Ist der Kapitalismus reformierbar?

Eine Übernahme des Artikels von Heinz Sauren:

heinzsauren.wordpress.com/2012/06/28/ist-der-kapitalismus-reformierbar/

Der Kapitalismus ist zu weit mehr als einer wirtschaftspolitischen Ideologie geworden. Er ist eine Religion, an die nahezu alle Menschen auf diesem Globus glauben. Seine religiösen Dogmen, wie Besitz und Geld, sind Teil der Moralität unseres Lebens und Grundlage unserer Lebensgestaltung und Planung. Stärker als jeder andere Glauben, ist diese Religion für uns bestimmend bis in die einfachsten Tagesabläufe hinein.

Die Kathedralen dieser  Religion sind die Börsen und Banken und ihre Hohe Priester haben ihre Gesandten in jede Regierung geschickt. Jeden Tag opfern wir uns diesem Glauben, in Form unserer Arbeit, um den Gott des Besitzes zu huldigen und nach der heiligen Hostie zu streben, dem Geld von dem gesagt wird, das es alle Wünsche wahr werden lassen kann.

Ihre Hohe Priester sind die Oligarchen, die Banker und die Ökonomen. Sie haben bereits die höheren Weihen um die Erkenntnis der Allmacht des Geldes erhalten und führen uns ihre prächtige, dekadente und sorglose Welt als heilbringend vor. Sie sehen gelassen in die Zukunft, wissen sie doch nahezu die gesamte Menschheit als tief gläubig hinter sich. Da beunruhigt es auch nicht das eine verschwindend kleine Anzahl von Millionen Menschen gegen die Rituale rebellieren oder andere Modelle prophezeien, da all ihre Kritiker die Grundzüge des Glaubensbekenntnisses, der Besitz und Geld, nicht einmal ansatzweise in Frage stellen. Alles was vorgestellt wurde als Ersatz für Besitz und Geld, war doch nur Regeländerungen und neue Spielarten die über kurz oder lang zu nichts anderem führen, als zu dem was jetzt ist.

Das die Kathedralen dieser Religion nun bröckeln ändert nichts an dem Glauben der Menschen, der ihre Werte bestimmt bis in grundsätzlichste Wertebestimmungen wie gut und böse oder positiv und negativ. Die meisten Menschen können sich eine Welt ohne Besitz und Geld nicht einmal vorstellen. Sie sind außer Stande etwas so grundsätzliches, nahezu Gott gegebenes zu hinterfragen.

Ein nicht kapitalistisches Wirtschaftssystem würde nahezu alle Religionen und Ideologien, aber auch die Moral, die Ethik und das gesamte soziale Gefüge auflösen. Alles müsste neu definiert und der Umgang der Menschen miteinander müsste neu erlernt werden. Nur wenige Menschen besitzen die Größe so etwas anzustreben.

Es ist nicht möglich den Kapitalismus zu reformieren, von innen neu zu gestalten und zu erwarten, dass er dann etwas anderes sei als zuvor. Die Vernichtung des Kapitalismus ist nur von außen mit Gewalt und gegen den Glauben der Menschen möglich, oder durch den Untergang seines Wirtes, den Menschen. Es zeugt von massiver Ignoranz und Infantilität zu glauben, das ein System wie der Kapitalismus, der alleine um sich nur zu erhalten, schon ewig wachsen muss, innerhalb eines geschlossenen nicht wachsendem Systems wie der Erde, Bestand haben könnte.

Wir haben nur zwei Optionen. Entweder zerschlagen wir unser gesamtes Werte- und Gesellschaftssystem, um zu hoffen, dass uns danach ein besserer Neubeginn gelingt, oder aber wir werden als Menschheit zu Grunde gehen und die Gewissheit erfahren, dass wir doch kein Erfolgsmodell der Evolution waren, sondern eher eine kurzfristige parasitäre Randerscheinung, die sich eine Gottheit schuf an der sie zerbrach.

