Was hat Putin in den letzten zehn Jahren Gutes für Russland getan?

(für Menschen mit kurzem Gedächtnis)

– kollektive – unautorisierte – Übersetzung des Artikels auf k-istine.ru (zur Wahrheit) –

Teil 1

Der Kenner Anatolij Wasserman schreibt:

Man stellt mir regelmäßig ein und dieselbe Frage. Was hat Putin in den letzten zehn Jahren Gutes für Russland getan? Jedes Mal wenn ich diese Frage höre oder lese, wundere ich mich, welch kurzes Gedächtnis Menschen haben. Sie haben es schon geschafft, die 90er Jahre gründlich zu vergessen.

Putin

Erinnern Sie sich an die Krise 1998, als der Dollar in weniger als einem Monat von 6 auf bis zu 20 Rubel gesprungen war?

Erinnern Sie sich an die Gesichter der Menschen, die in diesem Moment Riesenschulden in Dollar hatten?

Nur zum Vergleich, vom Januar 2000 bis heute [2010 – Anm. der Übers.] hat sich der Dollarkurs nur um einen Rubel erhöht: von 28 auf 29 Rubel. Wenn uns jemand in den 90er Jahren versprochen hätte, dass der Rubelkurs im Laufe von zehn Jahren praktisch gleich bleiben würde, hätte man ihm schlicht nicht geglaubt.

Erinnern Sie sich an die Banditen, die in ihren 600er (Mercedes) auf dem Gegenverkehrstreifen rasten und die normalen Autofahrer in Schrecken versetzten? Ich würde gerne sehen, wie meine geliebten Aktivisten es versucht hätten, sich ihnen in den Weg zu stellen. Heutzutage kann man die Banditen kühn mit dem Blitzlicht einer Kamera aufnehmen – damals riskierte der normale Fahrer für eine ähnliche Aktivität mindestens ernsthafte Schläge und im Maximum – eine Kugel in den Kopf.

Erinnern Sie sich an die Stimmung, in der wir in der 2. Hälfte der 90er waren? Als jeder dachte, dass es morgen schlechter sein wird als gestern? Als die Worte Putins über die Verdoppelung des BIP als nicht lustiger Scherz aus sowjetischer Zeit erschien – ähnlich dem Versprechen, Amerika zu überholen oder die Stiefel im Indischen Ozean zu waschen?

Erinnern Sie sich an die Läden der 90er? Schon nicht mehr sowjetisch, aber auch noch nicht westlich – schmutzig, eng, mit einer aufdringlichen Wache und einem armseligen Sortiment? Erinnern Sie sich an die „Kähne“ [Kleinverkäufer – Anm. der Übers.], die auf Kosten der Rückständigkeit unseres Handels lebten? Erinnern Sie sich an das völlige Fehlen von Konsumentenkrediten, Kreditkarten, Hypermarktnetzen und der übrigen Konsumismus-Infrastruktur?

Erinnern Sie sich an das mittlere Gehalt von 100 Dollar, das solche heute normalen Dinge wie neue ausländische Autos oder Erholung im Ausland zum realen Luxus machte?

Und übrigens, erinnern Sie sich an das vollkommene Fehlen ausländischer Autowerke auf dem Territorium Russlands vor dem Hintergrund der superbilligen Arbeitskraft?

Erinnern Sie sich an das „Business auf Russisch“, das in den 90ern blühte? Die Umschlagwarenbasen in den schmutzigen Kellern, die allgegenwärtigen lustigen Banditen in den Trainingsanzügen, an die ausschließlich schwarzen Gehälter, die ausschließlich in Dollar ausbezahlt wurden, an die obligatorische Wache sogar bei kleinen Unternehmern, an die sich um die Wechselstellen herumtreibenden Schurken…?

Erinnern Sie sich an den schwarzen Neid gegenüber den Europäern/Amerikanern, bei denen ein leistungsfähiger PC ein Gehalt kostete und das Internet zehnmal schneller und zehnmal billiger als bei uns war?

Ich persönlich erinnere mich sehr gut an das alles. Darum, wenn mir diese Frage in vollem Ernst gestellt wird, „was sich denn in Russland in den letzten zehn Jahren zum Besseren verändert hat“, muss ich lachen. Vieles hat sich geändert, meine Kollegen. Sehr vieles.

Das moderne Russland ist ein normales europäisches Land, das für das Leben vollkommen geeignet ist. Natürlich, das moderne Russland hat immer noch einen Haufen Probleme – sowohl eigene als auch von der UdSSR geerbte. Aber… es ist schon nicht mehr jenes bettelarme Russland, in dem die mittlere Rente 20 Dollar betrug, in dem mal die Mawrodis [Die von Mawrodi Anfang der 1990er-Jahre betriebene Aktiengesellschaft MMM brachte schätzungsweise 10 bis 15 Millionen Personen um ihre Geldanlagen. Zitat aus dem Wikipedia-Artikel verlinkt durch die Übers.], mal der Internationale Währungsfonds wirtschafteten und in dem die höchsten Beamten wegen der Kraftlosigkeit und Erniedrigung auf den diplomatischen Treffen weinten.

Wie jetzt, reicht das für die Antwort auf die Frage „was Putin Gutes für Russland getan hat“?

Ich weiß schon im Voraus, was mir jetzt die „nicht einverstanden“ schreiben werden. Sie sagen, Putin hätte damit nichts zu tun und das sei alles den hohen Ölpreisen, dem sowjetischen Erbe und der humanitären Hilfe des zivilisierten Westens zu verdanken.

