25 Fakten zum Nachdenken: Warum das System irreparabel ist!

via25 Fakten zum Nachdenken: Warum das System irreparabel ist!.

Die Politik bemüht sich derzeit an Stellschrauben zu drehen, um das gegenwärtige Wirtschaftssystem zu “retten”. Das wird scheitern, weil es scheitern muss. Die wichtigsten Gründe dafür finden Sie in diesem bemerkenswert kompletten Artikel. Warum wir glauben, dass es eine komplette Systemumgestaltung braucht, um auch nur theoretisch eine Verbesserung (von “Rettung” gar nicht zu reden) ermöglichen zu können, zeigen schon allein diese 25 aus einer langen Liste ausgewählten Fakten, es gäbe noch viele mehr zu erwähnen. Alle “Stellschrauben” sind längst zu wenig, es braucht ein komplett neues System!

1. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung (inkl. Kinder) besitzt 99% allen Vermögens. 99% der Weltbevölkerung besitzen zusammen 1%.

2. Betrachtet man nur die Erwachsenen, besitzen lt. “Global Wealth Report” der Credit Suisse (der richtig “Global Poverty Report heißen müßte) 50% der Erwachsenen 2% des Vermögens, während 0,5% der Erwachsenen 36% besitzen und 2,5 Mrd. Menschen überhaupt nichts besitzen.

3. Die globale Oberschicht besteht aus rd. 3.000 Dollar-Milliardären, etwa 10.000 -20.000 Superreichen mit Vermögen von 500 Mio. bis 1 Mrd. $, rund 100.000 “Ultrahochvermögenden” mit 30 – 500 Mio. $, etwa 1 Mio. “Hochvermögenden” mit 5 – 30 Mio. $ und 10 Mio. Vermögende mit 1 – 5 Mio. $.

4. 80% der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen in den 90er Jahren die Ungleichheit der Vermögensverteilung zunahm.Die Zahl der globalen Milliardäre stieg 2003-2006 um 59%.

5. Kapitalbesitzer fordern global für ihre über 700 Billionen $ Vermögen eine möglichst hohe Verzinsung. Zinsen zahlen stets diejenigen, die kein Kapital besitzen, an die Kapitalbesitzer. Die Umverteilung von Arm nach Reich läuft in jeder Nation weiter und ist, weil systembedingt, auch nicht zu bremsen.

6. Gläubiger von über 99% aller globalen Staatsschulden sind die Angehörigen der globalen reichsten 1% der Menschheit – entweder direkt, oder indirekt als Eigentümer von Banken.

7. Die Menschen in den 20 reichsten Ländern verdienten 1962 noch 54mal so viel wie die Menschen in den 20 ärmsten Ländern, 2002 verdienten sie bereits 121 mal so viel.

8. Das Vermögen der drei reichsten Personen ist größer als das gemeinsame BIP der 48 am wenigsten entwickelten Länder mit zusammen 600 Millionen Einwohnern.

9. Das Vermögen der Dollar-Millionäre wuchs 2003 um 7,9% auf 28,8 Billionen, 2004 um 8,2% auf 30,8 Billionen und 2005 um 8% auf 33,3 Billionen US-Dollar.

10. Eine Vermögenssteuer von 1 Prozent für Dollar-Millionäre würde jährlich 330 Milliarden US-Dollar einspielen – das Doppelte, das für die Erreichung der UN-Millenniumsziele nötig ist.

11. Zur vorübergehenden „Rettung“ der Spekulanten mobilisierten die Industriestaaten binnen sechs Monaten 45mal so viel Geld wie in der gesamten Menschheitsgeschichte für Armutsbekämpfung und Klimaschutz.

12. Die Zahl der weltweit Beschäftigten ohne jede soziale Absicherung hat 2009 einen Rekordstand erreicht. Derzeit arbeiten weltweit 1,8 Milliarden Menschen ohne regulären Anstellungsvertrag, das sind 60 Prozent aller Erwerbstätigen. Bis zum Jahr 2020 könnte der Anteil der informell Beschäftigten lt. OECD auf zwei Drittel steigen.

13. In Indien lebten 2009 trotz durchschnittlichen Wachstumsraten von jährlich 5 % Prozent im vergangenen Jahrzehnt derzeit 370 Millionen Menschen ohne jede soziale Absicherung, das sind neun von zehn Beschäftigten. 480 Mio. Inder lebten 2009 unter der indischen Armutsgrenze von 1,25 $/Tag. Wer von 1,26 $/Tag (oder mehr) lebt, ist nicht Teil der offiziellen Armutsstatistik.