Eine Übernahme des Artikels von Heinz Sauren:

heinzsauren.wordpress.com/2012/06/28/ist-der-kapitalismus-reformierbar/

16 Responses to Ist der Kapitalismus reformierbar?

  1. uhupardo sagt:

    Hervorragender Text! Dazu passt mein neuer Lieblingslink, den Solveigh schon kennt.
    http://www.heise.de/tp/artikel/37/37150/1.html

    • Vielen herzlichen Dank für Deinen Lieblingslink, uhupardo 🙂
      Ja, der ist eine perfekte Ergänzung und Vertiefung dieses Textes von Heinz Sauren 🙂

      • Also, das ist ja eklig und unheimlich!
        Ich packe hier sowohl im Text als auch im Kommentar den Link zum Originaltext von Heinz-Sauren rein, aber der „verwandelt“ sich regelmäßig in einen Link zu diesem Artikel.
        Hast Du eine Ahnung, woran das liegen kann, uhupardo? Vielleicht an dem Kommentar bei Heinz Sauren, in dem ich ihm sage, dass ich das hier wieder-veröffentlicht habe?
        heinzsauren.wordpress.com/2012/06/28/ist-der-kapitalismus-reformierbar/
        Ich habe keine Lust, mir Lorbeeren anzustecken, die nicht meine sind…

  2. fischi sagt:

    Ein sehr guter Text, sind auch genau meine Gedanken.
    Leider weis ich auch keine einfache Lösung.
    Irgendwie steht jedem neuem System der Mensch im Weg.
    Die Zeit wird sich nicht zurückdrehen lassen.

    Vor einiger Zeit kam eine Berichtsserie aus den USA.
    Da ging es u.a. um eine christliche Sekte die abgeschieden für sich leben.
    Aber bei wesendlich über 100 Mitgliedern teilt man sich wieder und gründet eine neue Siedlung.
    Grund,dann klappt das reibungslose Zusammenleben nicht mehr.

    • Das mit den ca. einhundert Menschen stimmt, wobei diese Sekte damit sicherlich auch noch ganz andere Ziele verfolgt:

      Aus dieser „magischen“ Zahl erklärt sich auch, warum so eine zentralistische Macht nie wirklich funktionieren kann und warum Basisdemokratie das einzig richtige Modell ist, um die Probleme der Menschen zu lösen. Also müssten in einer funktionierenden Basisdemokratie die einzelenen „Zellen“ auch auf ca. einhundert bis einhundertfünfzig Menschen beschränkt werden. Wohnviertel, Dörfer, Teile von Dörfern, etc… Und dann von unten nach oben. Aber das würde jetzt hier zu weit führen.

      Bis jetzt ist noch jede Wirtschafts- und Gesellschaftsform verschwunden, untergegangen und von etwas besserem ersetzt worden, ob mit oder ohne „Plan“, was danach kommen solle, wenn sie sich überlebt hatte, wenn die ihr innewohnenden Widersprüche innerhalb dieser Gesellschaft nicht lösbar waren. Das wird dieses Mal nicht anders sein!

  3. uhupardo sagt:

    Ich würde das einem Wort hinterlegen, wie zum Beispiel „Hier geht´s zum Orginaltext: Klick“, dann müsste es klappen.

    • Habe ich ja versucht, uhu – und wenn ich es veröffentlicht habe, führt der Link wieder nur auf meinen eigenen Blog… 😦
      So, habe es sehr häßlich gemacht, aber dafür eindeutig 🙂

      • uhupardo sagt:

        Dann fällt mir dazu wenig ein, lo siento. Der heinzsauren-Link funktioniert sauber, wenn ich ihn kopiere – und müsste es auch tun, wenn man ihn hinterlegt.

