Auf der Basis der weißgardistischen Ideen kann den Globalisten nicht widerstanden werden

Original des Artikels auf nakanune.ru vom 08. September 2014

Übersetzung: Solveigh Calderin

Analyse von Andrej Fursow, Historiker, Schriftsteller, ordentliches Mitglied der internationalen Akademie der Wissenschaften

Andrej FursowWas war die Februarrevolution, wenn sie zu reiner Logik zurückgeführt wird? Das ist das Erscheinen eines Machtvakuums. Es stellte sich heraus, dass die Macht auf eine einzelne Person reduziert war, die niemandem passte, die sich als Verschränkung nationaler und internationaler Widersprüche erwies, und die damaligen Oligarchen hatten den Eindruck, wenn die Hauptperson weggenommen würde, wäre alles gut. Das heißt, der Februar-Palast-Umsturz – das war die Aufgabe der Hauptperson der Oligarchen. Die Oligarchie irrte sich, es wurde nicht gut – vor allem für die Oligarchen selbst, aber das ist eine andere Frage. Wenn wir „Februar“ sagen – haben wir im weitesten Plan den Palast-Umsturz im Sinn, als die „Spitze“ den Hauptleiter aufgab, um die inneren und internationalen Probleme zu lösen.

Nun, was die ukrainische Krise betrifft, warum ist sie entstanden? Das ist sowohl mit unseren als auch mit internationalen Prozessen verbunden. Vor allem ist es eine Weltkrise, die Krise der USA, die dank des Raubs des sozialistischen Lagers in den 90iger Jahren aus einer schwierigen Situation herauskamen, in der sie sich am Ende der 80iger Jahre befanden. Wahrscheinlich erinnern Sie sich, dass die letzten drei Jahre der Regierung Clinton ganz und gar phantastisch waren: es war der erste Budgetüberschuss der USA seit dreißig Jahren, das war das Resultat der Plünderung des sozialistischen Lagers, vor allem Russlands. Aber Fortuna gibt nichts auf ewig, all das endete, und zu Beginn des XXI. Jahrhunderts hatten die Amerikaner den Einfall der „Neuen Ordnung“ Bushs, die gescheitert ist. Nach ihr kam das „Neue Chaos“, das „Neue Durcheinander“ Obamas, das auch scheiterte, und das fand seinen Niederschlag in der Doktrin der USA, die am 5. Januar 2012 veröffentlicht wurde. In ihr wird gesagt, dass die USA nicht zwei Kriege führen können, wie es früher vorausgesetzt wurde, sondern nur einen und einige indirekte Operationen noch irgendwo. Nun, diese Strategie des „Neuen Chaos“ oder des „Neuen Durcheinanders“ bewegte den „arabischen Frühling“ gut und gelangte bis Syrien, wo sie an die chinesisch-russische Wand stieß. Hier begann die Doktrin des Chaos festzufahren. Es wurde völlig klar, dass wir im Unterschied zu Libyen, das wir aufgegeben haben, Syrien nicht aufgeben werden. Das hat unsere „Partner“ sehr ernsthaft verärgert. Übrigens, wenn über die Amerikaner als „Partner“ gesprochen wird, erinnere ich mich immer an die eine Episode aus einem alten, meinem Lieblingsfilm der Kindheit, „Das Geheimnis zweier Ozeane“, in der ein Tschekist, der von Pawel Luspekajew gespielt wird, einen japanischen Spion aufspürt (der wird von Gluskij gespielt). Der Tschekist kommt in ein Hotel, wo er sagt: „Hält sich hier mein Freund, der Musikant Iwaschow auf?“ Aber „mein Freund, der Musikant Iwaschow“ kommt mit dem Messer, schon bereit, ihm das Messer in den Rücken zu stoßen, da beginnt irgendein Kampf. Unsere „Partner“ – das ist dieser „Musikant Iwaschow“, der mit dem Messer im Rücken steht.

Außerdem ist es ganz und gar klar, dass der Weltkonflikt der innerweltlichen Oligarchien dazu führte, das ein Teil der „halbperipheren Oligarchien“, die ihr BRICS bilden, eine militärische Abschirmung brauchen, und die einzige militärische Abschirmung dieser gesamten Mannschaft kann nur die Russische Föderation sein, was auch Probleme in den Beziehungen Russlands mit den USA begründet. Und die Ukraine, das ist zweifelllos die asymmetrische Antwort auf all diese Dinge. Die ukrainische Krise selbst ist eine schlimme Niederlage der Oligarchen der letzten 20 Jahre, wobei die Niederlage aus einem reinen Klassengrund hervorging. Das ist eine reine Klassenniederlage, weil die Vorsitzenden der russischen Oligarchien in Gestalt seiner Vorsitzenden wie Tschernomyrdin, Surabow, ihre Geschäfte mit den ukrainischen Oligarchen machten und Lieder zum Bajan sangen. Aber die amerikanischen Partner arbeiteten mit allen sozialen Gruppen, nicht nur mit den Oligarchen. Und da ist die Klassen-Beschränktheit, der Geiz und die Gier der russischen Oligarchen führte zur ukrainischen Krise. Dieser amerikanisch-nazistische, amerikanisch-banderowsker Umsturz muss als Niederlage der russischen Oligarchien angesehen werden und die Krim hier – das ist der gewonnene Punkt der unterlegenen Partei.

