Auf der Basis der weißgardistischen Ideen kann den Globalisten nicht widerstanden werden

Original des Artikels auf nakanune.ru vom 08. September 2014

Übersetzung: Solveigh Calderin

Analyse von Andrej Fursow, Historiker, Schriftsteller, ordentliches Mitglied der internationalen Akademie der Wissenschaften

Andrej FursowWas war die Februarrevolution, wenn sie zu reiner Logik zurückgeführt wird? Das ist das Erscheinen eines Machtvakuums. Es stellte sich heraus, dass die Macht auf eine einzelne Person reduziert war, die niemandem passte, die sich als Verschränkung nationaler und internationaler Widersprüche erwies, und die damaligen Oligarchen hatten den Eindruck, wenn die Hauptperson weggenommen würde, wäre alles gut. Das heißt, der Februar-Palast-Umsturz – das war die Aufgabe der Hauptperson der Oligarchen. Die Oligarchie irrte sich, es wurde nicht gut – vor allem für die Oligarchen selbst, aber das ist eine andere Frage. Wenn wir „Februar“ sagen – haben wir im weitesten Plan den Palast-Umsturz im Sinn, als die „Spitze“ den Hauptleiter aufgab, um die inneren und internationalen Probleme zu lösen.

Nun, was die ukrainische Krise betrifft, warum ist sie entstanden? Das ist sowohl mit unseren als auch mit internationalen Prozessen verbunden. Vor allem ist es eine Weltkrise, die Krise der USA, die dank des Raubs des sozialistischen Lagers in den 90iger Jahren aus einer schwierigen Situation herauskamen, in der sie sich am Ende der 80iger Jahre befanden. Wahrscheinlich erinnern Sie sich, dass die letzten drei Jahre der Regierung Clinton ganz und gar phantastisch waren: es war der erste Budgetüberschuss der USA seit dreißig Jahren, das war das Resultat der Plünderung des sozialistischen Lagers, vor allem Russlands. Aber Fortuna gibt nichts auf ewig, all das endete, und zu Beginn des XXI. Jahrhunderts hatten die Amerikaner den Einfall der „Neuen Ordnung“ Bushs, die gescheitert ist. Nach ihr kam das „Neue Chaos“, das „Neue Durcheinander“ Obamas, das auch scheiterte, und das fand seinen Niederschlag in der Doktrin der USA, die am 5. Januar 2012 veröffentlicht wurde. In ihr wird gesagt, dass die USA nicht zwei Kriege führen können, wie es früher vorausgesetzt wurde, sondern nur einen und einige indirekte Operationen noch irgendwo. Nun, diese Strategie des „Neuen Chaos“ oder des „Neuen Durcheinanders“ bewegte den „arabischen Frühling“ gut und gelangte bis Syrien, wo sie an die chinesisch-russische Wand stieß. Hier begann die Doktrin des Chaos festzufahren. Es wurde völlig klar, dass wir im Unterschied zu Libyen, das wir aufgegeben haben, Syrien nicht aufgeben werden. Das hat unsere „Partner“ sehr ernsthaft verärgert. Übrigens, wenn über die Amerikaner als „Partner“ gesprochen wird, erinnere ich mich immer an die eine Episode aus einem alten, meinem Lieblingsfilm der Kindheit, „Das Geheimnis zweier Ozeane“, in der ein Tschekist, der von Pawel Luspekajew gespielt wird, einen japanischen Spion aufspürt (der wird von Gluskij gespielt). Der Tschekist kommt in ein Hotel, wo er sagt: „Hält sich hier mein Freund, der Musikant Iwaschow auf?“ Aber „mein Freund, der Musikant Iwaschow“ kommt mit dem Messer, schon bereit, ihm das Messer in den Rücken zu stoßen, da beginnt irgendein Kampf. Unsere „Partner“ – das ist dieser „Musikant Iwaschow“, der mit dem Messer im Rücken steht.

Außerdem ist es ganz und gar klar, dass der Weltkonflikt der innerweltlichen Oligarchien dazu führte, das ein Teil der „halbperipheren Oligarchien“, die ihr BRICS bilden, eine militärische Abschirmung brauchen, und die einzige militärische Abschirmung dieser gesamten Mannschaft kann nur die Russische Föderation sein, was auch Probleme in den Beziehungen Russlands mit den USA begründet. Und die Ukraine, das ist zweifelllos die asymmetrische Antwort auf all diese Dinge. Die ukrainische Krise selbst ist eine schlimme Niederlage der Oligarchen der letzten 20 Jahre, wobei die Niederlage aus einem reinen Klassengrund hervorging. Das ist eine reine Klassenniederlage, weil die Vorsitzenden der russischen Oligarchien in Gestalt seiner Vorsitzenden wie Tschernomyrdin, Surabow, ihre Geschäfte mit den ukrainischen Oligarchen machten und Lieder zum Bajan sangen. Aber die amerikanischen Partner arbeiteten mit allen sozialen Gruppen, nicht nur mit den Oligarchen. Und da ist die Klassen-Beschränktheit, der Geiz und die Gier der russischen Oligarchen führte zur ukrainischen Krise. Dieser amerikanisch-nazistische, amerikanisch-banderowsker Umsturz muss als Niederlage der russischen Oligarchien angesehen werden und die Krim hier – das ist der gewonnene Punkt der unterlegenen Partei.

All‘ diese Vektoren, die internationalen und die inneren, zusammengelegt, bildeten bei einem Teil des amerikanischen Establishments die Aufgabe, Russland Probleme zu machen, einen Rammbock an der russischen Grenze zu errichten, und die Probleme zu lösen, die 1991 nicht gelöst worden waren, als sie Russland nicht errangen. Warum errangen sie es nicht? Aus einigen Gründen: Russland ist eine Atommacht, es gibt ein Problem – China. Aber ich denke, der Hauptgrund, warum sie Russland 1991 nicht errangen, war die Euphorie darüber, dass „auch so alles gut wird“. Nicht zufällig sagte Clinton 1995: „Wir erlauben Russland zu sein, aber wir erlauben nicht, dass es eine Großmacht wird“, d.h. es wird als eine Funktion existieren. Außerdem ermöglichte die Erhaltung des zentralisierten Systems das Land leichter zu plündern. Das ist eine Sache – in Moskau einen Alkoholiker und ein halbkoloniales Regime zu haben, mit dessen Hilfe es möglich ist, das ganze Land zu plündern, oder es mit 40 – 50 Menschen zu tun zu haben, mit denen man sich einigen muss.

