Mewedjews Aufruf zum Rauchverbot in Russland

Wenn zwei das Gleiche machen, ist es dann auch das Selbe?

Wir alle kennen noch die Diskussionen um die Einführung des Rauchverbots in Europa, das uns allen – Rauchern wie Nichtrauchern – Sprüche wie „Rauchen gefährdet die Gesundheit“ und „Rauchen tötet“ auf den Zigaretten- und Tabakpackungen, aber auch auf jedem Plakat der öffentlichen Zigarettenwerbung eingebracht, aber keinen einzigen Raucher weniger beschert hat.

Wie diese Statistik zeigt, ist der Anteil der Raucher mit Einführung des Rauchverbots 2008 faktisch unverändert!

Nach dieser Statistik rauchen insgesamt etwa 18,7 Millionen Deutsche, das sind ca. 27 % der Gesamt-Bevölkerung, wobei ca. 25 % (!) aller 15 – 20jährigen Deutschen rauchen.

So rauchen die Deutschen insgesamt pro Tag 237 Millionen versteuerte Zigaretten und zahlen so täglich knapp 40 Millionen Euro in die Bundeskasse.  Im Jahr 2009 waren es insgesamt rund 13,6 Milliarden Euro. Herr Schäuble dankt’s mit U-Boot-Geschenken an Israel.

Vor ein paar Tagen fand ich auf facebook die Notiz, dass Russland nun auch vorhabe, das selbe Rauchverbot einzuführen.

Wie der Diskussion unter der Nachricht zu entnehmen ist, meldete ich aus deutscher Erfahrung meine Bedenken an, wobei mir natürlich völlig klar ist, dass niemand (und ich schon gar nicht) das Recht hat, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen. Die Gleichheit des Verbotes jedoch ließ mich laut denken.

Daraufhin postete der Initiator dieses Video und sandte mir auch die Transkription des Videos in Russisch, die ich übersetzte und unter dem Video veröffentliche.

 

Meine eigene, unauthorisierte Übersetzung der Transkription des Videos:

Lassen Sie uns unser Land gemeinsam von der Tabakabhängigkeit befreien

D.A. Medwedjew: Liebe Freunde, bis Ende Oktober prüft die Regeirung das Gesetzprojekt des Gesundheitsministeriums, das ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen vorsieht. Offen gesagt, dieses Dokument ist spürbar für jeden Russen: Nichtrauchende Menschen warten einfach voller Ungeduld auf sein Inkrafttreten, ein Teil der Raucher nennen es einen Eingriff in ihr Recht, für ihre Gesundheit nach ihrem eigenen Ermessen zuständig zu sein. Aber ich bin überzeugt, dass dieses Gesetzprojekt den Interessen der Einwohner unseres Landes entspricht.

Die Regierung Russlands nahm die Antitabak-Konzeption an, und jetzt beginngen wir seine Realisierung. Es ist kein Geheimnis, heute ist Russland das rauchendste Land der Welt, wir sprechen oft darüber. 44 Millionen unserer Bürger sind von einer täglichen Dosis Nikotin abhängig – bedenken Sie, das ist ein Drittel des Landes, einschließlich der Kinder! Und wir sind die zweiten nach dem Volumen des Tabakmarktes nach China (China ist wo und wo sind wir?). Und diesen Markt teilen sich vier große ausländische Unternehmen, jedes von ihnen kam Anfang der 90iger Jahre nach Russland. Leider hat der Staat damals, in den 1990iger Jahren, die Risiken ausländischer Tabakinvestitionen in der russischen Ökonomie nicht berechnet. Es wurde Geld in die Reklame, in das Design, in die Produktion leichter, so genannter Frauenzigaretten investiert, die Tabakunternehmen verdoppelten den Verkauf vor allem auf Kosten der Frauen und leider der Kinder. Von 1992 bis 2010 stieg die Anzahl der rauchenden Frauen um das Dreifache – nach der Statistik von 7 auf 22 %. Es rauchen nicht nur die Jugend, sondern auch die älteren Frauen mehr. In den Megastädten raucht heute ein Drittel der Frauen, was es nie gab. Aber das Alter, in dem mit dem Rauchen begonnen wird, senkte sich seit 1993 von 15 auf 11 Jahre. Jetzt haben zwei Drittel der russischen Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren Erfahrungen mit dem Rauchen, und ein Drittel raucht regelmäßig. Bei den Frauen im Alter von 40 bis 50 Jahren erhöhte sich die Anzal der Rauchenden in beträchtlichem Ausmaß. In Russland versuchen 400 Tausend Schüler von 10 bis 13 Jahren zu rauchen, und faktisch ein Drittel bleibt ständiger Raucher.