14. Der reale Wert der globalen Exporte von Gütern und Dienstleistungen hat sich von Anfang der 70er bis Ende der 90er Jahre fast verdreifacht. Das täglich gehandelte Volumen an den Devisenmärkten dagegen stieg von 10 bis 20 Milliarden US-Dollar in den siebziger Jahren auf 1,9 Billionen US-Dollar.

15. Das Wachstum der Weltwirtschaft pro Kopf lag in den 60er Jahren bei 3,6%, in den 70er Jahren bei 2,1%, in den 80er Jahren bei 1,3% und in den 90er Jahren bei 1,1%.

16. Zwischen 1980 und 1997 sank das Pro-Kopf-Einkommen. Ende der 90er Jahre waren 54 Länder ärmer als 1990.

17. Auf das Fünftel der Menschheit, das in den reichsten Ländern lebt, entfiel Ende der Neunzigerjahre 86% des Welt-BIP, 82% der globalen Exporte, 68% der ausländischen Direktinvestitionen, 74% aller Telefon- und 93% aller Internetanschlüsse. Auf das ärmste Fünftel je rund 1%.

18. 90% aller Technologie- und Sachpatente werden von transnationalen Konzernen gehalten. 80% der in Entwicklungsländern gewährten Patente gehören Staatsbürgern aus Industrieländern.

19. Die Zölle der Industrieländer für Einfuhren aus Entwicklungsländern sind im Durchschnitt drei- bis viermal so hoch wie für Einfuhren aus Industrieländern.

20. Die Zahl der Menschen, die mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen müssen, ist weltweit zwischen 1990 und 2000 von 1,24 Milliarden auf 1,1 Milliarden gesunken. Aber: Ohne China hat sich diese Zahl von 876 auf 896 Millionen erhöht. In Osteuropa und Zentralasien stieg sie von 6 Millionen Menschen 1990 auf 20 Millionen 2000. In Afrika südlich der Sahara von 241 auf 323 Millionen. Auch in Lateinamerika und der Karibik, im Nahen Osten und in Nordafrika stieg die Zahl an.

21. Eine Milliarde Menschen leben in Slums.

22. Zwei Milliarden Menschen leben heute noch ohne Elektrizität.

23. 2,4 Milliarden Menschen haben keinerlei Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung. Die 7 Milliarden US-Dollar, die nötig wären, um 2,6 Milliarden Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen, sind weniger, als Europäer/Innen für Parfums ausgeben und US-Staatsbürger/Innen für Schönheitschirurgie. Die Investition würde täglich 4.000 Menschenleben retten.

24. In 29 ärmsten Ländern der Welt war der Schuldendienst höher als die Gesundheitsausgaben.

25. Die 500 weltgrößten Unternehmen beschäftigen 0,05% der Weltbevölkerung, kontrollieren jedoch 70% des Welthandels, 80% der Auslandsinvestitionen und 25% der Weltproduktion.

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Wie wir unsere Welt verändern

Auf uhupardos Blog hat sich zu seinem Artikel: Denken Sie jetzt nach vorn! eine hochinteressante Diskussion mit den verschiedensten Lösungsansätzen für eine bessere, menschliche Gesellschaft entfaltet.

Mir fiel hier – wie so oft in letzter Zeit – Nick Motts brillianter Kommentar auf, den ich darum mit seiner Genehmigung hier im Wortlaut als eigenen Artikel zur Diskussion stelle:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/schwarm-experiment-menschen-sind-auch-nur-fische-a-471179.html
http://derstandard.at/1252036646511/Experiment-Menschen-im-Schwarm-verhalten-sich-wie-Fische
http://www.geo.de/GEOlino/mensch/58045.html?p=1&t=media