Aber die Amerikaner studierten nicht die Politökonomie Marx‘, sie lasen nicht die 24 Kapitel des „Kapitals“ über die Anfangsakkumulation. Es ist so, dass der kapitalistischen Akkumulation eine ursprüngliche vorangeht, die nicht kapitalistisch ist. Wenn im Kern des kapitalistischen Systems der anfänglichen Akkumulation eine kapitalistische vorangeht, dann „leben“ sie an der Peripherie und Halbperipherie „zusammen“, außerdem zermalmt die Anfangsakkumulation die kapitalistische. In sozialer Hinsicht führt das zu Folgendem: In jedem halbperipheren Land entstehen zwei Gruppen: die „Angestellten“ und die „Kontrolleure“. Die „Angestellten“ – das sind Menschen, die bereit sind, ihr Land nach dem Prinzip „was möchten Sie?“ an die transnationalen Konzerne zu übergeben. Wenn aber das entsprechende Land irgendeine Souveränität bewahrt hat, wenn es keine Kolonie ist, aber sagen wir eine „souveräne Demokratie“, so entsteht eine Schicht Menschen, die die Anfangsakkumulation des Kapitals kontrollieren und die in Widerspruch zu den „Angestellten“ auftreten. Ich nenne diese Menschen „Kontrolleure“. Vom Standpunkt der ökonomischen Politik gibt es keinerlei Unterschied zwischen den „Angestellten“ und „Kontrolleuren“: sowohl die einen als auch die andern sind Vertreter des liberalen Modells. Aber während die „Angestellten“ bereit sind, sich vor den transnationalen Konzernen auf alle viere zu begeben, so sind die Kontrolleure nicht bereit, das zu tun. Sie wollen selbst das jeweilige Territorium regieren, auch wenn ein gewisser Tribut dazu entrichtet wird, aber dabei das Territorium kontrollieren. Im Resultat dieser amerikanischen Fehlkalkulation entstanden in Russland im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, dank der Logik der Inkongruenz der Anfangsakkumulation und der kapitalistischen Akkumulation diese beiden Gruppen. An sich ist die globale Oligarchie bereit, diese Kontrolleure bis zu einem bestimmten Moment zu dulden. Wenn sie anfangen, „zurückzuschlagen“ und zeigen, dass sie sich in ihrer näheren Zone selbst einrichten wollen, dann werden sie für die globale Oligarchie, die solche Dinge nicht dulden kann, zu einem Problem. Und sie stellt die Frage der Säuberung.

Frage: Ist die leitende Schicht der Russischen Föderation zu einem dauernden Widerspruch gegenüber der globalen Oligarchie für die Verbesserung seiner Lage und zur eigenen metaphysischen und physischen Rettung bereit? Es gibt viele „dagegen“ und es gibt ein „für“. Was schwächt die leitende Schicht Russland im System des Widerstands gegen die globale Oligarchie? Es ist so, dass die Genesis eines beliebigen Systems sein weiteres Funktionieren definiert. Die gegenwärtige leitende Schicht wurde im Resultat der Kapitulation und des Verrats der Jahre 1989 – 91 und der Demontage der 90iger Jahre geboren. Das heißt, der Eindruck der Niederlage liegt auf ihnen, das sind Menschen, die nicht ans Siegen gewohnt sind. Eine zweite Sache: Ein großer Teil der leitenden Schicht Russlands ist gewohnt zu verteilen, aber nicht zu erschaffen. Hierin liegt das niedrige professionelle Niveau, die Unfähigkeit, sich anzustrengen, die Leidenschaft zum süßen Leben usw. Drittens: Die Gewohnheit zu untergeordneter Stellung. Wie Wysozkij sang, „und sie saugten ein – es braucht keine Wimpel“. Das heißt, es gibt keine Linie, die nicht überschritten werden darf. Viertens – das psychologische Porträt, das die kämpferische Güte sehr schwächt: das ist die Geschäftspsychologie, die soziokulturelle Marginalität, das Fehlen einer strategischen Kultur. Und – der Nichtbesitz einer globalen Welt-Agenda. Ein reales Bild der Welt gibt es nicht. Um erfolgreich mit einem stärkeren Gegner kämpfen zu können, muss man seine verwundbaren Stellen kennen, man muss wissen, wohin man schießen muss. In meiner Zeit sprach Sinowjew darüber, dass sie in den amerikanischen Zentren die UdSSR studierten: nicht wie ein Zoologe einen Elefanten studiert, sondern wie ein Jäger die Beute – um sie mit einem einzigen Schuss zu töten. Tatsächlich haben sich die westlichen Zentren damit beschäftigt.

Schließlich, das letzte Problem. Nach meiner Sicht ist das der elementare oder bewusste Antisowjetismus, bedingt durch die Klassennatur. Das ist Februalismus, die weißgardistische Idee. Aber auf der Basis solcher Ideen kann man den Globalisten nicht widerstehen. Das einzige System in der russischen Geschichte, das dem Westen erfolgreich widerstand, war das sowjetische System mit seiner Ideologie. Das weiße Imperium ist absolut verloren, und die Auferstehung seiner Relikte – das ist die Auferstehung der Niederlage. Hier muss die leitende Schicht sich entweder in Richtung der sowjetischen Ideologie wenden, was sie wegen ihrer Klassennatur nicht machen kann oder sie ändert ihre Klassennatur. Das sind die Schwächen, das sind die Minus.

