrschenden Meinung, war die Ernennung Hitlers auf den Posten des Kanzlers (d.h. des Premiers) nicht durch einen Sieg der Nazisten in den Wahlen bedingt. Die NSDAP erhielt nicht mehr als
50 % der Stimmen in den Parlamentswahlen. Aber der Präsident Hindenburg ernannte Hitler. Warum? Weil es Zeit war, einen Krieg zu beginnen. Und London mit Washington zogen die Strippen. Als Kopf in Deutschland brauchten sie einen Fanatiker, der bereit war mit Russland Krieg zu führen, der bereit war, Blut zu vergießen.

Pünktlich zum Tag der Ernennung des Hauptfeindes des russischen Volkes auf seinen Posten, beschloss das Portal KM.ru den Hauptgedanken meines Buches: „Wer zwang Hitler, über Stalin herzufallen? – den Führer brachten ausländische Kräfte zur Macht“ mit Experten zu besprechen.

Quelle: http://www.km.ru/world/2013/01/30/istoriya-vtoroi-mirovoi-voiny/702840-gitler-byl-peshkoi-v-igre-zapada-protiv-russko

Am 30 Januar 1933, wurde der 44jährige Adolf Hitler Reichskanzler Deutschlands. Wie in der Analogie Woland in Bulgakows „Der Meister und Margarita“ sagte: „Annuschka hat schon das Öl verschüttet.“ Der weitere Verbleib Hitlers am Steuer des Landes – das war einer der großen historischen Vorbereitungen zum wichtigsten und schlimmsten Abenteuer seiner persönlichen Biographie wie auch der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Aber hätte es auch anders sein können? Diese Frage beschäftigt seit langem die Historiker der ganzen Welt, und es gibt die verschiedensten Versionen. Eine der populären ist, dass Hitler den Krieg nicht selbständig führte. Der Krieg war keineswegs seine Schöpfung. Verschiedene Historiker – Anhänger der gegebenen Theorie – divergieren manchmal einzig in der Beurteilung der Selbständigkeit der genannten Person.

Einer der stärksten Anhänger dieser Theorie ist zum Beispiel der bekannte russische Historiker und Publizist Nikolai Starikow. In seinem Artikel „Wurde Hitler zum Überfall auf die UdSSR durch England und die USA gezwungen?“ schreibt er im Einzelnen:

Adolf Hitler wurde durch London und Washington und mit geringerem Anteil durch Paris zur Macht gebracht. Das war eine Art Kettenhund, der mit einem Ziel groß gezogen wurde – dem Überfall auf Russland. Sie selbst mögen nicht Krieg führen, irgend jemand muss das für sie tun. Sie brachten einen entschlossenen Menschen, einen Fanatiker an die Macht, gaben ihm Geld, Kredite, hörten auf die Reparationen Deutschlands zu erheben, bauten die Industrie auf. Aber wie konnte Hitler einen Krieg mit der UdSSR beginnen, wenn sich zwischen ihnen ein Staat befand?

In der Unterhaltung mit dem Kolumnisten von KM.ru kommentierten unsere Experten die These.

Publizist, Politologe Anatoli Wasserman:

Mein alter Freund, der Historiker und Publizist Lew Removitsch Wershinin bemerkte nicht nur einmal, dass viele Einzelheiten der jähen Karriere Adolf Hitlers nur aus der Schlussfolgerung erklärt werden könnten, dass ausländische Kräfte ihn speziell aus der Menge der konkurrierenden Führer ausgesucht haben. Wobei sie ihn nach einem ziemlich ungewöhnlichen Kriterium auswählten: diese ausländischen Kräften selbst (insbesondere die britischen und amerikanischen) brauchten einen ausreichend fanatischen Menschen, der alle seine Versprechen, ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen, erfüllen würde. Aber sie rechneten ziemlich einfach: Das Programm, dass rings um die Unabhängigkeit von anderen Völkern errichtet wurde, musste unweigerlich den Zusammenhalt dieser anderen Völker gegen Deutschland hervorrufen.

Der Gedanke zu dieser Auswahl war, dass zum ersten der Sieg Deutschlands im bevorstehenden Weltkrieg sicher ausgeschlossen wurde und zum zweiten, um durchzusetzen, dass auch nach dem Krieg die Reputation Deutschlands für viele weitere Jahre beschädigt wurde. Aber so eine Auswahl war vor allem deshalb möglich und notwendig, damit niemand an der Unausweichlichkeit des Krieges selbst zweifeln konnte, dass alle interessierten Personen und Organisationen hervorragend verstanden, dass er unumgänglich ist und noch schlimmer als der Erste Weltkrieg werden würde.

Als der Versailler Friedensvertrag geschlossen worden war, äußerte der Oberste Hauptkommandierende der Streitkräfte der Entente, Marschall Frankreichs Ferdinand Bertronowitsch Fosch, der mit den Bedingungen des Vertrages vertraut war, sofort: „Das ist kein Frieden, das ist ein Waffenstillstand für zwei Jahrzehnte.“ Und das erwies sich als absolut richtig: Der Krieg begann ausgerechnet zwanzig Jahre nach dem Abschluss des Versailler Vertrages. Das Problem besteht darin, dass der Gegensatz zwischen den Ländern und den Gruppen der Länder, die den Ersten Weltkrieg hervorgerufen haben, nirgends verschwanden und nicht verschwinden können, solange die Marktwirtschaft besteht: Sie gebiert unbedingt die Gegensätze solcher Art, sie benötigt unbedingt wieder und wieder einmal eine Aufteilung der Welt, darum war die Fortführung des Krieges wissentlich notwendig. Und mithin versuchten die verschiedenen Länder sich mit verschiedenen Mitteln darauf vorzubereiten. Insbesondere Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika bereiteten sich frühzeitig auf einen ihnen genehmen Gegner vor.

