Alexander Block und Friedrich Schiller

Passend zu meinem eben veröffentlichten Artikel zur Stalinnote vom 10. März 1952 zu einem Friedensvertrag mit Deutschland erreichte mich heute von einem meiner Facebook-Bekannten dieses Gedicht von Alexander Block vom 30. Januar 1918, das ich hier im Original und in der deutschen Nachdichtung von Heinz Czechowski wiedergebe.

Dieser Einladung Alexander Blocks antworte ich dann mit Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ ebenfalls in deutsch und Russisch in der Übertragung von I. Mirimskij.

Diese beiden Werke drücken meines Erachtens den Willen sowohl des russischen als auch des deutschen Volkes aus. Und nur dem sollten wir uns verpflichtet fühlen. Es muss unsere Aufgabe sein, diesen Willen der Völker durchzusetzen!

Zunächst Alexander Blocks Einladung:

Скифы

Мильоны — вас. Нас — тьмы, и тьмы, и тьмы.
Попробуйте, сразитесь с нами!
Да, Скифы — мы! Да, азиаты — мы, —
С раскосыми и жадными очами!

Для вас — века, для нас — единый час.
Мы, как послушные холопы,
Держали щит меж двух враждебных рас —
Монголов и Европы!

Века, века ваш старый горн ковал
И заглушал грома лавины,
И дикой сказкой был для вас провал
И Лиссабона и Мессины!

Вы сотни лет глядели на Восток,
Копя и плавя наши перлы,
И вы, глумясь, считали только срок,
Когда наставить пушек жерла!

Вот — срок настал. Крылами бьет беда,
И каждый день обиды множит,
И день придет — не будет и следа
От ваших Пестумов, быть может!

О, старый мир! Пока ты не погиб,
Пока томишься мукой сладкой,
Остановись, премудрый, как Эдип,
Пред Сфинксом с древнею загадкой!..

Россия — Сфинкс. Ликуя и скорбя,
И обливаясь черной кровью,
Она глядит, глядит, глядит в тебя,
И с ненавистью, и с любовью!..

Да, так любить, как любит наша кровь,
Никто из вас давно не любит!
Забыли вы, что в мире есть любовь,
Которая и жжет, и губит!

Мы любим все — и жар холодных числ,
И дар божественных видений,
Нам внятно все — и острый галльский смысл,
И сумрачный германский гений…

Мы помним все — парижских улиц ад,
И венецьянские прохлады,
Лимонных рощ далекий аромат,
И Кельна дымные громады…

Мы любим плоть — и вкус ее, и цвет,
И душный, смертный плоти запах…
Виновны ль мы, коль хрустнет ваш скелет
В тяжелых, нежных наших лапах?

Привыкли мы, хватая под уздцы
Играющих коней ретивых,
Ломать коням тяжелые крестцы,
И усмирять рабынь строптивых…

Придите к нам! От ужасов войны
Придите в мирные объятья!
Пока не поздно — старый меч в ножны,
Товарищи! Мы станем — братья!

А если нет, — нам нечего терять,
И нам доступно вероломство!
Века, века — вас будет проклинать
Больное, позднее потомство!

Мы широко по дебрям и лесам
Перед Европою пригожей
Расступимся! Мы обернемся к вам
Своею азиатской рожей!

Идите все, идите на Урал!
Мы очищаем место бою
Стальных машин, где дышит интеграл,
С монгольской дикою ордою!

Но сами мы — отныне — вам — не щит,
Отныне в бой не вступим сами!
Мы поглядим, как смертный бой кипит,
Своими узкими глазами!

Не сдвинемся, когда свирепый Гунн
В карманах трупов будет шарить,
Жечь города, и в церковь гнать табун,
И мясо белых братьев жарить!..

В последний раз — опомнись, старый мир!
На братский пир труда и мира,
В последний раз — на светлый братский пир
Сзывает варварская лира!

Die deutsche Nachdichtung von Heinz Czechowski:

Skythen

Ihr seid Millionen. Wir – Legion, Legion, Legion!
Versucht nur, euch mit uns zu schlagen!
Ja, unsre schrägen Augen, gierig schon,
Verkünden: Wir sind Skythen, Asiaten!

Für euch Jahrhunderte, für uns ein Augenblick.
Mongolen, Europäer, die sich hassen –
Als treue Knechte hielten wir den Schild
Gehorsam zwischen beide Rassen …

Jahrhunderte saht ihr nach Osten, dann,
Das Gold einschmelzend, das ihr uns gestohlen,
Habt höhnend ihr die Frist berechnet, wann
Auf uns zu richten wären die Kanonen.