Was steht dem entgegen? Das sind elementare Dinge – der Selbstschutz. Man muss ein Staatlicher gegen seinen Willen werden, um zu überleben und nicht nach den Haag oder noch irgendwo schlimmer zu geraten. Das heißt, die Geister von Milosovic, Gaddhaffi und Saddam Hussein müssen, wie der Geist von Hamlets Vaters, ständig mahnen, was ernsthafte Probleme sind. Mit anderen Worten, ernsthafter Widerstand in der modernen Welt, das sind vier-fünf weit schwierigere Jahre, er fordert einen völlig anderen Ansatz sowohl zu seiner historischen Vergangenheit als auch zur Realität, zur ökonomischen und sozialen Strategie. Mein Kollege sagte schon, dass eine Mobilisationswirtschaft nötig ist, aber es liegt nicht einmal in ihr – die Mobilisationswirtschaft ist ein Element des „Mobilisationssystems“ mit allen begleitenden Folgen. Ein ernsthafter Widerstand gegen den Westen zum Schutz des Teils unserer Machteliten, die mit nichts anderem als den Haag rechnen können, setzt sehr ernsthafte Veränderungen voraus, sowohl ökonomische als auch ideologische. Wie im „Buckligen Pferdchen“ – ein „Plumps in den Topf und dort kochte er“, aber der andere sprang als guter Prachtkerl heraus. Aber um als guter Prachtkerl herauszuspringen, muss man sehr und sehr viel arbeiten.

Es ist klar, dass das Junta-Regime, der Westen und die fünfte Kolonne versuchen, die Russische Föderation durch die Schreie über den Kampf gegen die Korruption usw. zu kippen. Aber wie sagte irgendwann Sinowjew zur Sowjetunion, „wir zielten auf den Kommunismus – aber landeten in Russland“ – hier wird dasselbe sein. Formal wird das Ziel ein korrumpiertes Regime sein, aber es wird etwas auf Russland schlagen, damit es die abschließende Lösung der russischen Frage wird. Und dafür darf man sich nicht fangen lassen und muss sich sehr gut der Aussage erinnern, die Marx und Engels im Zusammenhang mit der Revolution von 1848 machten: „Jetzt wissen wir, welche Rolle die Dummheit in der Revolution spielt und wie die Halunken sie benutzen können.“ Die Halunken – das ist selbstverständlich die fünfte Kolonne, es ist notwendig, achtsam zu sein. Eine der Hauptaufgaben, die hauptsächlichste, die wichtigste ist die Politik der rechtlichen Bekämpfung der 5. Kolonne.

Die Ukraine – das ist die Probe für Europa

Andrej Fursow:

Die Ukraine – das ist die Probe zur Vereinigung der Liberalen und Neo-Nazisten in Europa

Übersetzung des Interviews auf nakanune.ru vom 27. Mai 2014: Solveigh Calderin

Fursow nakanune

Die Angelsachsen füttern die Ukraine weiter, und hoffen, aus ihr einen neo-nazistischen Staat zu errichten, ein neues Drittes Reich, dass sie genauso auf Russland loslassen, wie sie in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Hitler gegen die Sowjetunion hetzten. Das ist natürlich eine strittige Hypothese, die heute nicht viele zu äußern wagen. Wozu sollte der Westen die Ukraine brauchen? Der ständige Experte auf Nakanune.ru, der Historiker Andrej Fursow, meint, dass das Hauptziel des Westens die Destabilisierung ganz Eurasiens ist. Aber nach dem „Krimsieg“, meint Fursow, erlebt Russland den Aufbruch aus der Zone der geschichtlichen Niederlagen. Der wichtigste Sieg des 20. Jahrhunderts wurde bei uns der Sieg über die deutschen Faschisten, dieses Gefühl, dass wir mit dem neuen Dritten Reich schon in diesem Jahrhundert zu kämpfen haben?

Das Video mit dem Interview auf nakanune.ru (russisch)

Frage: Vor kurzem sagten Sie, dass Russland jetzt den Aufbruch aus der Zone der historischen Niederlagen erlebt. Der wichtigste Sieg des 20. Jahrhunderts wurde bei uns der Sieg über die Faschisten, aber dieses Gefühl, dass wir mit dem neuen Dritten Reich schon in diesem Jahrhundert kämpfen werden?

Andrej Fursow: In der Geschichte gibt es keine absoluten Wiederholungen, und natürlich, die gegenwärtige Situation kann man vergleichen, aber es darf nicht vergessen werden – heute ist sie vollkommen anders als 1939 – 1941. Damals gab es einen durchaus offensichtlichen Aggressor, der an unsere Grenzen kam. Jetzt ist die Situation einen andere, aber dennoch, die USA beginnen nach der syrischen Front (denn in Syrien gab es zweifellos eine Konfrontation Russlands und der Vereinigten Staaten) eine Konfrontation in der Ukraine. Ich würde das nicht die „ukrainische Front“ in der russisch- amerikanischen Konfrontation nennen. Die Amerikaner in der Ukraine versuchten, durch den amerikanisch- banderowsker Umsturz eine sehr einfache Aufgabe zu lösen. Sie wollten in der Ukraine einen Brückenkopf für den politischen, und wenn nötig, auch für einen bewaffneten Provokationsdruck auf Russland schaffen. Sie versuchten, einen weiteren russophoben slawischen Staat außer Polen zu schaffen, der im Notfall auf Russland gehetzt werden kann. Es ist das Schaffen von Spannungsherden rings um die nationalen und strategischen Grenzen Russlands.

Frage: Der Weg der modernen russophoben Staaten – das ist doch ein künstlicher Weg, wie es bei Hitler war – ihn, wie wir uns erinnern, sponserten die USA, Finanzclans Englands – hier beobachten wir doch dieselbe Situation?

Andrej Fursow: Die Sache ist die, dass die Gegner Russlands immer die Kräfte erweiterten, die sie versuchten, als bewaffneten Brocken gegen Russland zu werfen, aber, nicht minder, die gegenwärtige Ukraine darf in keinem Fall mit dem Dritten Reich verglichen werden – schon nach dem ökonomischen Potenzial nicht. Außerdem, in der Ukraine selbst steht die Hälfte der Bevölkerung gegen die banderowsker Neo-Nazisten auf, das heißt, das ist eine ganz und gar andere Situation. Die Ukraine sieht im Vergleich mit dem Dritten Reich natürlich wässrig aus.

Frage: Wenn über die Neo-Nazisten in der Ukraine und in Europa überhaupt gesprochen wird – da gab es den Sieg der Nationalisten und „Euroskeptiker“ in den Wahlen in Frankreich und Großbritannien? Verändert sich das Kräfteverhältnis im Europarlament?

Andrej Fursow: Das spricht von einer tiefen Krise der Eurounion. Davon, dass diese Struktur, die von Anfang an nicht lebensfähig war, zu seinem Ende kommt. Und der Aufstieg sowohl der rechten als auch der linken Parteien, die alle zusammen nicht in der Eurounion sein wollen, die nicht ihre Identität verlieren wollen – das alles demonstriert uns die gegenwärtige Situation.