Langer Links kurzer Sinn:
Deutschland hat ca. 80 Mio. Einwohner.
5% davon wären 4 Mio.
5% davon wären 200.000
5% davon wären 10.000
5% davon wären 500
5% davon wären 25
5% davon wären ca.1 – wenn also 1 anfängt, 25 anderen eine Orientierung zu geben, wenn diese gerade danach suchen, hat er hervorragende Aussichten, seine Orientierungsweise, seine Ziele durch diese 25 multiplizieren zu lassen usf.
Voraussetzung ist
1. ein Chaos oder eine verwirrende komplexe Situation mit
2. einem deswegen gegebenen Orientierungsdefizit, welches
3. mit einer Notwendigkeit zur Orientierungsfähigkeit einher geht, welche
4. von einer glaubwürdigen Person verkörpert wird, die
5. die kybernetischen Algorithmen struktureller Determination
a) verstanden hat und
b) rechtzeitig, umfassend und angemessen anzuwenden versteht^^

Vergleiche hierzu auch
– Werbeeffekt
– Modeeffekt
– Schwarmeffekt (s.o.)
– Hurrapatriotismus
– Schlaaaand!-Effekt
– Boy-group-Effekt
– Guru-Effekt, usw. usf. (Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit^^)

Jetzt die Gretchenfrage: Wie soll wohl so ein Orientierungsmodell aussehen?

Ich nenne es “Verschränkte Triangulation”.
Es gibt immer nur “Dreiergruppen”, wobei aus jeder Dreiergruppe jeweils einer mit einer weiteren Dreiergruppe gekoppelt ist (http://image.spreadshirt.net/image-server/v1/designs/14787496,width=190,height=190/Dreikraft—TRIFORCE,-digital,-silber,-altes-magisches-Symbol,-Sierpinski-Dreieck,-Tetraeder-.png).

Das heißt, dass jeder sich nur um 2 weitere “kümmern” muss, dies aber unter vollem Einsatz seiner Möglichkeiten.
Besitzt er selbst diese Möglichkeit nicht, dann kümmert er sich insofern darum, als er nicht ruht, bis er unter Weiterreichung innerhalb der Verknüpfungen jemanden findet, der auf die Bedürftigkeit reagieren kann.

Vorteil: Jedem wird jederzeit durch irgendjemandem geholfen, keiner bleibt allein mit seinen Problemen und der Aufwand ist denkbar gering gegenüber der absoluten Sicherheit der Befriedigung existentieller Bedürfnisse, die JEDER dadurch genießt.

Mal meine 2Ct dazu^^

Mir fiel dazu ein Video von anonymus ein, das in die gleiche Richtung zeigt:

Falls der Text ein wenig unverständlich ist, hier die schriftliche Form des Textes:

In the past many leaders have arisen
and changed the world for the better
the control system knows exactly how to deal with these type of leaders
they know that if the rebel leader is removed then the momentum of the movement is severely damaged
there is a saying;
„cut off the head and the body will die“
without the leader the followers are left disheartened
and a weakened version of the original idea lives on
anonymous is different as there are no official leaders
and everyone is their own leader
there is no centralised power structure
there is only the idea
this is very difficult to stop
the control system tries to apply the same old method of finding the leaders or arresting individual members
they do this because they presume anonymous functions in the same way as themselves
they function within the structure of a pyramid
someone higher up is always passing on orders to those below
of course this is not the case with anonymous
anonymous is comparable to a virus in the way the idea of itself spreads
every new member becomes a unique point of origin
and takes on their own interpretation of anonymous
in this way, anonymous is constantly spreading and evolving
this is why it is impossible to stop
recently there have been arrests by the FBI of anonymous members
let me say this
trying to stop anonymous by arresting individual members is like
trying to extinguish a wildfire with a cup of water

We are anonymous
we are legion
expect us…“

Jetzt freue ich mich auf Ihre Kommentare zu diesen Gedanken.

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KONY 2012 – Das Netz jagt einen Mörder

11.3.2012 – Seit dem 5. März diesen Jahres macht im Internet ein Kurzfilm mit dem Titel „KONY 2012“ die Runde und gehört schon jetzt zu den meistgesehen und meistgeteilten Videos aller Zeiten. Der Film macht auf den ugandischen Kriegsverbrecher Joseph Kony aufmerksam, dessen Rebellengruppe „LRA“ seit ihrer Gründung im Jahr 1986 bis zu 60.000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht hat und die für die Vertreibung von rund zwei Millionen Menschen verantwortlich ist.

Auf den ersten Blick ist man beeindruckt von der enormen Resonanz im Netz, von den vielen Unterstützern und dem vordergründigen Erfolg der Kampagne. Beschäftigt man sich allerdings näher mit den konkreten Zielen der Aktion, mit den Motiven und der Arbeitsweise ihrer Macher und der aktuellen Situation in Uganda, dann kommen Zweifel daran auf, ob „KONY 2012“ wirklich unterstützenswert ist.