All‘ diese Vektoren, die internationalen und die inneren, zusammengelegt, bildeten bei einem Teil des amerikanischen Establishments die Aufgabe, Russland Probleme zu machen, einen Rammbock an der russischen Grenze zu errichten, und die Probleme zu lösen, die 1991 nicht gelöst worden waren, als sie Russland nicht errangen. Warum errangen sie es nicht? Aus einigen Gründen: Russland ist eine Atommacht, es gibt ein Problem – China. Aber ich denke, der Hauptgrund, warum sie Russland 1991 nicht errangen, war die Euphorie darüber, dass „auch so alles gut wird“. Nicht zufällig sagte Clinton 1995: „Wir erlauben Russland zu sein, aber wir erlauben nicht, dass es eine Großmacht wird“, d.h. es wird als eine Funktion existieren. Außerdem ermöglichte die Erhaltung des zentralisierten Systems das Land leichter zu plündern. Das ist eine Sache – in Moskau einen Alkoholiker und ein halbkoloniales Regime zu haben, mit dessen Hilfe es möglich ist, das ganze Land zu plündern, oder es mit 40 – 50 Menschen zu tun zu haben, mit denen man sich einigen muss.

Aber die Amerikaner studierten nicht die Politökonomie Marx‘, sie lasen nicht die 24 Kapitel des „Kapitals“ über die Anfangsakkumulation. Es ist so, dass der kapitalistischen Akkumulation eine ursprüngliche vorangeht, die nicht kapitalistisch ist. Wenn im Kern des kapitalistischen Systems der anfänglichen Akkumulation eine kapitalistische vorangeht, dann „leben“ sie an der Peripherie und Halbperipherie „zusammen“, außerdem zermalmt die Anfangsakkumulation die kapitalistische. In sozialer Hinsicht führt das zu Folgendem: In jedem halbperipheren Land entstehen zwei Gruppen: die „Angestellten“ und die „Kontrolleure“. Die „Angestellten“ – das sind Menschen, die bereit sind, ihr Land nach dem Prinzip „was möchten Sie?“ an die transnationalen Konzerne zu übergeben. Wenn aber das entsprechende Land irgendeine Souveränität bewahrt hat, wenn es keine Kolonie ist, aber sagen wir eine „souveräne Demokratie“, so entsteht eine Schicht Menschen, die die Anfangsakkumulation des Kapitals kontrollieren und die in Widerspruch zu den „Angestellten“ auftreten. Ich nenne diese Menschen „Kontrolleure“. Vom Standpunkt der ökonomischen Politik gibt es keinerlei Unterschied zwischen den „Angestellten“ und „Kontrolleuren“: sowohl die einen als auch die andern sind Vertreter des liberalen Modells. Aber während die „Angestellten“ bereit sind, sich vor den transnationalen Konzernen auf alle viere zu begeben, so sind die Kontrolleure nicht bereit, das zu tun. Sie wollen selbst das jeweilige Territorium regieren, auch wenn ein gewisser Tribut dazu entrichtet wird, aber dabei das Territorium kontrollieren. Im Resultat dieser amerikanischen Fehlkalkulation entstanden in Russland im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, dank der Logik der Inkongruenz der Anfangsakkumulation und der kapitalistischen Akkumulation diese beiden Gruppen. An sich ist die globale Oligarchie bereit, diese Kontrolleure bis zu einem bestimmten Moment zu dulden. Wenn sie anfangen, „zurückzuschlagen“ und zeigen, dass sie sich in ihrer näheren Zone selbst einrichten wollen, dann werden sie für die globale Oligarchie, die solche Dinge nicht dulden kann, zu einem Problem. Und sie stellt die Frage der Säuberung.