Frage: Zuerst ultrarechte Stimmung – die Rehabilitation des Nazismus danach?

Andrej Fursow: Das ist nur teilweise verbunden, ich denke nicht, dass solche Menschen wie Le Pen den Nazismus rehabilitieren werden. Aber, zweifellos, eines der Nebenprodukte des Zerfalls der Eurounion kann die Rehabilitation des Nazismus sein. Die Sache ist die, dass die Rehabilitation des Nazismus, vor allem nicht so sehr mit der Krise der Eurounion verbunden ist, als vielmehr mit der Zielsetzung der gegenwärtigen westlichen Elite, die ihr Probleme schon nicht mehr in liberaler Art und Weise lösen kann, und die für deren Lösung Neo-Nazisten benötigt. In dieser Beziehung ist die Ukraine eine Probe, dort haben wir die Vereinigung der Liberalen, die die Loslösung der Ukraine von Russland mit Hilfe einer Orangenen Revolution nicht selbst erzielen konnten, und der Neo-Nazisten-Banderowzen gesehen.

Frage: Aber was meinen Sie, wird es nicht einen großen Krieg geben?

Andrej Fursow: In den nächsten Jahren wird es ihn nicht geben. Aber es ist so, dass sich in der Geschichte alles ändert und die Angelsachsen haben immer langfristige Pläne und ihr Ziel ist es, einen ständigen Spannungsherd an den Grenzen Russlands zu schaffen. Wobei sie diesen neuen Staat als Beispiel der „Demokratie“ und „Freiheit“ servieren werden, im Gegensatz zum „totalitären“ Russland. Zweifellos ist das ein Spannungsherd, und ihr Ziel ist es, solche Spannungsherde im gesamten Umfang unserer Grenzen zu schaffen. Überhaupt muss gesagt werden, dass die amerikanischen Strategen das Hauptziel der USA nicht verheimlichen – es ist die Destabilisierung Eurasiens. Die Destabilisierung Eurasiens – das ist die Destabilisierung Russlands.

Frage: Welche Rolle spielte in dieser Konfrontation die Krim?

Andrej Fursow: Der „Krimsieg“ zog einen Strich unter die Blamage, die am 2. – 3. Dezember 1989 begann, als, nachdem Gorbatschow zu dem bekannten russophoben Römischen Papst Johannes Paul II. geflogen war, nach Malta flog und dort Bush gegenüber das sozialistische Lager aufgab. Danach erhielten wir die Schande der „Jelziner“ und gaben unsere Position auf, und jetzt, endlich, haben wir begonnen unsere Spannweite und Brotsamen einzusammeln, und es erwies sich, dass der Westen keine Spiele gegen Russland hat.

Frage: Aber was haben wir? Haben wir irgendwelche realen Verbündeten, auf die wir uns stützen können?

Andrej Fursow: Unser taktischer Verbündeter ist die Volksrepublik China, unsere Interessen decken sich jetzt vollkommen. Aber wenn wir über die Verbündeten Russlands sprechen, dann müssen wir uns immer an den Satz Alexander III. erinnern: „Russland hat nur zwei Verbündete: die Armee und die Flotte“, nun, und in der gegenwärtigen Situation würde ich hier auch die Geheimdienste dazuzählen.

Frage: Aber China und Russland nähern sich jetzt an und preisen das an, was bedeutet das?

Andrej Fursow: Das bedeutet, dass es in der Welt keine ständigen Verbündeten und ständigen Freunde gibt. In den nächsten 10 Jahren haben wir gemeinsame Interessen und gemeinsame geostrategische Gegner, aber weiteres ist schwer vorauszusagen – die Situation ändert sich schnell.

Frage: Nach dem offiziellen Besuch Joe Bidens in Peking im Dezember 2013 haben alle darüber gesprochen dass der maßgebliche Faktor der Weltpolitik die Beziehungen USA – China sind. Als hätten die USA und China verabredet, wie die Welt aufgeteilt wird. Aber am heutigen Tag – hat sich alles geändert?

Andrej Fursow: Nun, erstens gab es nie eine solche Situation, dass die USA und China die Welt aufteilen werden. Wir erinnern uns, das einzige Land der Erde, das den USA einen irreparablen Schaden beibringen kann – das ist Russland. Darum ist hier im Allgemeinen alles offensichtlich. Nun, aber die gegenwärtige Situation nach der ukrainischen Krise – sie hat überhaupt alles völlig verändert – haben wir schon eine solche Blocksituation, wenn es den Westen gibt, in dem schon ernsthafte Desorgansiations-Prozesse ablaufen. Und ein solches gewisses taktisches Bündnis Chinas mit Russland, auch wenn einige von einem strategischen sprechen.

Frage: Das heißt, China hat die USA weich „weggeschickt“? Hat der Zusammenarbeit nicht zugestimmt?

Andrej Fursow: In der gegebenen Etappe haben sie nicht zugestimmt. Aber die Chinesen verstehen ausgezeichnet, dass die Amerikaner, die häufig die Sowjetunion betrogen haben und Russland betrügen – sie werden ganz sicher auch China betrügen. Die Chinesen vertrauen den USA nicht, und das ist richtig.

Über die Globalisation, Stalin und die Neuen Imperien

Andrej Fursow im Gespräch mit Sergey Tabarinzew-Romanow auf  kanun.ru (kanun = Vorabend).

Eigene unautorisierte Übersetzung der Übernahme des Interviews von „Russkiy Mir Saporoshja“ – „Die russische Welt Saporoshjes“ vom 22. Januar 2013

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In dieser Woche findet im schweizerischen Davos das jährliche Wirtschaftsforum statt. Traditionell verstärkt sich in dieser Zeit die Aktivität verschiedener Arten der Antiglobalisten, aber auf dem informationellen Feld wird traditionell an die „Verschwörungstheorien“ über „Clubs der Oligarchen“, „Geheime Regierungen“ und der „Neuen Weltordnung“ erinnert. Obwohl die organisierte Bewegung der Antiglobalisten erst vor kurzer Zeit auftrat, wird das globalistische Projekt schon seit fast anderthalb Jahrhunderten verwirklicht. Das einzige, was seinen siegreichen Zug durch die Welt aufhalten konnte, – das war der Widerstand Russlands, der politische Wille Stalins und seiner Anhänger. Über zwei Siege Stalins über die Globalisten, über die „Verschwörungstheorien“ und über den Widerstand gegen das imperiale und globalistische Projekt sprach auf Nakanun.ru der Historiker und Soziologe Andrej Fursow.