Und was die Perspektive betrifft, dass sich die Rassentheorie allmählich in Massenmord verwandelt, so hat sich darüber niemand ernsthaft beunruhigt, denn damals waren alle großen Länder besessen von verschiedenen Formen der Rassentheorie und natürlich rechnete jeder damit, dass gerade seine Rasse sich als die höhere erweisen würde. Im Grunde genommen gab Hitler in seinen Arbeiten und seiner Sache die Theorie ziemlich genau wieder, die bis dahin von dem Engländer Chamberlain und dem Franzosen Gobineau ausgearbeitet worden waren. So, dass dies niemand besonders beunruhigte: Jeder rechnete damit, dass der Schlag den anderen treffen würde. Im Prinzip begeisterten sich in dieser oder einer anderen Form damals alle westlichen Länder für die Rassentheorien. Das einzige große Land, indem für solche Theorien niemals ein fruchtbarer Nährboden gefunden wurde – das war unser Land.

Dementsprechend kann Deutschland zwar der Teil der, wie die Juristen sagen, exzessiven Ausführung zugerechnet werden, aber diese Exzesse gab es möglicherweise nicht in Deutschland, aber in anderen Ländern länger.

Experte des Zentrum für geopolitische Gutachten Natalja Makejewa

Die von Starikow vorgeschlagene Theorie hat nach meiner Ansicht Existenzberechtigung und im Prinzip sieht sie völlig logisch aus. Sie sieht so logisch aus wie eine andere Theorie, die das Ereignis des Zweiten Weltkrieges bloß in der Menge des Schrecklichkeiten als Kopien die Ereignisse des Krieges von 1812 wiederholte . Nach Meinung des russischen Historikers Alexei Edrichin, der unter dem Familiennamen Wandam publizierte, hätte Napoleon theoretisch mit England Krieg führen müssen, aber statt dessen führte er Krieg gegen Russland.

(Anmerkung von mir: Alexey Efimowitsch Wandam, (Alexey Efimowitsch Edrichin) 17 März 1867, Minsker Governement, Nord-Westlicher Kreis, Russisches Imperium – 16. September (in Erinnerung des entsprechenden Datums 6. September) 1933, Talin – General-Major (1917), Militärschriftsteller, Autor zu Arbeiten auf dem Gebiet der Geopolitik, der Geostrategie und der strategischen Geographie. Quelle: https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%92%D0%B0%D0%BD%D0%B4%D0%B0%D0%BC,_%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B9_%D0%95%D1%84%D0%B8%D0%BC%D0%BE%D0%B2%D0%B8%D1%87)

Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges müssten sich in einem analogen Muster entwickelt haben, das heißt, Deutschland hätte sich mit Russland solidarisieren müssen (streng genommen, gingen unsere Länder auch diesen Weg) und gegen die USA, gegen England, gegen diesen atlantischen Vektor auftreten müssen. Allerdings geschah dies auffälliger Weise nicht, entgegen aller geopolitschen Logik und gesundem Menschenverstand. Außerdem, die Rassentheorie, weswegen die ganze Welt bis heute Hitler hasst, war ursprünglich in seinem politischen Leben nicht vorhanden. Ursprünglich schlug seine Tätigkeit nichts davon vor. Innerhalb der deutschen Eliten kämpften zwei Vektoren, einer schlug die Theorie des Rechtes der Völker vor, aber der andere brachte diese monströse Rassentheorie hervor, die bis heute bei allen Schrecken erzeugt.

So war, was in den dreißiger bis vierziger Jahren geschah, nicht prädestiniert, und nach meiner Meinung waren dies offensichtlich das Resultat äußerer Spiele (hinsichtlich Deutschland). Die Frage liegt nur darin, wessen Geheimdienste das waren – Englands oder der USA oder der Länder, die irgendwie zusammen arbeiteten, in deren Resultat Hitler die ganze Macht seiner Armee nicht nach Westen, sondern nach Osten führte.

Hier ist alles ziemlich kompliziert miteinander verflochten. Erstens, wurde er durch die eigene Elite beeinflusst, das heißt, er war nicht selbständig, wie wir aus der Geschichte wissen, selbst nicht in der Beziehung zu den eigenen Eliten, die auf ihn Einfluss ausübten. Natürlich, darf man nicht seine eigenen Ambitionen und Eitelkeiten außer Acht lassen, aber er war keine eigenständige Figur. Nur so geschah, dass in den deutschen Eliten in der Summe der entsprechende Vektor gewann, der im weiteren mit den Opponenten abrechnete.

Was den Einfluss aus dem Westen betrifft – den es zweifellos gab, kann nur darüber diskutiert werden, wie stark er war. Wir können kaum hundertprozentig erfahren, ob es dort subtile diplomatische Spiele gab oder ob Hitler sie unter direkter Kontrolle hatte. Das heißt, es darf auch nicht die Variante ausgeschlossen werden, dass er seine Kräfte ursprünglich auf den Westen und den Osten ausrichten konnte.

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