Puschkin: Den Verleumdern Russlands

Schiller

 

Das fand ich soeben auf facebook. Es ist so eindringlich, so deutlich, dass ich es den Lesern meines Blogs nicht vorenthalten kann.

Dieses Gedicht schrieb Puschkin am 16. August 1831 als Reaktion auf die massive Kampagne in Frankreich – angeführt durch Lafayette, Lamarque und Mauguin – für eine militärische Intervention zur Unterstützung des polnischen Aufstandes von 1830/31.

 

 

Alexander Sergejewitsch Puschkin

Den Verleumdern Rußlands

Was lärmt Ihr, Volksredner, in schwindelnder Bethörung?
Was flucht und drohet Ihr dem heil’gen Russenland?
Was hat Euch so erregt? des Polenlands Empörung?
Schweigt! Diese Frage löst nicht Euer Unverstand;
Es ist ein alter Streit im slawischen Geschlechte,
Und keines Fremden Blick entscheidet hier das Rechte.

Uralt und vielfach sind die Leiden
Die dieser Hader schon erzeugt;
Schon oft ward ein Volk von den beiden
Durch des Gewitters Sturm gebeugt.

Wer wird im ungleichen Kampfe als Sieger erscheinen?
Neigt sich dem Polen, dem falschen — dem treuen Russen die Wage?
Werden die slawischen Flüsse im russischen Meere sich einen,
Wird es austrocknen? das ist die gewichtige Frage!

O schweigt! Für Euch sind nicht geschrieben
Die blut’gen Tafeln der Geschichte,
Ihr seid dem Streite fremd geblieben
Und unbefähigt zum Gerichte!
Für Euch sind Kremlin, Praga stumm,
Nach neuem Kampf seht Ihr Euch um —
Tollkühnes Wagen ist Euch Lust,
Haß gegen uns füllt Eure Brust…

Warum? Weil wir auf den Ruinen
Im Flammenmeer von Moskaus Brande,
Uns widersetzten dem zu dienen,
Der Euch in Knechtschaft schlug und Bande?
Weil wir ihn in den Abgrund zwangen,
Ihn, der die Welt gedrückt mit seinem Heere,
Weil wir mit unserm Blut errangen
Europa’s Freiheit, Frieden, Ehre?

In Worten seid Ihr stark — versucht es in der That,
Denkt Ihr, von Ismail der alte Feldsoldat
Vermag aufs Neue nicht sein Bajonnet zu schwingen?
Denkt Ihr, des Zaren Wort wird ungehört verklingen?
Ist’s neu für uns mit Europa zu kriegen,
Hat der Russe verlernt zu kämpfen und siegen?
Sind unsrer wenig? Oder von Perm bis Tauris Land,
Von Finnlands kalten Felsen bis zum heißen Kyrosstrand,
Von wo der Kremlin golden blinkt
Bis wo sich Chinas Mauer schlingt,
Erhebt sich Rußland nicht alsbald
Gleich wie ein Stahl- und Eisenwald?
Drum, eitle Schwätzer, lärmt nicht mehr!
Schickt Eure Söhne zu uns her,
Sie finden Platz im Russenland,
Bei Gräbern, ihnen wohlbekannt.

Aus dem Russischen von Friedrich Martin von Bodenstedt

Das russische Original:

КЛЕВЕТНИКАМ РОССИИ

О чем шумите вы, народные витии?
Зачем анафемой грозите вы России?
Что возмутило вас? волнения Литвы?
Оставьте: это спор славян между собою,
Домашний, старый спор, уж взвешенный судьбою,
Вопрос, которого не разрешите вы.

Уже давно между собою
Враждуют эти племена;
Не раз клонилась под грозою
То их, то наша сторона.
Кто устоит в неравном споре:
Кичливый лях, иль верный росс?
Славянские ль ручьи сольются в русском море?
Оно ль иссякнет? вот вопрос.

Оставьте нас: вы не читали
Сии кровавые скрижали;
Вам непонятна, вам чужда
Сия семейная вражда;
Для вас безмолвны Кремль и Прага;
Бессмысленно прельщает вас
Борьбы отчаянной отвага –
И ненавидите вы нас…

За что ж? ответствуйте: за то ли,
Что на развалинах пылающей Москвы
Мы не признали наглой воли
Того, под кем дрожали вы?
За то ль, что в бездну повалили
Мы тяготеющий над царствами кумир
И нашей кровью искупили
Европы вольность, честь и мир?..

Вы грозны на словах – попробуйте на деле!
Иль старый богатырь, покойный на постеле,
Не в силах завинтить свой измаильский штык?
Иль русского царя уже бессильно слово?
Иль нам с Европой спорить ново?
Иль русский от побед отвык?
Иль мало нас? Или от Перми до Тавриды,
От финских хладных скал до пламенной Колхиды,
От потрясенного Кремля
До стен недвижного Китая,
Стальной щетиною сверкая,
Не встанет русская земля?..
Так высылайте ж к нам, витии,
Своих озлобленных сынов:
Есть место им в полях России,
Среди нечуждых им гробов.

Dazu auch das Gedicht Alexander Blocks „Skythen“

4 Responses to Puschkin: Den Verleumdern Russlands

  1. Eine sehr gute Übersetzung aus dem Russischen. Aber auch ein ansprechendes und sehr ehrliches Gedicht. Sehr schön.

  2. Pingback: blognetnews » Puschkin: Den Verleumdern Russlands

  3. Pingback: Ich bin Russe | Miscelaneous

  4. Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Puschkin

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