Erzählen Sie, wie und wann entstand das globalistische Projekt und was waren seine Ziele?

Seit dem Ende des 19. Jahrhundert entsteht in der Weltpolitik und Weltwirtschaft der Gegensatz zwischen den globalistischen und imperialistischen Prinzipien. Für die globalistischen Prinzipien standen Großbritannien und mit der Zeit verbündeten sich mit ihm die Vereinigten Staaten von Amerika. Es ging um den Aufbau eines globalen Marktes, auf dem niemand den Austausch der Waren behindert. Dem Aufbau und der Verwirklichung dieses globalistischen Projektes standen große Imperien im Weg. Vor allem waren das die deutschen und russischen Imperien, aber auch das Österreich-Ungarische und in geringerem Umfang auch das Osmanische. Sie kontrollierten ihre politischen und ökonomischen Räume, und das störte natürlich denjenigen, der einen globalen Markt wollte, der, wie die europäischen Finanziers, ein „Europa ohne Grenzen“ wollte, das heißt Venedig in der Größe Europas.

Der Erste Weltkrieg war ein Instrument zur Realisierung dieses Projektes?

Eigentlich bestand eine der Hauptaufgaben des Ersten Weltkrieges darin, die großen Imperien zu vernichten und an ihrer Stelle kleine Nationalstaaten zu schaffen, die dann sehr leicht zu lenken wären. So geschah es auch. Es muss gesagt werden, dass diese globalistische Elite ihre Pläne die nicht versteckte – Ende des XIX. Jahrhunderts erschien in der englischen Zeitung „Truth“ („Wahrheit“) ein Pamphlet mit der Bezeichnung „Der Traum des Kaisers“. Der Kaiser verlor den Krieg, fährt im Zug nach England und wird in einem Arbeiterhaus leben. Und er schaut auf eine Karte, wo anstelle Deutschlands kleine Nationalstaaten sind, anstelle Österreich-Ungarns sind kleine Nationalstaaten, aber anstelle Russlands ist Wüste.

Mit anderen Worten, was aus dem Ersten Weltkrieg hervorging, das war der teilweise Sieg dieses globalistischen Planes, aber, wie es sich zeigte, nicht ganz, weil sich ein großes System mit dem Namen „Russland“ in dieser Zeit gegenüber dem großen System mit dem Namen „kapitalistische Welt“ als zu widerstandsfähig erwies. Die Interessen dieses großen Systems – Russland – bekundete Stalin auch den Kräften, die ihn unterstützten. Im Ergebnis wurde vom Kurs einer Weltrevolution abgewichen und ab der Mitte der zwanziger Jahre ging die Sowjetunion von dem Programm der „Weltrevolution“ zum Programm des „Sozialismus in einem Land“ über. Die Weltrevolution und der Weltkrieg – das sind die Hauptmittel, mit deren Hilfe sich das globalistische Projekt verwirklicht. So riss Stalin in dem Moment die Pläne der Globalisten ein, dabei nicht nur die der rechten Globalisten – den Finanzmaklern der modernen Welt, sondern auch der linken Globalisten – denen der Komintern.

Der Sieg der UdSSR im Zweiten Weltkrieg wurde noch ein Hinderniss für die Realisierung des globalistischen Projektes?

Stalin durchkreuzte das zweite Mal die Pläne der Globalisten, als wir das Rückgrat der Wehrmacht brachen und Hitlerdeutschland besiegten. Dabei erwies sich der Zweite Weltkrieg als Konfrontation des Dritten Reiches einerseits sowohl gegen die Angelsachsen als auch gegen Russland – und andererseits war das Dritte Reich nicht weniger ein Experimentierprojekt der Globalisten. Da es durch Stalin zerstört worden war – war das zweifellos auch ein Schlag gegen die Globalisten. Es gibt noch eine Sache, warum der Westen Stalin hasst: Unter seiner Leitung wurde die Sowjetunion wieder aufgebaut. 1953 starb Stalin oder wurde ermordet, aber schon in der Mitte der fünfziger Jahre, dass heißt zu einem großen Teil während Stalins Leben, war die Sowjetunion wieder aufgebaut und wurde eine Supermacht. Das sind die drei Schläge Stalins gegen die Globalisten, und das können sie ihm nicht verzeihen.

Im Moment des Endes des Zweiten Weltkrieges änderte sich das globalistische Projekt oder wurde die Absicht zurückgestellt?

Die Absicht war die selbe, aber vom Standpunkt seines sozialen Inhalts – die Welt tritt nicht auf der Stelle. Hauptschalgkraft der Globalisation in der zweiten Hälfte des XX. Jahrhunderts war eine neue raubgierige junge Fraktion – die Bourgeoisie der Corpotokratie. Das ist die Schicht der Bourgeoisie, die mit den transnationalen Corporations [= Konzerne – ich benutze hier das englische Wort, um den Begriff der Corpotokratie deutlich zu machen. Anm. von mir] verbunden war. Aber die Absichten waren genau die selben – das Errichten einer globalen Welt, einer globalen Regierung, um die vollkommene Kontrolle über alle Warenflüsse herzustellen. Und 1991, mit der Zerstörung der Sowjetunion, verwirklichte sich dieser Plan. Verwirklichte er sich endgültig? Ich habe daran großen Zweifel. Die Globalisation befindet sich gemeinsam mit der modernen Welt in einer Krise. Durch den Riss der globalen Welt beginnen die Umrisse der vorherigen Imperien zu erscheinen. Ich denke, dass die Konfrontation zwischen den imperialen und globalistischen Prinzipien nicht beendet sind. Stalin zeigte den sehr richtigen Weg: Er zeigte, dass es nicht möglich ist, den Globalisten, Globalisatoren und der Globalisation mit Nationalstaaten zu widerstehen, weil sie einfach nicht riesig genug sind. Das müssen bedeutende übernationale imperiumähnliche Gebilde mit einer Bevölkerung von 250 bis 300 Millionen Menschen sein, damit sie ökonomisch selbständig sind. Außerdem müssen das Strukturen sein, deren Kern der militärisch-industrielle Komplex, die Armee, der wissenschaftliche Komplex und die Geheimdienste sind.

