Welche Rolle können Commons in Transformationsprozessen zu Nachhaltigkeit spielen?

Original auf Akademie Integra: Welche Rolle können Commons in Transformationsprozessen zu Nachhaltigkeit spielen?.

Wir möchten Ihnen die neue Broschüre des Wuppertal Institutes zum Thema Gemeingüter / Commons empfehlen. Das 51-seitige Dokument kann hier als PDF runtergeladen werden.

Zusammenfassung

Die Debatten und die sozialen Bewegungen zu Commons spielen im Spannungsfeld der Abwehr aktueller Enteignungen und der Entwicklung neuer Perspektiven. Den Commons wohnt eine ihnen eigene Kraft neben Markt und Staat und eine eigene Transformationskraft hin zu mehr Nachhaltigkeit inne. Sie stellen als”Abwehr” ein kritisches Korrektiv vorherrschender neoliberaler ökonomischer Rationalität und Praxen dar. Sie weisen als”neuer Referenzrahmen” auf zukünftige Wege jenseits von Staat und Markt hin. Sicher stellen sie nicht die eine einzige große Lösung dar. Eine mit “Commons” verbundene zentrale Herausforderung liegt jedoch darin, dass sie auf das verweisen, was dem Begriff “Transformation” innewohnt: Eine Umformung moderner Gesellschaften, die ihren Kern – ihre Gestalt und ihre Struktur – betrifft. Bis heute werden “bürgerliche” Gesellschaften zentral durch ihre Eigentumsverfassung bestimmt. Doch bis morgen und im Kontext der großen Transformation müsste eben diese Eigentumsverfassung neu geschrieben werden. Nicht in dem Sinne, dass nun alles Gemeineigentum ist und dass mit dieser Eigentumsform alle Probleme gelöst werden könnten. Sondern in dem Sinne, dass Eigentumsbildung anhand nachhaltiger Kriterien und vielfältig erfolgt.

Doch kommt mit alten und neuen Ideen von Gemeinschaft und Gemeinbesitz und kommt mit den Commons nicht automatisch das “Gute” und Richtige in die Welt. Vielmehr bleibt zu fragen, welche Bedingungen und Regeln,welche Möglichkeitsräume und Rechte erforderlich sind, damit Commons ihr demokratisches Nachhaltigkeits-Potenzial entfalten können.

Eine zentrale Bedingung hierfür ist, das Wachstums” und Schrumpfungsverhältnis von privatem und öffentlichem Raum umzukehren. Commons bedürfen einer starken demokratischen Öffentlichkeit und eines qualitativ hochwertigen öffentlichen Raumes.
Das Paper stellt zunächst die unterschiedlichen Commonsbegriffe vor und zeigt die den Debatten innewohnenden politischen Rationalitätsmuster auf. Weiter wird von der Ideengeschichte vorherrschender politischer und ökonomischer Logiken erzählt und wird dargelegt, weshalb und inwiefern diese Logiken Commons zerstören. Die Ambivalenz öffentlichen und privaten Eigentums wird am Beispiel Wald aufgezeigt. Schließlich werden Theorie und Praxis von Commons, Commoning und Commoners skizziert.

Original auf Akademie Integra: Welche Rolle können Commons in Transformationsprozessen zu Nachhaltigkeit spielen?.

13 Responses to Welche Rolle können Commons in Transformationsprozessen zu Nachhaltigkeit spielen?

  1. Pingback: Wie wir unsere Welt verändern « Miscelaneous

  2. ingod sagt:

    Hallo Solveigh,

    zum Thema neues wirtschaften nachstehend eine Doku über ein aktuelles Experiment von Rentnern, Freiberuflern und zunehmend jungen Familien, welche das Experiment eine neue Gesellschaft zu leben nicht nur theoretisch, sondern schon praktisch eingehen: „Das Dorfexperiment“ – ein Jahr lang wurden Mitglieder dieser gemeinwohl orientierten Gemeinschaft auf ihrem Weg begleitet. Sehenswert:

    http://swrmediathek.de/player.htm?show=c11257f0-c207-11e1-a4b1-0026b975f2e6

    Liebe Grüße

    Ingo

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar, Ingo.
      Leider ist der Film für meine alte Oma von PC zu „schwer“. Ich konnte diese Dokumentation auch leider nicht auf YouTube finden (die Videos da schafft meine Oma… 🙂 ), eine Textversion hab‘ ich leider auch nicht finden können…

      Das, was ich gesehen und als Einleitung gelesen habe, klingt gut. Möge es mehr solcher Experimente geben, die sich dann untereinander vernezten…