Jetzt ist die Stunde da, der Flügelschlag
Des Unheils nähert sich, es künden
Uns eure Kränkungen: bald kommt der Tag,
Wo spurlos eure Städte schwinden! …

Wir lieben alles, gallischen Esprit,
Der Zahlen kalte Glut, das Ahnen
Des Unbekannten, doch auch das Genie
Des finster brütenden Germanen.

Und wir erinnern uns der Hölle auch,
Der Straßen von Paris. Venedigs Feste
Sind uns so nah wie jener graue Rauch,
Der sich auf Kölns Gemäuer niederpresste.

Des Fleischs Vergänglichkeit – sinnlich und keusch –
Wir lieben sie wie seinen bittern
Verwesungshauch. Sind wir denn schuld, dass euch
In unsren Armen eure Knochen splittern? …

Erholt euch von des Krieges Schrecken, hört,
Von unsren Armen freundlich-fest umschlossen:
Noch ist es nicht zu spät, steckt ein das Schwert,
Lasst uns zu Brüdern werden und – Genossen!

Wenn ihr nicht wollt – wir sind uns selbst genug.
Wir pfeifen auf das Wort der Treue!
Euch wird noch ein Jahrhundert lang der Fluch
Der kranken Enkel treffen stets aufs Neue.

Europa, anmutsvolle Dame, wir
Werden durch Steppen und durch wüste Wälder
Dir eine Bresche schlagen: Mädchen, hier,
Sieh unsere Asiatenfratzen selber!

Wir räumen euch das Feld bis zum Ural
Für eure stählernen Maschinen:
Asiatenhorden gegen‘s Integral –
Wir sehen zu mit unbewegten Mienen.

Wir sind ab heute euch kein Schild mehr, nein,
Kämpft euren Todeskampf mit den Mongolen,
Wir greifen in den Kampf jetzt nicht mehr ein,
Wir werden zusehn, wenn die Schlachten toben …

Zum letztenmal besinn dich, alte Welt!
Zum brüderlichen Fest der Friedensfeier,
Zum Fest der Arbeit, das uns friedlich eint,
Ruft der Barbaren Leier!

Und nun zu dieser Einladung aus Russland Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ als deutsche Antwort. Dies ist der Geist, von dem Churchill der Meinung war, er müsse „dem deutschen Volk ausgetrieben“ werden:

zunächst auf Deutsch:

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium!
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, Dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo Dein sanfter Flügel weilt.

Chor.
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen!

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Chor.
Was den großen Ring bewohnet,
Huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.

Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur;
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod;
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.

Chor.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such‘ ihn überm Sternenzelt!
Über Sternen muß er wohnen.

Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der Großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.

Chor.
Froh, wie seine Sonnen fliegen
Durch des Himmels prächt’gen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig, wie ein Held zum Siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riß gesprengter Särge
Sie im Chor der Engel stehn.

Chor.
Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternzelt
Wird ein großer Gott belohnen.

Göttern kann man nicht vergelten;
Schön ist’s, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen,
Unserm Todfeind sei verziehn,
Keine Tränen soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.

Chor.
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut–
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel spritzen:
Dieses Glas dem guten Geist.

Chor.
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Überm Sternenzelt dort oben!

Festen Mut in schwerem Leiden,
Hilfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen, —
Brüder, gält‘ es Gut und Blut–
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!

Chor.
Schließt den heil’gen Zirkel dichter,
Schwört bei diesem goldnen Wein:
Dem Gelübde treu zu sein,
Schwört es bei dem Sternenrichter!

Rettung von Tyrannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toten sollen leben!
Brüder, trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr sein.

Chor.
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder, einen sanften Spruch
Aus des Totenrichters Mund.

Und die Übertragung ins Russische von I. Mirimskij:

Радость, пламя неземное,
Райский дух, слетевший к нам,
Опьянённые тобою,
Мы вошли в твой светлый храм.
Ты сближаешь без усилья
Всех разрозненных враждой,
Там, где ты раскинешь крылья,
Люди — братья меж собой.

Хор
Обнимитесь, миллионы!
Слейтесь в радости одной!
Там, над звёздною страной, –
Бог, в любви пресуществлённый!

Кто сберёг в житейской вьюге
Дружбу друга своего,
Верен был своей подруге, –
Влейся в наше торжество!
Кто презрел в земной юдоли
Теплоту душевных уз,
Тот в слезах, по доброй воле,
Пусть покинет наш союз!

Хор
Всё, что в мире обитает,
Вечной дружбе присягай!
Путь её в надзвёздный край,
Где Неведомый витает.