Oft kann man die Konzepte der berüchtigten „Verschwörungstheorien“ hören , nach denen die Welt von einer dunklen globalen Regierung beherrscht wird, hunderte Oligarchen, irgendwelche Geheim-Klubs usw., es gibt eine Menge Varianten. Gibt es nach ihrer Meinung solche Strukturen und in welcher Form existieren sie?

Ich denke nicht, dass irgendeine „Weltregierung“ existiert. Wenn es sie geben würde, dann wären die Dreiseitigen Kommissionen, die Bilderberger und andere ähnliche Strukturen nicht nötig. Alles ist wesentlich einfacher. Es gibt 12 – 15 Familien-Clans, von denen die globalen Finanzflüsse kontrolliert werden. Sie verabreden sich untereinander und stehen im Konflikt zueinander und die Dreiseitige Kommission und die Bilderberger – dass sind die Strukturen zu Vereinbarungen der Steuerung. Zu einem beträchtlichen Teil steuern sie bestimmt die Weltprozesse, aber, wie ein Schriftsteller, Tom Clansy, bemerkte, die Welt ist allzu kompliziert und groß, um sie von einem Ort aus zu steuern. Was die Kritik an den „Verschwörungstheorien“ betrifft, so beschäftigen sich mit denen vor allem entweder die Menschen, die nicht verstehen, was eine „Verschwörung“ ist oder die absichtlich daran arbeiten, die wirklichen Mechanismen der Welt-Politik und -Ökonomie zu verschleiern. Wenn mir davon erzählt wird, dass die Finanz-Oligarchen das und das geheim machen und dass dies eine Verschwörung sei, frage ich immer: Aber die Komintern, die dritte Internationale, die im Laufe von zwanzig Jahren heimlich die revolutionären Tätigkeiten plante, heimlich die kommunistischen und Arbeiterparteien finanziell unterhalten haben – ist das ein Verschwörung oder nicht? Alles hängt davon ab, wie wir Verschwörung definieren. Wenn wir eine Gruppe von Menschen haben, von denen die Informationen, die Macht und das Eigentum kontrolliert werden und die das heimlich tun und das im übernationalen Maßstab tun können, so ist das keine Verschwörung – das ist kapitalistische Politökonomie – nur geheim.

Kann man davon sprechen, dass diese 12 – 15 Familien auch an den Ursprüngen des globalistischen Projektes standen und seine Inspiratoren waren?

Zweifellos. An den Ursprüngen des globalistischen Projektes standen die Rothschilds, Rockefeller, Kuhns, Loebs, Schiffs. Die Sache ist die, dass es hier nichts Subjektives gibt. Die Logik der Entwicklung des Kapitalismus besteht in der Expansion und diese Menschen drücken mit ihrer Tätigkeit die ganzheitlichen und langfristigen Tendenzen der Entwicklungen des Kapitalismus aus. Eine andere Sache ist, dass der Kapitalismus an seinen natürlichen sozialen Rahmen stößt, außerdem schöpfte er die physische Fläche aus. Gerade das bedingt die gegenwärtige Krise.

Sie sprachen davon, dass das Projekt der Globalisation die Zerstückelung der Imperien in kleine Nationalstaaten voraussetzte. Dennoch scheint es jetzt, dass der umgekehrte Prozess läuft?

Zur Zeit gibt es zwei Tendenzen. Auf der einen Seite rutschen die Nationalstaaten in Regionen, wie wir das in Europa sehen. Aber auf der anderen Seite vollzieht sich die Bildung großer Staaten, die sich als große übernationale Strukturen darstellen. Die Welt ist sehr gegensätzlich.

Gibt es eine Zukunft der Globalisation? Sie sprachen schon davon, dass dieses Projekt eine Krise durchlebt. Kann man in diesem Sinne von einer Änderung der Tendenzen oder von dem Erscheinen, zum Beispiel, eines globalen islamischen Projektes oder sagen wir von einem neuen imperialen Projekt, zum Beispiel mit einem russischen Kern, sprechen?

Das islamische Projekt gab es immer. Eine andere Sache, die verstanden werden muss, ist, welchen Platz das islamische Projekt in der gegenwärtigen Welt einnimmt. Im gegebenen Moment sehe ich kein globales islamisches Projekt. Alle diese Gespräche über ein globales Kalifat geht maßgeblich darum, dass der Westen damit für sich einen neuen Feind finden und die Militärausgaben begründen konnte. Russland hat im Moment auch keinerlei globales Projekt. Es wurde Ende der 1980iger Jahre durch Gorbatschow, aber in den 90igern durch Jelzin, in das westliche globale Projekt eingebettet, aber es stellte sich heraus, dass Russland sogar im derzeitigen Zustand ein zu großer Bissen ist, und der Westen kann es nicht schlucken. Wünschen wir, dass er an diesem Bissen erstickt.

Kann man davon sprechen, dass die Epoche der souveränen Staaten, wie sie im Westphälischen System des Friedens verankert sind, in die Vergangenheit geht und durch irgendwelche anderen Formen der politischen Abgrenzungen der Staaten ersetzt werden?

Das Westphälische System geht tatsächlich in die Vergangenheit. Dass die Souveränität verschwindet – das ist der sehnlichste Wunsch der Globalisten, die schon seit sechzig Jahren aktiv davon sprechen, dass die Souveränität die Möglichkeiten der Entwicklung der Staaten begrenzt, dass ein Teil der Souveränität an übernationale Strukturen abgegeben werden muss. Tatsächlich schränkte das Entstehen der Organisation der Vereinten Nationen teilweise die Souveränität ein, aber nur die Souveränität schwacher Staaten. Schauen Sie zu den Vereinigten Staaten – ist bei denen etwa die Souveränität eingeschränkt? Das machen sie, die Souveränität anderer Länder einschränken. Möglicherweise besitzen zwei Länder in der gegenwärtigen Welt eine ziemlich mächtige Souveränität, die keine Globalisation unterminiert – die USA und China.