Auf diese Weise gingen wir in der Anzahl der Raucher kontinuierlich zur Führung über und leider erreichten wir dieses Ziel, erhielten wir diesen Status. Jetzt eine schlimme Zahl: Fast 400 Tausend – soviel Russen verlieren wir im Jahr wegen des Rauchens, das sind soviele wie zum Beispiel in Twer wohnen. Jedes Jahr verschwindet wegen des Rauchens eine gesamte Großstadt von der Landkarte des Landes, wobei das ein quälender und langer Krebstod ist, Lungen- oder plötzlicher Krebs, übrigens auch durch Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die überwältigende Mehrheit, ungefähr 90 % der russischen Raucher beginnt bis zum 20. Lebensjahr zu rauchen und faktisch alle bleiben ständige Raucher, sie sind Minderjährige. Unsere Kinder gewöhnen sich schon im Kleinstkindalter an den Rauch und versuchen die erste Zigarette in den unteren Klassen, darum kann man ganz und gar nicht über das Rauchen als eine freie Entscheidung eines erwachsenen Menschen sprechen. Wir müssen den ständigen Zuwachs der Anzahl jugendlicher Raucher stoppen. Es den Tabakunternehmen weiter zu gestatten, aus der Gesundheit unserer Kinder Kapital zu schlagen, aus ihnen lebenslängliche Tabak-Kosumenten zu machen, darf einfach nicht sein, das ist anormal. Andernfalls ist es schlimm, sich vorzustellen, welchen Preis für all das wir nach 10 bis 20 Jahren bezahlen. Kinder insgesamt sollten keinen Tabakqualm einatmen und das Rauchen als etwas Normales, Alltägliches auf den Kinderspielplätzen, in der Schule, in den Universitäten, in den Polikliniken, im Kaffee sehen.

Dieses vorbereitete Gesetzprojekt sieht ein völliges Verbot des Rauchens an diesen Orten vor. Restaurants, Kaffees, Bars werden das Schritt für Schritt einführen, so wie das übrigens andere Länder der Welt gemacht haben. Der letzte Punkt ist der 1. Januar 2015. Das Dokument verpflichtet auch alle Gebäude vom Rauchen zu befreien, in denen sich Organe der staatlichen Macht befinden und die Menge der Verkaufspunkte wird drastisch eingeschränkt, es wird öffentliche Reklame für den Tabak in den Geschäften verboten, um diese Waren aus den Augen der Kinder zu entfernen. Aber man muss nicht nur das Rauchen an öffentlichen Orten und den Verkauf der Zigaretten an jeder Ecke verbieten, sondern die Reklame für Tabak muss vollständig verboten werden, aber auch die Steuern auf die Produktion der Zigaretten muss zu einer spürbaren Ebene erhöht werden. Übrigens, die Erhöhung der Verbrauchssteuern auf Zigaretten erlaubt es, zusätzliche Gelder zu erhalten und damit das Gesundheitsbudget zu erhöhen, es in Programme zur Hilfe für jeden, der dem Rauchen entsagen will, in soziale Reklame für eine gesunde Lebensweise anzulegen.

In der Diskussion dieser Maßnahmen sprechen viele von der Diskriminierung der Raucher, aber heute werden fast 60 % der Erwachsenen und Kinder, darunter Minderjährige, von Seiten der Raucher selbst diskriminiert: Sie werden gezwungen, den giftigen Rauch der Zigaretten einzuatmen, obwohl sie nicht gewählt haben, Raucher zu sein, sie haben keine solche Erklärung abgegeben. Beispielsweise sind ein Drittel der Russen gezwungen, den Tabakqualm auf Arbeit einzuatmen. Zum Beispiel ist es für die Kellner in Kaffees und Restaurant fast ein Teil der Dienstpflicht.

Dieses Gesetzprojekt richtet sich auf den Schutz all dieser Menschen und anderer Menschen und erlaubt das Rauchen für die das wünschen dort, wo der Qualm nicht die Gesundheit anderer schädigt – auf der Straße. Natürlich ist diese Antitabakinitiative nur der Beginn eines großen Weges.