Мать-природа всё живое
Соком радости поит,
Всем даёт своей рукою
Долю счастья без обид.
Нам лозу и взор любимой,
Друга верного в бою,
Видеть Бога херувиму,
Сладострастие червю.

Хор
Ниц простерлись вы в смиренье?
Мир! Ты видишь Божество?
Выше звёзд ищи Его;
В небесах Его селенья.

Радость двигает колёса
Вечных мировых часов.
Свет рождает из хаоса,
Плод рождает из цветов.
С мировым круговоротом
Состязаясь в быстроте,
Видит солнца в звездочётам
Недоступной высоте.

Хор
Как светила по орбите,
Как герой на смертный бой,
Братья, в путь идите свой,
Смело, с радостью идите!

С ней мудрец читает сферы,
Пишет правды письмена,
На крутых высотах веры
Страстотерпца ждёт она.
Там парят её знамёна
Средь сияющих светил,
Здесь стоит она склонённой
У разверзшихся могил.

Хор
Выше огненных созвездий,
Братья, есть блаженный мир,
Претерпи, кто слаб и сир, –
Там награда и возмездье!

Не нужны богам рыданья!
Будем равны им в одном:
К общей чаше ликованья
Всех скорбящих созовём.
Прочь и распри и угрозы!
Не считай врагу обид!
Пусть его не душат слёзы
И печаль не тяготит.

Хор
В пламя, книга долговая!
Мир и радость — путь из тьмы.
Братья, как судили мы,
Судит Бог в надзвёздном крае.
Радость льётся по бокалам,
Золотая кровь лозы,
Дарит кротость каннибалам,
Робким силу в час грозы.
Братья, встаньте, — пусть, играя,
Брызжет пена выше звёзд!
Выше, чаша круговая!
Духу света этот тост!

Хор
Вознесём Ему хваленья
С хором ангелов и звёзд.
Духу света этот тост!
Ввысь, в надзвездные селенья!

Стойкость в муке нестерпимой,
Помощь тем, кто угнетён,
Сила клятвы нерушимой –
Вот священный наш закон!
Гордость пред лицом тирана
(Пусть то жизни стоит нам),
Смерть служителям обмана,
Слава праведным делам!

Хор
Братья, в тесный круг сомкнитесь
И над чашею с вином
Слово соблюдать во всём
Звёздным Судиёй клянитесь!

 

 

 

 

4 Responses to Alexander Block und Friedrich Schiller

  1. Silver Price sagt:

    Существуют также другие менее известные музыкальные произведения на стихи Шиллера: 1815 — музыка Франца Шуберта , 1865 — музыка П. И. Чайковского , русский перевод. Аранжировка версии, используемой в качестве гимна Евросоюза , сделана Гербертом фон Караяном .

  2. Alle Menschen werden Brüder, hätte das Friedrich Schiller geschrieben, so hätte man ihn nicht vergiftet, aber er schrieb Bettler werden Fürstenbrüder,Nun ja, welches Motiv hatte möglicherweise der Fürst, damit sein Leibarzt Schiller vergiftete? Wer kennt die Europahymne und Ode an die Freude? Hat Schiller nicht als “Vormarxist” gemeint: BETTLER WERDEN FÜRSTENBRÜDER? ganz simpel unter Wikipedia zu finden:
    http://nl.wikipedia.org/wiki/Ode_an_die_Freude

    In de oorspronkelijke versie uit 1785 waren deze twee regels als volgt:

    Was der Mode Schwert geteilt; Bettler werden Fürstenbrüder

    Ist Schiller vielleicht deshalb nach seiner Vergiftung in eine Art Bettlermassengrab untergebracht worden? Warum wurden wohl gerade 7 Zähne neu eingesetzt? Doch warum hat wohl Ludwig van Beethoven den anstößigen Satz von Schiller in ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER, WO IHR SANFTER FLÜGEL WEILT, verwandelt? Ist vielleicht durch den Tod von Beethoven im Jahre 1827 Schiller genau an seinem Geburtstag und Monat als Knochenkomposition aus Bettlern in die Fürstengruft gekommen? BETTLER WERDEN FÜRSTENBRÜDER – NACH DEM TOD aber erst. Also am 16. Dezember 1827. Goethe ist neben ihm am 26. März 1832 aufgebahrt worden, also an Beethovens Sterbetag und Sterbe-Monat? (Ludwig van Beethoven *16. Dezember 1770 in Bonn, † 26. März 1827 in Wien)
    http://www.adelinde.net/4600/wortkunstler-goethe-macht-eine-zeugenaussage-im-mordfall-schiller/

  3. Pingback: Puschkin: Den Verleumdern Russlands | Miscelaneous

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