Wenn wir jedoch annehmen, dass sich der „Traum des Kaisers“ erfüllt hätte und Stalin nicht in den Weg der Globalisten getreten wäre, wie hätte sich die Situation entwickelt und liefe es nicht darauf hinaus, dass die Krise des Globalismus einfach früher begonnen hätte?

Das Problem liegt nicht darin, dass Stalin den Globalisten im Weg stand, sondern darin, dass ein großes System „Russland“ den Globalisten im Wege war und in ihm fanden sich Kräfte, die diesen Widerstand artikulieren konnten. Die Interessen der Mannschaft Stalins fielen mit denen der Macht zusammen, die in dem zerschlagenen Russland des Bürgerkrieges noch übrigblieb.

Dennoch, was wäre das für eine Welt, wenn sich das globalistische Projekt vor einhundert Jahren durchgesetzt hätte?

Ich denke, dass die Globalisation früher oder später sowieso ihren Widerspruch geboren hätte und durch den Riss der globalen Welt würden Neo-Imperien hindurch brechen. Nur würde sich das in einer anderen Form als heute vollzogen haben. Heute geschieht es so, wie wir es sehen: der finale Kampf der Globalisten und die Imperialen befinden sich auf der Tagesordnung.

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Lesen Sie dazu von Andrej Fursow auch:

Die Epoche Neuer Imperien beginnt – Teil 1

und:

Die Epoche Neuer Imperien beginngt – Teil 2

Zu der Behauptung Fursows der 12 – 15 Familienclans sehen Sie auch dieses Interview KenFms mit Hans-Jürgen Krymanski:

Die Epoche neuer Imperien beginnt – Teil 2

Teil 1 <<<

Fortsetzung des Interviews mit Andrej Fursow in meiner eigenen unautorisierten Übersetzung:

SP“: Und welche Perspektiven gibt es für Großbritannien?

Ein freies Schwimmen Großbritanniens als Nationalstaat ist nicht möglich. Es hat weder das demographische noch finanz-ökonomische Potenzial. Die einzige Variante ist die Wiedergeburt im Blicke der IÄG des Britischen Imperiums. Aber dafür gibt es wiederum keine ausreichende Finanzbasis. Aber im traditionellen Wirken der Briten sind die Zonen, in die sie stolpern, Russland und die Türkei, die selbst danach streben sich in ein IÄG zu wandeln.

Schatten des Glockenturmes auf dem Schloss Windsor

Objektiv können das europäische Kapital und Israel Verbündete der Briten werden. Möglich sind Spiele im Süden Afrikas. Dennoch gibt es auf dem Weg der „Imperisation“ Großbritanniens ernsthafte Hindernisse. Dieser Prozess fordert den Verzicht des neoliberalen Kurses, als dessen Hauptadept die Königliche Familie Großbritanniens auftritt. Die letzte Festung, der Ort, wo „die Nadel des Todes Kotschewois“ der neoliberalen Globalisation versteckt ist   –  ist der Buckingham Palast. (In den russischen Heldenmärchen muss der Held den Tod seines Widersachers, eines Ungeheuers, bösen Geistes – hier Kotschewoi – finden. Der Held sucht seine von dem Ungeheuer entführte Braut. Das Ungeheuer versucht mit allen unlauteren Mitteln die Braut zur Ehe mit ihm zu überreden, dessenn Überredungskünsten und bösen Zaubern sie aber allen widersteht. Sie hilft nun, nachdem der Held sie gefunden hat, den Ort des Todes des Ungeheuers zu finden. Oft ist der Tod des Ungeheuers in mehreren „Etappen“ versteckt. In diesem Märchen: Ein einsame, kleine Insel inmitten des stürmischen Ozeans auf einem knorrigen hohen, alten Baum, an dessen Ast eine Truhe an einer Kette hängt, nachdem die Truhe zerstört ist, entspringt ihm ein Hase, ist der erlegt, verwandelt der sich in einen Raubvogel, ist der erlegt, verwandelt der sich in einen Fisch, ist der gefangen, findet sich darin die Nadel, die zerbrochen werden muss, um Kotschewoi zu töten. Der Held löst die Aufgabe mit Hilfe von Tieren, die ihm beistehen, weil er sich ihnen gegenüber menschlich gezeigt hat und/oder sie vor dem Tod gerettet hat – Anm. von mir) Auf der stehen die Windsors und können nicht anders. Stehen – ungeachtet der ernsthaften Warnungen, die diese Dynastie im Sommer 2011 gleich von zwei Ländern erhielt: Norwegen und Großbritannien selbst.

SP“: Erklären Sie…

Die Rede ist von dem norwegischen Massaker in Breyvik (und es bleiben noch mindestens drei Menschen „hinter den Kulissen“ übrig). Es wurden einige Versionen dieses Ereignisses und seiner Gründe vorgebracht . Ich stelle auch meine vor: die Version eines Menschen, der sich mit den dynastischen Schemen und der Wappenkunde auseinandersetzt und der versucht sie mit der Politökonomie des modernen sterbenden Kapitalismus zu verbinden.

Es ist klar, dass Breyvik kein Einzeltäter war. Um die verdeckten Chiffren des Vorganges zu verstehen, muss die Frage gestellt werden, wer regiert Norwegen? Die Dynastie der Sachsen-Coburgs. Aber wer herrscht in Großbritannien? Welche Überraschung – auch die Sachsen-Coburgs. Nur heißen sie Windsors – sie haben den „Familiennamen“ zur Zeit des 1. Weltkrieges geändert – es wäre ungeschickt gewesen, Großbritannien zu regieren, das mit den Deutschen kämpft, und die Dynastie klingt deutsch.

Aber geschah im Sommer 2011 in Großbritannien etwas in der Art? Mehr als geschehen: Eine Progromwelle, eigentlich – die Straßenkämpfe der farbigen Bevölkerung, fielen eigenartiger Weise mit dem norwegischen Vorfall zusammen. Wenn sie auch natürlich nicht das Niveau der Grausamkeit erreichten.