Und ich wollte noch eine einfache Sache unterstreichen: weder die Regierung, noch der Staat kämpfen mit den Rauchern, aber wir treten gegen das Rauchen auf. Um direkt zu sein, mehr als
80 % unserer Bürger, darunter zwei Drittel regelmäßiger Raucher, unterstützen den Kampf gegen das Rauchen. Lassen Sie uns unser Land gemeinsam von der Tabakabhängigkeit befreien!

Dieser Text zeugt zumindest von dem Wunsch und Versuch, die Russen direkt in den Kampf gegen die Tabak-Abhängigkeit einzubeziehen, auch werden die Nutznießer des Rauchens – vier ausländische Tabak-Konzerne – benannt. Drastische Zahlen zeigen das ganze Ausmaß und Desaster des Rauchens in Russland heute. Medwedjew appelliert an den Patriotismus der Russen, um die Tabakabhängigkeit einzudämmen und das Rauchverbot durchzusetzen, ganz anders als es hier in Deutschland geschah. Wird den Russen gelingen, was die Deutschen nicht schafften (und wohl auch gar nicht sollten)?

In Deutschland haben vor allem der Finanzminister und die Tabak-Industrie durch die ständig steigenden Preise für die Zigaretten gewonnen.

6 Responses to Mewedjews Aufruf zum Rauchverbot in Russland

  1. fischi sagt:

    Ich denke da macht er wie die Deutschen, alle Affen machen nach und ich bin wieder in der Diskussion.
    Wo in Deutschland die ganz wichtigen Entscheidungen gegen die Raucher gefallen sind war ich noch selber betroffen.
    Mitlerweile haben die Ärzte gesiegt und für mich ist das ein abgeschlossenes Kapitel.
    Trotzdem hat sich meine Meinung wenig geändert.
    Vorschriften vom Staat haben da wenig Sinn, die Sucht ist stärker.
    Das Rauchen in Gaststätten zu verbieten ist ein zweischneidiges Schwert.
    Meine Erfahrung ist in reinen Speisegaststätten ist das Verbot kein großes Problem, allerdings geht der Raucher eher.
    Für reine Kneipen ist das schon sehr geschäftsschädigend.
    Wenn die Zigaretten zu teuer werden wird bestimmt viel Tabak privat angebaut.
    Versuchen kann er es ja aber mehr wie in Deutschland wird er auch nicht erreichen.
    Gegen eine Sucht mit Verboten vorzugehen funktioniert nicht.

    Ps. Meine Mutter ist an Lungen und Leberkrebs gestorben, obwohl sie nich geraucht und gesoffen hat.

    • Ich teile Deine Meinung, dass Verbote gar nichts ändern – siehe die Statistiken, die das mehr als deutlich belegen. Es ist zunächst erstmal ein toller Grund, Steuern auf und die Preise der Tabakwaren zu verteuern.

      Auch die Prohibition in den USA hat mehr als deutlich gezeigt, dass Verbote gar nichts bringen – außer den Konzernen, die sich am Verbot mehr als eine goldene Nase verdienen…

      Ich finde dennoch die Intention dieser Rede hier ein bißchen anders als bei uns. Und insofern bin ich gespannt, wie sich das wohin in Russland entwickelt. Denn über eines sind wir uns beide einig: JEDE Sucht – und Rauchen IST eine – schädigt unsere Gesundheit! Und auch in diesem Punkt gebe ich Medwedjew recht:
      Was ist das für eine Art und Weise, dass sich ein paar an der gesundheitsschädigenden Sucht ungestraft bereichern! Dem muss unbedingt ein Riegel vorgeschoben werden!

      Und dabei können die Raucher ganz direkt mitwirken!

  2. fischi sagt:

    Ich habe heute viel überlegt wie man die Leute am besten vom Rauchen abhalten kann.
    Die einzige Möglichkeit die ich sehe ist sehr langfristig und bestimmt auch nicht einfach.
    Es muß gelingen die Kinder und Jugendlichen nicht abzuhalten wie bei mir sondern zu überzeugen.
    Alles andere bringt nichts.

    • Ooohhh, ich habe da eine viel effektivere Methode im Kopf!
      Ich habe mir überlegt, wie ist den Menschen das Rauchen beigebracht worden? Noch vor 1900 war das Rauchen nicht sehr verbreitet! Der Bauer rauchte auf dem Feld manchmal seinen Knaster (Hanf), aber das war keine gesamtgesellschaftliche Erscheinung. Damit konnte sich freilich der Profit nicht erhöhen… Es gab einfach zu wenig Raucher!
      Dann passierte folgendes:
      In den Filmen rauch(t)en die Helden.
      Auf Veranstaltungen wurden rauchende Persönlichkeiten gezeigt – das wird übertragen. Rauchen ist schick! Denke an Marlene Dietrichs im „Blauen Engel“ – selbst Frauen rauchen!
      Überall gab es plötzlich Werbung für’s Rauchen mit den Gefühlen von Freiheit und Stolz, oder Genuß und Sinnlichkeit.
      Das setzt sich bis heute fort und die Methoden sind verfeinert. Die Botschaft bleibt: Wenn Du „dazu“ gehören willst, wenn Du ein ganzer Kerl sein willst, oder eine begehrenswerte Frau, dann musst Du rauchen!
      Als mir das aufging, wurde mir die ganze Perfidität bewusst, mit der Milliarden Menschen in die Tabak-Abhängigkeit getrieben und ihrer Gesundheit, ja ihres Lebens beraubt werden, damit sich ein paar die Taschen füllen können!

      Diese Methode müsste nun einfach umgedreht werden:
      Der Held im Film ist immer Nichtraucher.
      Im Fernsehen wird kein Raucher gezeigt.
      In keinem Film – weder Kino noch Fernsehen – gibt es Raucher.
      Überall Werbung von rauchfreiem Leben, verbunden mit den Gefühlen von Freiheit, Stolz, Kraft, Lebensfreude, Gesundheit und Schönheit!

      Das kann natürlich nur ein Staat bewältigen, der WIRKLICH um die Gesundheit seiner Bürger besorgt ist und die Nikotinabhängigkeit zurück drängen, wenn nicht gar eliminieren will… Am besten würde das natürlich auf globaler Ebene funktionieren, aber noch sind die Profit-Interessen der Tabak-Konzerne davor.

  3. fischi sagt:

    Ich glaube da hat sich schon viel getan.
    Wie es in den heutigen Filmen ist weis ich nicht, da mich sowas nicht interessiert.
    Ansonsten raucht da keiner mehr.
    Beim großem Sport sind die Tabakkonzerne auch raus, da mußte sich selbst die Formel1 beugen.
    Ich weis jetzt nicht wie es auf Reclamewänden ist, davon gibt es hier zum Glück nicht viel.
    Selbst in der Fernsehzeitung nicht eine Zigarrettenreclame.
    Da hat sich schon was geändert, aber das braucht viel Zeit.
    Was auch eine wichtige Seite ist das ist die Vorbildfunktion der Eltern.
    Bei mir hat mein Vater geraucht, wie wolle der mich vom Rauchen abhalten.
    Ich war genau so ein schlechtes Vorbild, meine beiden Kinder haben das leider übernommen.
    Was Medwedjew zu den rauchenden Frauen sagt kann ich nur bestätigen.
    Früher haben eher die Männer geraucht aber jetzt scheint sich das zwischen den Geschlechtern nichts mehr zu nehmen

    • Ich habe mich während dieser „Kampagnen gegen das Rauchen“ immer gefragt, warum die Tabak-Konzerne nicht Zeter und Mordio schrieen.
      Bis ich drauf gekommen bin, dass diese „Aktionen“ in deren Interessen ist! Kriminialisiert = höhere Preise = höhere Profite, aber nicht einen einzigen Raucher weniger – siehe die Statistik oben.

      Mir begegnen auf meinen Spaziergängen noch seeeeehr viele Zigaretten-Werbungs-Plakate – und die kann JEDER sehen: Erwachsene und Kinder – und das prägt sich ins Unterbewusstsein ein!
      Über die Filme kann ich mir kein wirkliches Urteil mehr bilden, ich habe in den letzten Jahren nicht viele gesehen. Die letzten, die ich gesehen habe, waren nach dem oben beschriebenen Muster…
      Die Eltern hören ohne eigene Einsicht nicht auf. Darum fehlt mir ja die „Gegenwerbung“, die ich oben beschrieb, um das Unterbewusstsein „umzupolen“ – um die Eltern und über die dann die Kinder zu Nichtrauchern zu machen. Aber DAS gestattet natürlich die Tabak-Industrie nicht!

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