Frage: Ist die leitende Schicht der Russischen Föderation zu einem dauernden Widerspruch gegenüber der globalen Oligarchie für die Verbesserung seiner Lage und zur eigenen metaphysischen und physischen Rettung bereit? Es gibt viele „dagegen“ und es gibt ein „für“. Was schwächt die leitende Schicht Russland im System des Widerstands gegen die globale Oligarchie? Es ist so, dass die Genesis eines beliebigen Systems sein weiteres Funktionieren definiert. Die gegenwärtige leitende Schicht wurde im Resultat der Kapitulation und des Verrats der Jahre 1989 – 91 und der Demontage der 90iger Jahre geboren. Das heißt, der Eindruck der Niederlage liegt auf ihnen, das sind Menschen, die nicht ans Siegen gewohnt sind. Eine zweite Sache: Ein großer Teil der leitenden Schicht Russlands ist gewohnt zu verteilen, aber nicht zu erschaffen. Hierin liegt das niedrige professionelle Niveau, die Unfähigkeit, sich anzustrengen, die Leidenschaft zum süßen Leben usw. Drittens: Die Gewohnheit zu untergeordneter Stellung. Wie Wysozkij sang, „und sie saugten ein – es braucht keine Wimpel“. Das heißt, es gibt keine Linie, die nicht überschritten werden darf. Viertens – das psychologische Porträt, das die kämpferische Güte sehr schwächt: das ist die Geschäftspsychologie, die soziokulturelle Marginalität, das Fehlen einer strategischen Kultur. Und – der Nichtbesitz einer globalen Welt-Agenda. Ein reales Bild der Welt gibt es nicht. Um erfolgreich mit einem stärkeren Gegner kämpfen zu können, muss man seine verwundbaren Stellen kennen, man muss wissen, wohin man schießen muss. In meiner Zeit sprach Sinowjew darüber, dass sie in den amerikanischen Zentren die UdSSR studierten: nicht wie ein Zoologe einen Elefanten studiert, sondern wie ein Jäger die Beute – um sie mit einem einzigen Schuss zu töten. Tatsächlich haben sich die westlichen Zentren damit beschäftigt.

Schließlich, das letzte Problem. Nach meiner Sicht ist das der elementare oder bewusste Antisowjetismus, bedingt durch die Klassennatur. Das ist Februalismus, die weißgardistische Idee. Aber auf der Basis solcher Ideen kann man den Globalisten nicht widerstehen. Das einzige System in der russischen Geschichte, das dem Westen erfolgreich widerstand, war das sowjetische System mit seiner Ideologie. Das weiße Imperium ist absolut verloren, und die Auferstehung seiner Relikte – das ist die Auferstehung der Niederlage. Hier muss die leitende Schicht sich entweder in Richtung der sowjetischen Ideologie wenden, was sie wegen ihrer Klassennatur nicht machen kann oder sie ändert ihre Klassennatur. Das sind die Schwächen, das sind die Minus.

Was steht dem entgegen? Das sind elementare Dinge – der Selbstschutz. Man muss ein Staatlicher gegen seinen Willen werden, um zu überleben und nicht nach den Haag oder noch irgendwo schlimmer zu geraten. Das heißt, die Geister von Milosovic, Gaddhaffi und Saddam Hussein müssen, wie der Geist von Hamlets Vaters, ständig mahnen, was ernsthafte Probleme sind. Mit anderen Worten, ernsthafter Widerstand in der modernen Welt, das sind vier-fünf weit schwierigere Jahre, er fordert einen völlig anderen Ansatz sowohl zu seiner historischen Vergangenheit als auch zur Realität, zur ökonomischen und sozialen Strategie. Mein Kollege sagte schon, dass eine Mobilisationswirtschaft nötig ist, aber es liegt nicht einmal in ihr – die Mobilisationswirtschaft ist ein Element des „Mobilisationssystems“ mit allen begleitenden Folgen. Ein ernsthafter Widerstand gegen den Westen zum Schutz des Teils unserer Machteliten, die mit nichts anderem als den Haag rechnen können, setzt sehr ernsthafte Veränderungen voraus, sowohl ökonomische als auch ideologische. Wie im „Buckligen Pferdchen“ – ein „Plumps in den Topf und dort kochte er“, aber der andere sprang als guter Prachtkerl heraus. Aber um als guter Prachtkerl herauszuspringen, muss man sehr und sehr viel arbeiten.

Es ist klar, dass das Junta-Regime, der Westen und die fünfte Kolonne versuchen, die Russische Föderation durch die Schreie über den Kampf gegen die Korruption usw. zu kippen. Aber wie sagte irgendwann Sinowjew zur Sowjetunion, „wir zielten auf den Kommunismus – aber landeten in Russland“ – hier wird dasselbe sein. Formal wird das Ziel ein korrumpiertes Regime sein, aber es wird etwas auf Russland schlagen, damit es die abschließende Lösung der russischen Frage wird. Und dafür darf man sich nicht fangen lassen und muss sich sehr gut der Aussage erinnern, die Marx und Engels im Zusammenhang mit der Revolution von 1848 machten: „Jetzt wissen wir, welche Rolle die Dummheit in der Revolution spielt und wie die Halunken sie benutzen können.“ Die Halunken – das ist selbstverständlich die fünfte Kolonne, es ist notwendig, achtsam zu sein. Eine der Hauptaufgaben, die hauptsächlichste, die wichtigste ist die Politik der rechtlichen Bekämpfung der 5. Kolonne.

2 Responses to Auf der Basis der weißgardistischen Ideen kann den Globalisten nicht widerstanden werden

  1. Pingback: blognetnews » Auf der Basis der weißgardistischen Ideen kann den Globalisten nicht widerstanden werden

  2. Pingback: Das Zeitalter des Ordnungszerfalls | Miscelaneous

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: