Die Ukraine – das ist die Probe für Europa

Andrej Fursow:

Die Ukraine – das ist die Probe zur Vereinigung der Liberalen und Neo-Nazisten in Europa

Übersetzung des Interviews auf nakanune.ru vom 27. Mai 2014: Solveigh Calderin

Fursow nakanune

Die Angelsachsen füttern die Ukraine weiter, und hoffen, aus ihr einen neo-nazistischen Staat zu errichten, ein neues Drittes Reich, dass sie genauso auf Russland loslassen, wie sie in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Hitler gegen die Sowjetunion hetzten. Das ist natürlich eine strittige Hypothese, die heute nicht viele zu äußern wagen. Wozu sollte der Westen die Ukraine brauchen? Der ständige Experte auf Nakanune.ru, der Historiker Andrej Fursow, meint, dass das Hauptziel des Westens die Destabilisierung ganz Eurasiens ist. Aber nach dem „Krimsieg“, meint Fursow, erlebt Russland den Aufbruch aus der Zone der geschichtlichen Niederlagen. Der wichtigste Sieg des 20. Jahrhunderts wurde bei uns der Sieg über die deutschen Faschisten, dieses Gefühl, dass wir mit dem neuen Dritten Reich schon in diesem Jahrhundert zu kämpfen haben?

Das Video mit dem Interview auf nakanune.ru (russisch)

Frage: Vor kurzem sagten Sie, dass Russland jetzt den Aufbruch aus der Zone der historischen Niederlagen erlebt. Der wichtigste Sieg des 20. Jahrhunderts wurde bei uns der Sieg über die Faschisten, aber dieses Gefühl, dass wir mit dem neuen Dritten Reich schon in diesem Jahrhundert kämpfen werden?

Andrej Fursow: In der Geschichte gibt es keine absoluten Wiederholungen, und natürlich, die gegenwärtige Situation kann man vergleichen, aber es darf nicht vergessen werden – heute ist sie vollkommen anders als 1939 – 1941. Damals gab es einen durchaus offensichtlichen Aggressor, der an unsere Grenzen kam. Jetzt ist die Situation einen andere, aber dennoch, die USA beginnen nach der syrischen Front (denn in Syrien gab es zweifellos eine Konfrontation Russlands und der Vereinigten Staaten) eine Konfrontation in der Ukraine. Ich würde das nicht die „ukrainische Front“ in der russisch- amerikanischen Konfrontation nennen. Die Amerikaner in der Ukraine versuchten, durch den amerikanisch- banderowsker Umsturz eine sehr einfache Aufgabe zu lösen. Sie wollten in der Ukraine einen Brückenkopf für den politischen, und wenn nötig, auch für einen bewaffneten Provokationsdruck auf Russland schaffen. Sie versuchten, einen weiteren russophoben slawischen Staat außer Polen zu schaffen, der im Notfall auf Russland gehetzt werden kann. Es ist das Schaffen von Spannungsherden rings um die nationalen und strategischen Grenzen Russlands.

Frage: Der Weg der modernen russophoben Staaten – das ist doch ein künstlicher Weg, wie es bei Hitler war – ihn, wie wir uns erinnern, sponserten die USA, Finanzclans Englands – hier beobachten wir doch dieselbe Situation?

Andrej Fursow: Die Sache ist die, dass die Gegner Russlands immer die Kräfte erweiterten, die sie versuchten, als bewaffneten Brocken gegen Russland zu werfen, aber, nicht minder, die gegenwärtige Ukraine darf in keinem Fall mit dem Dritten Reich verglichen werden – schon nach dem ökonomischen Potenzial nicht. Außerdem, in der Ukraine selbst steht die Hälfte der Bevölkerung gegen die banderowsker Neo-Nazisten auf, das heißt, das ist eine ganz und gar andere Situation. Die Ukraine sieht im Vergleich mit dem Dritten Reich natürlich wässrig aus.

Frage: Wenn über die Neo-Nazisten in der Ukraine und in Europa überhaupt gesprochen wird – da gab es den Sieg der Nationalisten und „Euroskeptiker“ in den Wahlen in Frankreich und Großbritannien? Verändert sich das Kräfteverhältnis im Europarlament?

Andrej Fursow: Das spricht von einer tiefen Krise der Eurounion. Davon, dass diese Struktur, die von Anfang an nicht lebensfähig war, zu seinem Ende kommt. Und der Aufstieg sowohl der rechten als auch der linken Parteien, die alle zusammen nicht in der Eurounion sein wollen, die nicht ihre Identität verlieren wollen – das alles demonstriert uns die gegenwärtige Situation.

Frage: Zuerst ultrarechte Stimmung – die Rehabilitation des Nazismus danach?

Andrej Fursow: Das ist nur teilweise verbunden, ich denke nicht, dass solche Menschen wie Le Pen den Nazismus rehabilitieren werden. Aber, zweifellos, eines der Nebenprodukte des Zerfalls der Eurounion kann die Rehabilitation des Nazismus sein. Die Sache ist die, dass die Rehabilitation des Nazismus, vor allem nicht so sehr mit der Krise der Eurounion verbunden ist, als vielmehr mit der Zielsetzung der gegenwärtigen westlichen Elite, die ihr Probleme schon nicht mehr in liberaler Art und Weise lösen kann, und die für deren Lösung Neo-Nazisten benötigt. In dieser Beziehung ist die Ukraine eine Probe, dort haben wir die Vereinigung der Liberalen, die die Loslösung der Ukraine von Russland mit Hilfe einer Orangenen Revolution nicht selbst erzielen konnten, und der Neo-Nazisten-Banderowzen gesehen.