Joseph Kony und die LRA

Joseph Kony wurde 1961 in Uganda geboren und erhielt nach eigenen Angaben 1986 den Befehl vom „heiligen Geist“, die „Lord’s Resistance Army“ (LRA) zu gründen, um gegen die ugandische Regierung unter Präsident Yoweri Musevini zu kämpfen. Das Ziel der LRA („Widerstandsarmee des Herrn“) besteht im Aufbau eines theokratischen Herrschaftssystems in Uganda, das konsequent auf den zehn Geboten und der Bibel basieren soll.

Kony selber bezeichnet sich als Geistermedium, Gebieter und Befreier. Seit 1986 haben er und die LRA zwischen 30.000 und 60.000 Kinder entführt. Jungen wurden manipuliert zu Kindersoldaten gemacht, Mädchen missbraucht und zwangsverheiratet. Im Oktober 2005 erließ der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Joseph Kony. Die Anklage umfasst insgesamt 33 Punkte, darunter 21 wegen Kriegsverbrechen und 12 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

2006 floh Kony in die Demokratische Republik Kongo, wo auch die LRA heute immer noch aktiv ist. Von Kony selber gibt es seitdem kein Lebenszeichen. Es scheint sicher, dass er sich seit sechs Jahren nicht mehr in Uganda aufgehalten hat. Einige Beobachter gehen sogar davon aus, dass Kony längst tot ist.

Die Kampagne „KONY 2012“

Die Kampagne „KONY 2012“ stammt von der US-amerikanischen NGO „Invisible Children“ mit Sitz in San Diego. Ziel der Kampagne ist die Bekanntmachung und Festnahme von Joseph Kony bis zum Jahresende 2012. Die Organisation entwarf und produzierte hierzu einerseits ein „Action Kit“ mit Materialien wie Plakaten, Aufklebern und Armbändern und veröffentlichte andererseits den Kurzfilm „KONY 2012“.

Der Film stammt von dem Filmemacher und Invisible Children Gründer Jason Russell und wurde seit vergangenem Montag alleine auf YouTube mehr als 70 Millionen mal aufgerufen. Er selber und sein kleiner Sohn spielen hierin die Hauptrollen. Der Zuschauer erlebt die Situation in Uganda anhand von Dialogen zwischen Vater und Sohn, bei denen Russell dem Kind erklärt, dass Joseph Kony böse sei und gestoppt werden müsse.

Hierzu erzählt Russell von seiner Begegnung mit dem ugandischen Jungen Jacob, der selber Kindersoldat der LRA war und den der Filmemacher 2003 in Uganda getroffen und interviewt hat. Originale Filmaufnahmen aus Uganda und den USA, Interviews mit verschiedenen Zeitzeugen und die selbst eingesprochenen Texte von Jason Russell zeichnen die Methoden und Verbrechen von Joseph Kony nach, während immer wieder Szenen eingefügt werden, in denen der kleine Sohn von Russell entsetzt auf die Ereignisse reagiert.

Der Film fordert den Zuschauer auf, selber aktiv zu werden und sich an der Kampagne von Invisible Children zu beteiligen. Sie sollen das „Action Kit“ für 30 Dollar bestellen, die Organisation finanziell unterstützen, das Aktionsmaterial verbreiten, sich der Kampagne bei Facebook anschließen und den Film über soziale Netze, Blogs und persönliche Kontakte noch bekannter machen.

Unterstützer, Spenden und Ziele

Auf ihren Internetseiten wirbt die Organisation Invisible Children mittlerweile mit einer ganzen Reihe prominenter Unterstützer aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Hierzu zählen einerseits bekannte Künstler wie Lady Gaga, Angelina Jolie oder Justin Bieber, andererseits Unternehmer wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Warren Buffett und auch Politiker wie George W. Bush, Condoleeza Rice, Mitt Romney oder Bill Clinton.

Das „Action Kit“ wurde in den letzten Tagen so stark abgerufen, dass es inzwischen ausverkauft ist. Invisible Children verzeichnet hohe Einnahmen und sah sich, nachdem Vorwürfe über die Mittelverwendung erhoben wurden, veranlasst, offenzulegen, wie die Spenden und Einnahmen verwendet werden.