      50 Ehepaare, das sind rd. 150 Menschen… Eine ideale Anzahl von Menschen für solche Strukturen:

      http://en.wikipedia.org/wiki/Dunbar%27s_number

  3. Pingback: 25 Fakten zum Nachdenken: Warum das System irreparabel ist! « Miscelaneous

  4. fischi sagt:

    Mir ist es auch blos teilweise gelungen den Beitrag anzusehen.
    Ehrlich gesagt könnte ich mir sowas nicht vorstellen.
    Und für die vielen armen Bürger ist schon der Genossenschaftsbeitrag unerreichbar.
    Für mich sind das Wohlstandsaussteiger die den Ausstieg ebend doch scheuen.
    Eine neue Gesellschaft wird daraus bestimmt nicht.
    Würde mich interessieren wie lange die das durchhalten.

    • Ja, mit einem so hohen Beitrag wie Du ihn beschreibst, ist das Projekt breiten-wirksam und beispielgebend für alle nicht geeignet, denn es schließt ja die meisten Menschen von vornherein aus – ja, das klingt mir auch wie eine Insel bauen für mich selbst und nur meinesgleichen darf rein…. Schade.

  5. fischi sagt:

    Wer mitmachen darf bestimmt sich über den Genossenschaftsanteil.
    25000 ist kein Pappenstiel.
    Vorgestellt wurden so weit wie ich sehen konnte, ca.15min, eine Geschäftsfrau, ein Beamter für den gehobenen Dienst, einer der in der IT arbeitet……
    Alles solche Leute die früher mal gedacht haben das Gemüse und Fleisch aus der Kaufhalle kommt.
    Wirklich schade das es bei mir nicht richtig läuft, aber auch beim 2. Versuch hat es dann ohne Grund ausgeschalten.

    • 25.000 Euro Eintrittsgeld ist tatsächlich was für Mittelschichtaussteiger, die dann auch unter sich bleiben wollen, als Modell also völlig indiskutabel.
      Klingt mir auch wie eine Sekte – die wollen auch immer nur das beste von den Mitgliedern: ihr Geld!
      Davor warne ich jeden vernünftigen Menschen!

      • fischi sagt:

        Nee,ich kann solche Menschen auch verstehen.
        Die haben genau wie wir die Schnautze voll von der Gesellschaft ziehen aber genau wegen ihrem familierem Hintergrund die falschen Schlüsse.
        Wenn man das schaffen würde die ganzen Gegner oder Kritiker dieses Systems unter einem Hut zu bekommen haben die Kapitalisten verspielt.

      • Verstehen kann ich diese Menschen auch, fischi.

        Im Grunde schaffen sie etwas, was in der DDR LPG (Landwirtschaftliche ProduktionsGenossenschaft) hieß, nur dass es zum Eintritt in die LPG kein Mindestlimit gab, es reichte auch, die eigene Arbeit einzubringen und durch Re-Investieren der Gewinn-Anteile höhere Anteile am Genossenschaftseigentum zu erhalten…

        Schließlich: Warum soll es nicht verschiedene Wege zur Überwindung des Systems geben? Warum die Energie verschwenden beim Versuch, alle unter einen Hut zu bekommen?
        Der gangbarste Weg wird sich letztendlich ganz natürlich durchsetzen. Wichtig ist allein, sich vom kapitalistischen System nicht wieder absorbieren zu lassen und kein neues HERR-Schaft-s-System zu etablieren, das auf Privat-Eigentum an Produktionsmitteln (Grund und Boden mit allem was sich darin befindet, Rohstoffe, Wissen, Arbeitskraft, Maschinen und Anlagen, Immobilien, Geld etc.p.p) beruht.

  6. fischi sagt:

    Das die das System verändern wollen ist wohl zu viel verlangt.
    Aber wer einmal angefangen hat anders zu denken und sich aus dem vorgefertigtem System versucht auszuklinken kann ja auch noch weiter mit seiner Meinung kommen.

    LPG das kann schon hinkommen aber auf einer viel höheren Ebene, und das vor allem materiell.

  7. fischi sagt:

    Da gab es aber auch viele Verlierer und wenige Gewinner.
    Ich habe auch einen entfernten Verwandten der ist mit Landverkäufen sehr reich geworden ist.
    Das es auf dem Land oftmals besser aussieht hat auch viel mit der Städteförderung unter Kohl zu tun.
    Wenn man das Geld was man da in die Neubauförderung in die Sanierung der Altstädte gesteckt hätte …
    Aber es ging wie immer um den schnellen Wahlerfolg.

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