Ich betone, dass ich nicht der Einzige bin, der die Vorfälle in Großbritannien und Norwegen mit den Dynastien Sachsen-Coburgs und deren Kontrahenten in der Weltspitze verbindet. Das bemerkten auch andere Analytiker. Der norwegische Massenmord, dessen Opfer nicht nur Jungen und Mädchen des einfachen Volkes wurden, aber auch die ernsthaften Unruhen in den englischen Städten sind, nach meiner Ansicht, eine Botschaft (oder eine letzte Warnung, das „schwarze Mal“, falls gewünscht) eines Teiles der Weltspitze an die andere – welche die Führer des neoliberalen Kurses sind. Die Botschaft ist ausschließlich grausam. Ihr Sinn ist einfach: „Wir nehmen auch Kinder.“ Das bedeutet, dass der Konflikt in der Weltspitze eine solche Ebene der Schärfe erreicht hat, dass sogar die Kinder nicht verschont werden – so etwas gab es früher nicht. Das Signal wurde empfangen. Es wurden beispiellose Maßnahmen der Sicherheit der königlichen Familien unternommen. Wurde nun dem „Imperium“ ein Schlag versetzt, ich meine der Dynastie ein Gegenschlag? Die Geschichte mit Diana, ja, und die ganze Geschichte der Windsors zeigt, dass ihre Kinder zu vielem fähig sind. Schauen wir.

SP“: Und was erhalten wir in der Summe?

Drei Ereignisse, die sich mir als die Hauptsächlichen des Jahres 2011 darstellen – der „Arabische Frühling“, die Krise der Eurozone und das norwegische Massaker – Ereignisse verschiedener Maßstäbe. Nun, sie haben aber einen Nenner – jählings verschärfte sich nach 2008 der Kampf innerhalb der Weltspitze um die Zukunft. Hierdurch haben wir die Klüngel der immer heftigen Widersprüche auf verschiedenen Ebenen und Maßstäben. Diese Widersprüche sind zwischen:

– den antiliberalen und neoliberalen Strategien der Entwicklung der Weltspitze und insbesondere der antiliberalen und neoliberalen Cluster;

– den Tendenzen der Globalisation der 1980 – 2000er Jahre und die sich den Weg durchbrechenden imperienähnlichen Gebilde als Form zum Bezwingen der globalen Krise;

– den Staatsbürokratien und dem Finanzkapital und den entsprechenden Netzwerken durch die Ordensstrukturen, die hinter den ersten und zweiten stehen;

– USA und China;

– „hinter den Kulissen“ USA und Großbritannien (bedingt: Orden und Gruppe, wobei die reale Situation verwickelter ist);

– dem inneren Establishment der USA selbst – wie in taktischen (anstehende Wahlen) so auch in strategischen Fragen.

Es gibt auch andere Widersprüche. Sie alle verstärken und beschleunigen zunehmend die systemische Krise zusammen mit der Verschlechterung der geoklimatischen und geophysischen Stiuation, weshalb die Erd- und kosmischen Gefahren wirken als wären sie ein staats-imperialer (imperienähnlicher), antiliberaler Vektor der Entwicklung. Ein Problem besteht außerdem darin, dass sich in den Klüngeln die Widersprüche und Konflikte der verschwindenden Epoche, ihre Tendenzen und Widersprüche mit der neuen Epoche – ihr Ziele und Agenten nicht nur mit den Ländern, sondern auch zwischen sich selbst verflochten haben.

SP“: Und was erwartet in diesem Kontext Russland?

Alle Krisen, über die wir gesprochen haben, projizieren sich auf die Russische Föderation (RF). Sie bekommt eine „Doppelmasse“ der Krise. Für uns war das Jahr 2011 auch äußerst wichtig. Zum ersten, verschärften sich die Wiedersprüche: zwischen der Macht und der Gesellschaft, innerhalb der Macht – zwischen den Spitzen und den unteren Segmenten, innerhalb des oberen Segments – zwischen den unterschiedlichen Gruppen („Gewaltige“ – „bürgerliche“), aber innerhalb der Gruppen – zwischen den Clans. Dabei scheint es, dass die inneren Macht- (administrative) Ressourcen aller Gruppen praktisch erschöpft sind. Die letzten Wahlen haben das klar demonstriert. Durch die sich zeigende Erschöpfung verschärft sich der Fakt der Vergeudung des sowjetischen materiellen Erbes – in der Mitte des „Jahrzehntes“ wird es völlig vergeudet sein. Es endet die „NÖP-2“ der neunziger und nuller Jahre. Endet damit auch die „NÖP-1“? Ich weiß es nicht.

In jedem Fall verstärkt die Weltsituation die Schärfe der inneren russischen Konflikte und nicht weniger scharf steht die Frage zu den äußeren Verbündeten – Staaten im Ganzen und unterschiedlichen Clan Mächten. Unter den Bedingungen der Krise der Fragmentation, Zerstückelung der Weltspitze, ist das eine außerordentlich komplizierte und schwierige Frage (in den 1990iger und sogar zu Beginn der 2000er Jahre war die Situation sehr viel einfacher). Im Resultat der vorhandenen Risiken der weiteren Zerstückelung und so ziemlich weit von der Einheit und Geschlossenheit der russischen Spitze entfernt, läuft die Verwandlung des russischen Territoriums in ein Feld der Schlachten der Mächte, der Cooperations, der Orden und Netzwerke für die Zukunft (zum Schaden der einheimischen Bevölkerung), in das Reserveterritorium und der Deponie psychobiologischer und anderer Experimente. Ein schwacher Trost ist die Degeneration der Moral und des Willens der westlichen Spitze als Spieler. Und das ist eines der Gründe, wenn auch nicht der einzige, weshalb die Meister der Weltspiele die Säuberung der satten neoliberalen Eliten des Westens beschlossen haben.

Das Jahr 2011 zog einen Strich unter die postsowjetische Epoche. Und das ist möglicherweise die überaus wichtigste Grenze des gehenden Jahres: Die postsowjetische Epoche in Russland und der Welt endete unwiederbringlich. Wir treten ein in eine andere, sehr gefährliche Epoche für das Leben, in dem Willen und Vernunft notwendig sind. Das heißt vor allem, prinzipiell neue Wissenschaften über die Gesellschaft und den Menschen, die Entwicklungen neuer Disziplinen, neuer begrifflicher Apparate, neuer Formen der Arbeit mit beträchtlichem Umfang der Informatik und selbstverständlich, neue Formen der Organisation des rationalen Wissens voraussetzt.

Andrej Fursow

Sachsen-Coburg - Schloss Pjena

Teil 1 >>>

Original-Interview mit Andrej Fursow

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