20 Prozent der Einkünfte fließen danach unmittelbar in die eigene Verwaltung. Von dem Rest werden jeweils ein Drittel für politische Lobbyarbeit und ein Drittel für die Finanzierung von Filmen ausgegeben. Lediglich das übrige Drittel wird eingesetzt, um Projekte und Aktionen in Uganda selber zu finanzieren. Im Video „KONY 2012“ werden die Zuschauer dazu aufgerufen, an eine Organisation mit dem Namen „TRI“ zu spenden. Deren Einnahmen werden sogar vollständig zur Finanzierung von Lobbyarbeit eingesetzt.

Als Erfolg der eigenen Arbeit werten es Jason Russell und Invisible Children, dass die US-amerikanische Regierung im Oktober 2011 die Entsendung von 100 bewaffneten Militärberatern nach Uganda autorisiert hat, die das ugandische Militär dabei unterstützen sollen, Joseph Kony zu fassen.

Die Kampagne „KONY 2012“ verfolgt unter anderem das Ziel, eines militärischen Eingreifens durch die USA in Uganda. Der öffentliche Druck, den die Aktion aufbaut, soll verhindern, dass die Truppen wieder abgezogen werden und dazu führen, dass die USA ihre Anstrengungen verstärken.

Zweifelhafte Kampagne

Es ist sehr schwer, sich gegen etwas einzusetzen, was von so vielen Menschen mit gutem Willen befürwortet und unterstützt wird. Da höre ich förmlich ein „Du hast aber auch an allem etwas auszusetzen“ oder ein „Da engagieren sich mal Millionen von Menschen und es ist Dir wieder nicht recht“.

Ich nehmen es in Kauf, dass mein Standpunkt angreifbar ist und auch angegriffen wird. Ich halte die Kampagne „KONY 2012“ aus verschiedenen Gründen für ungeeignet, um gegen Kriegsverbrechen, Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen zu kämpfen und ich will begründen, warum ich zu dieser Auffassung gelangt bin.

Mein hauptsächlicher Kritikpunkt bezieht sich auf das eigentliche Ziel der Kampagne. Wer das Video in den sozialen Netzen teilt, sich bei Facebook der Organisation anschließt oder Geld an Invisible Children spendet, der beteiligt sich selber nicht aktiv daran, Joseph Kony zu suchen, zu verhaften oder vor Gericht zu stellen. Er unterstützt damit lediglich die Zielsetzung der Kampagne, die darauf abzielt, in Uganda militärisch einzugreifen.

Abgesehen davon, dass ich es für falsch halte, Gewalt mit Gewalt zu beantworten: Joseph Kony hält sich nachweislich bereits seit Jahren nicht mehr in Uganda auf. Bei den anderen Mitgliedern der LRA handelt es sich größtenteils um genau die Kinder, die von Kony entführt, missbraucht, manipuliert, bewaffnet und zu Soldaten ausgebildet wurden. Diese Kinder brauchen keine militärischen Interventionen und keine Bomben sondern humanitäre Hilfe und Unterstützung sowie medizinische und psychologische Betreuung.

Die Kampagne unterstützt, teils direkt und teils indirekt, die Regierung und das Militär in Uganda. Präsident Yoweri Museveni ist dort seit mehr als 25 Jahren an der Macht. Das Land ist nicht demokratisch, es gibt kaum soziale Unterstützung für die Bevölkerung und Menschenrechtsverletzungen durch die Regierung sind üblich und gut dokumentiert. Ein Beispiel hierfür ist das gesetzliche Verbot von Homosexualität. „Überführte“ Homosexuelle müssen in Uganda lange Haftstrafen verbüßen. Immer wieder wird die Einführung der Todesstrafe für homosexuelle Handlungen diskutiert.

Selbst wenn Joseph Kony noch lebt und man ihn fassen und vor Gericht stellen könnte: Die Situation der Menschen in Uganda würde sich dadurch nicht verbessern. Stattdessen wird die korrupte ugandische Regierung aufgewertet und ihr Militär, das selber unter dem Verdacht steht Menschenrechte zu verletzen und brutal gegen Oppositionelle vorzugehen, personell oder finanziell unterstützt. Hierdurch werden die Probleme in Uganda nur verschärft.