Frage: Aber was meinen Sie, wird es nicht einen großen Krieg geben?

Andrej Fursow: In den nächsten Jahren wird es ihn nicht geben. Aber es ist so, dass sich in der Geschichte alles ändert und die Angelsachsen haben immer langfristige Pläne und ihr Ziel ist es, einen ständigen Spannungsherd an den Grenzen Russlands zu schaffen. Wobei sie diesen neuen Staat als Beispiel der „Demokratie“ und „Freiheit“ servieren werden, im Gegensatz zum „totalitären“ Russland. Zweifellos ist das ein Spannungsherd, und ihr Ziel ist es, solche Spannungsherde im gesamten Umfang unserer Grenzen zu schaffen. Überhaupt muss gesagt werden, dass die amerikanischen Strategen das Hauptziel der USA nicht verheimlichen – es ist die Destabilisierung Eurasiens. Die Destabilisierung Eurasiens – das ist die Destabilisierung Russlands.

Frage: Welche Rolle spielte in dieser Konfrontation die Krim?

Andrej Fursow: Der „Krimsieg“ zog einen Strich unter die Blamage, die am 2. – 3. Dezember 1989 begann, als, nachdem Gorbatschow zu dem bekannten russophoben Römischen Papst Johannes Paul II. geflogen war, nach Malta flog und dort Bush gegenüber das sozialistische Lager aufgab. Danach erhielten wir die Schande der „Jelziner“ und gaben unsere Position auf, und jetzt, endlich, haben wir begonnen unsere Spannweite und Brotsamen einzusammeln, und es erwies sich, dass der Westen keine Spiele gegen Russland hat.

Frage: Aber was haben wir? Haben wir irgendwelche realen Verbündeten, auf die wir uns stützen können?

Andrej Fursow: Unser taktischer Verbündeter ist die Volksrepublik China, unsere Interessen decken sich jetzt vollkommen. Aber wenn wir über die Verbündeten Russlands sprechen, dann müssen wir uns immer an den Satz Alexander III. erinnern: „Russland hat nur zwei Verbündete: die Armee und die Flotte“, nun, und in der gegenwärtigen Situation würde ich hier auch die Geheimdienste dazuzählen.

Frage: Aber China und Russland nähern sich jetzt an und preisen das an, was bedeutet das?

Andrej Fursow: Das bedeutet, dass es in der Welt keine ständigen Verbündeten und ständigen Freunde gibt. In den nächsten 10 Jahren haben wir gemeinsame Interessen und gemeinsame geostrategische Gegner, aber weiteres ist schwer vorauszusagen – die Situation ändert sich schnell.

Frage: Nach dem offiziellen Besuch Joe Bidens in Peking im Dezember 2013 haben alle darüber gesprochen dass der maßgebliche Faktor der Weltpolitik die Beziehungen USA – China sind. Als hätten die USA und China verabredet, wie die Welt aufgeteilt wird. Aber am heutigen Tag – hat sich alles geändert?

Andrej Fursow: Nun, erstens gab es nie eine solche Situation, dass die USA und China die Welt aufteilen werden. Wir erinnern uns, das einzige Land der Erde, das den USA einen irreparablen Schaden beibringen kann – das ist Russland. Darum ist hier im Allgemeinen alles offensichtlich. Nun, aber die gegenwärtige Situation nach der ukrainischen Krise – sie hat überhaupt alles völlig verändert – haben wir schon eine solche Blocksituation, wenn es den Westen gibt, in dem schon ernsthafte Desorgansiations-Prozesse ablaufen. Und ein solches gewisses taktisches Bündnis Chinas mit Russland, auch wenn einige von einem strategischen sprechen.

Frage: Das heißt, China hat die USA weich „weggeschickt“? Hat der Zusammenarbeit nicht zugestimmt?

Andrej Fursow: In der gegebenen Etappe haben sie nicht zugestimmt. Aber die Chinesen verstehen ausgezeichnet, dass die Amerikaner, die häufig die Sowjetunion betrogen haben und Russland betrügen – sie werden ganz sicher auch China betrügen. Die Chinesen vertrauen den USA nicht, und das ist richtig.

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7 Responses to Die Ukraine – das ist die Probe für Europa

  1. Pingback: Ukraine is a Test For Europe: Interview with Prof. Dr. Andrej Fursow | The Other

  2. Pingback: Radikalisierung im Parlament | Miscelaneous

  3. Pingback: Ukrainische Faschisten sind deutsche Faschisten! | Miscelaneous

  4. steven25 says:

    Hat dies auf Steven25's Blog rebloggt und kommentierte:
    Hier blogge ich das ins Deutsche übersetzte Interview, welches hier bereits in Englisch zu finden ist. Interessant, wie die gegenwärtige Lage in geopolitischer Perspektive Russlands eingeschätzt werden kann.

  5. Hat dies auf Europapolitik rebloggt und kommentierte:
    Neo-Nazisten in Europa

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