Zu diesem Thema gibt es eine alte Anekdote. „Jede Mutter ist überzeugt, dass die Kinder die Schönheit, den Verstand und Fleiß von ihr, aber die Liederlichkeit, Rüpelhaftigkeit und Launenhaftigkeit vom Vater geerbt haben.“

Ich werde gar nicht erst versuchen, zu beweisen, dass gerade Putin die in Russland stattgefundenen positiven Veränderungen zu verantworten hat. Ich werde lieber ein Paar Gegenfragen stellen.

Was hat George Bush Junior Gutes für Russland getan? Was hat Angela Merkel Gutes für Russland getan? Was hat Chu Zsintao Gutes für Russland getan?

Ja, ich verstehe, dass niemand von den obengenannten Politikern die Situation in Russland direkt beeinflusst… Aber Entschuldigung – Putin ist ebenso kein Statthalter Gottes auf Erden. Jetzt ist er nur der Ministerpräsident und davor war er nur ein Präsident. Ihm deswegen die Verantwortung für das bettelarme Leben eines schwer trinkenden Wassilij Pupkin [männliche russische Form der deutschen Lieschen Müller – Anm. der Übers.] Putin anzuhängen, ist nicht ganz gerecht.

Mit der Familie der Kadyrows über die Summe der „Subventionen“ Vereinbarungen treffen und dadurch den Krieg in Tschetschenien stoppen? Ja, der Präsident konnte das machen, und es wurde gemacht. Den Russen den Wunsch weiterzuleben und das Leben zu genießen einhauchen? Entschuldigen Sie, das ist die Arbeit der Massenmedien – eine Arbeit, bei der die verantwortungslosen Arschaholik-Redakteure völlig durchfielen.

Aufhören, das Business zu unterdrücken? Einige Schritte hat unser Tandem [Putin + Medwedew] in diese Richtung getan. Jedoch, welchen Sinn macht es für sie, weiterzumachen, wenn zum Beispiel die Wähler der direkten Zerstörung der Verkaufsbuden in Moskau und Petersburg nicht mit zornigen Demonstrationen, sondern mit boshafter Freude begegnen? Wenn die Wähler der Ausweisung Tschitschwarkins und der zweiten Amtszeit Chodorkowskis mit derselben boshaften Freude begegnen?

Die Willkür der Blaulichtfahrer [„Wir fahren wie wir wollen“ – die Mafiosis hatten sich damals selbst Blaulichter auf ihre Autos montiert und nachgeahmte Kennzeichen der russischen Miliz benutzt – Anm. der Übers.] unterbinden? Entschuldigen Sie, das ist die Arbeit der Zivilgesellschaft. Die Zivilgesellschaft muss um diese Blaulichtfahrer eine Atmosphäre der Intoleranz schaffen – damit sogar unser Tandem versteht, dass die Stadt absperrende Ehrengeleite ihr Rating unmittelbar verringern.

Und allmählich übernimmt die Zivilgesellschaft diese Arbeit durch Aktivisten … dank unserem Internet, das Dank dem Kreml bis jetzt unzensiert geblieben ist. Ungeachtet der ständigen Versuche Kasperskis, Malofejews und der übrigen daran Interessierten diese Zensur zu lobbyieren.

Ich habe eben versucht, mich auf dem russischen Thron vorzustellen und abzuschätzen, was ich gemacht hätte, wenn ich in den letzten zehn Jahren in Putins Haut gesteckt hätte. Für die Reinheit des Experimentes habe ich sogar vorausgesetzt, dass ich keinerlei Verpflichtungen vor niemandem außer meinen Wählern habe.

Und, wissen Sie was mir in den Kopf kam?

Dass meine Reformen, über die ich in einem anderen Artikel geschrieben hatte, auf den erbitterten Widerstand der Russen getroffen wäre. Leider sind 18 Jahre Kapitalismus absolut zu wenig, das sowjetische Volk davon abzubringen, vom strengen Herrn mit der Peitsche in der einen Hand und dem Napf Makkaroni in der anderen zu träumen.

Man kann Putin dafür schelten, dass unser Land bis jetzt an ein riesiges Sozialamt erinnert, in der eine ganze Armee von Beamten in ihren Höhlen gemästet wird während sie armselige Unterstützungen ausstellt. Was wird aber mit dem Rating des Politikers passieren, der morgen die Verordnung herausgibt, diese Armee von Schmarotzern bis zur Wurzel zu vertreiben und zu beginnen, die Unterstützungen nur an diejenigen auszuzahlen, die sie wirklich benötigen?

Wir konnten dieses Experiment zweimal beobachten – zur Zeit der Monetisierung der Vergünstigungen und während der Aufhebung der Stipendien. Beide Male wurde guten, brauchbaren, vorteilhaften Reformen sowohl für das Land insgesamt als auch für jeden einzelnen Bürger mit erbittertem Widerstand begegnet.

Ich werde sogar eine noch kühnere Aussage machen. Die Korruption in unserem Land existiert ganz und gar nicht wegen der glatten Visagen der Nomenklatur, die in allen Ebenen der vertikalen Macht sitzt. Die Pyramide der Korruption ist nur die Folge. Sie ist lediglich die Folge der sowjetischen Erzignoranz, die die Wählerschaft zwingt, die Politiker mit allen Fibern ihrer Seele zu hassen, die Reformen zur Verringerung der Korruption anbieten könnten.

Ich fasse zusammen.

Trotz der Meinung unserer pseudodemokratischen und pseudoliberalen Massenmedien ist Putin ganz und gar nicht der geistige Erbe Stalins. Im Gegenteil. Putin ist mehr als ein demokratischer Politiker, der regelmäßig gezwungen ist, den Kittel Stalins anzuziehen, damit unser gottgläubiges Volk in ihm die für sich gewohnte Macht sieht.

Wie eine bekannte historische Persönlichkeit seinerzeit sagte: „Ich habe für dich keine anderen Juden.“

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