Die Menschen dort leiden heute längst nicht mehr unter Joseph Kony, der sich seit Jahren nicht in Uganda aufgehalten hat. Der Bürgerkrieg ist vorbei, die Flüchtlingslager existieren nicht mehr und die LRA wird von den meisten Menschen nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen. Stattdessen fehlt es in Uganda an Geld und an Ressourcen, an einer flächendeckenden Grundversorgung der Bevölkerung, an medizinischen Einrichtungen, an Lehrern, an demokratischer Mitbestimmung und an der Einhaltung der Menschenrechte.

Klickend Gutes tun?

Der Film von Jason Russell ist undifferenziert. Er zeichnet ein einfaches Bild von Gut und Böse, ohne auf die tatsächlichen Lebensumstände im heutigen Uganda und deren wirkliche Ursachen einzugehen. Invisible Children generiert durch die Kampagne Einnahmen in Millionenhöhe, von denen nur ein kleiner Teil der betroffenen Bevölkerung zugute kommt, während der Großteil in die Organisation selber, in die politische Lobbyarbeit und in die Finanzierung weiterer Filmprojekte des Filmemachers Jason Russell fließt.

Den Zuschauer hinterlässt das Video in dem guten Gefühl, durch das Teilen auf den sozialen Netzen, die Weiterverbreitung des Films oder die finanzielle Unterstützung der Organisation einen Beitrag gegen Kriegsverbrechen, Unrecht und Ungerechtigkeit zu leisten.

Hierzu wird mit filmischen Mitteln gearbeitet, die nicht aufklären, sondern an wirkungsvolle Werbe- und Medienkampagnen in bester Hollywood-Manier erinnern. Ein Kleinkind erklärt uns, was zu tun ist und teilt mit uns die polarisierende Einschätzung über das Gute und das Böse in der Welt. Originale Filmausschnitte werden beliebig zusammengeschnitten, ganz unabhängig davon, ob sie die Situation in Uganda von 2003 oder von heute beleuchten. Und damit sich wirklich jeder der Auffassung des Filmemachers anschließen kann, wird im Zusammenhang mit Joseph Kony, völlig unkommentiert, ein Bild von Hitler eingeblendet.

Keine Frage: Bei Joseph Kony handelt es sich um einen furchtbaren Kriegsverbrecher, der für das Unglück sehr vieler Menschen, hierunter unzählige Kinder, verantwortlich ist. Wenn Kony noch lebt, dann muss er verhaftet und vor den Internationalen Gerichtshof gestellt werden, der ihn bereits seit 2005 per Haftbefehl sucht. Dieses Ziel allerdings mit militärischen Mitteln oder sogar einer Intervention von US-Truppen in Uganda und seinen Nachbarstaaten erreichen zu wollen, bedeutet Unrecht mit Unrecht zu vergelten, billigend in Kauf zu nehmen, dass weitere Unschuldige zu Schaden kommen und mit der derzeitigen Regierung in Uganda ein System aktiv zu unterstützen, das weder demokratische Standards und die Menschenrechte einhält, noch seine Bevölkerung mit den notwendigen sozialen, medizinischen und kulturellen Leistungen versorgt.

Wer tatsächlich etwas für die Bevölkerung in Uganda tun will, der sollte sich ein Beispiel an dem deutschen Blogger Sören nehmen, der seit August 2011 im Rahmen des „weltwärts-Projektes“ für ein Jahr im Westen Ugandas lebt und dort als Freiwilliger eine örtliche Berufsschule unterstützt. In seinem Blog „Meursault in Uganda“, schreibt Sören regelmäßig über seine Erlebnisse und Erfahrungen in dem afrikanischen Land. Die Lektüre seiner interessanten, aufschlussreichen und sehr anschaulichen Artikel gehört für mich seit einigen Monaten zur täglichen Routine, die ich an dieser Stelle jedem empfehlen möchte.

Der Artikel im Orginal: KONY 2012 – Das Netz jagt einen Mörder.

Dazu von mir ein weiterführender Link (auf Englisch), der die in diesem Artikel vertretene Meinung bekräftigt:

Central Africa – The Problem with Invisible Children’s Kony 2012

Nachtrag vom 12. März 2012:

Ausbeutung ärmerer Länder durch die EU

Heute postete Dr. Martin Bartonetz in einem Kommentar zu seinem Artikel Warum ist der Mensch korrupt? dieses Video, das ich auf meinem Blog als eigenen Artikel weiterverteile.

Dem Inhalt dieses Videos ist nichts weiter hinzuzufügen.

 

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