  4. fischi sagt:

    Blos die meisten Gesellschaften sind nach Kriegen untergegangen.
    Gut es gab auch noch Völkerwanderungen und mehr aber immer ging es um regionale Probleme.
    Die Geldsäcke sind aber heute weltweit bestens aufgestellt und vernetzt.
    Und weltweit eine Systemänderung hinzubekommen das ist schwer.
    Der Osten wurde am Ende auch aufgekauft und hat sogar noch dabei geholfen den Kapitalismus länger am Leben zu erhalten.
    Und genau die Gefahr besteht ständig so lange es die Kapitalisten gibt.

    Übrigens der Link geht.

    • Vielen Dank für die Mitteilung, dass der Link funktioniert, fischi.

      Ja, der Kapitalismus wütet heute weltweit und so organisieren sich die Menschen auch weltweit. Und darum wird der Kapitalismus auch weltweit abgeschafft. Martin oben schreibt, wie ein Weg zur Überwindung des Kapitalismus aussehen könnte. Die occupy-Leute haben einen sehr wichtigen Satz geprägt, der ausdrückt, was unsere Aufgabe heute ist: Lokal handeln und global denken!

      Du hast absolut recht, der Versuch, einen Sozialismus auf einer Insel (und wenn sie noch so groß ist!) zu erschaffen, musste in die Hose gehen. Einfach wegen des völlig entgegengesetzten Selbstverständnisses der beiden Systeme. Außerdem bestand auf Grund der Aggressivität des Kapitalismus in Gestalt der NATO der Zwang der sozialistischen Lager sich zu „Tode rüsten“ zu lassen – bei Gefahr des militärischen Überfalls von Seiten der NATO, dem natürlich eine Menge Absatzmärkte abhanden gekommen waren. Konsequenz der sozialistischen Länder aus ihrem Selbstverständnis heraus (und auch um des eigenen Überlebens willen): „Lieber sich tot rüsten lassen, als den dritten Weltkrieg zulassen.“ Das Resultat ist bekannt. Wir sind wirklich tot gerüstet worden, und den letzten Rest hat dann Gorbatschow erledigt.
      Da wir die selben Instrumente wie der Kapitalismus benutzt haben, weil die technologischen Grundlagen für einen Sozialismus noch gar nicht vorhanden waren, ist ein weiterer nicht reparabeler Systemfehler im Osten gewesen – und der fing bereits mit Lenin an, der auch ganz schnell die (richtigen und notwendigen) basisdemokratischen Elemente ausgrenzte, vernichtete, verunglimpfte und verdrängte. Stalin hat die Zentralisierung dann fortgeführt und perfektioniert.
      Diese Geschichte ist nicht so einfach und wir haben noch eine ganze Menge zu tun, das alles aufzuarbeiten, damit wir es bis ins letzte verstehen.

      Dennoch ist der Sozialismus auch heute noch so gefährlich, dass er auf Schritt und Tritt verunglimpft und mit dem Nazi-Terror gleichgesetzt wird, was m.E. und nach meiner Erfahrung schlicht Lüge ist, schon allein deshalb, weil es in der DDR keine KZs gab und nicht JEDER Missliebige verschwand und wir Völkerfreundschaft und -verständigung propagiert und gelebt haben statt Völkerhass wie Hitler. Und weil Frieden das oberste Gebot im Osten war, während im Westen der „Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ verstanden und legitimiert wird und Hitler das en praxi vorgeführt hat.
      Solche friedlichen Handlungsweisen wie der Sozialismus sie lebte, sind für den Kapitalismus natürlich tödlich, der Kriege braucht, um der Profitmaximierung willen.

  5. Ich sehe das nicht ganz so dramatisch mit dem entweder oder. Es gibt eine Studie aus dem Ende des 20. Jahrhunderts, die zeigte, dass in den USA schon 1/3 der Bürger in alternativen Strukturen leben. Sprich, es gibt Parallelwelten von Menschen, die diesem Gott des Mammons nicht fröhnen. Wir hören uns sehen von ihnen nur nichts, weil unsere Medien sie wohl wissend ausblenden.
    Wir sollten nach ihnen suchen und über sie sprechen, damit das Wissen über sie Verbreitung findet.
    Hier ist z.B. ein Ansatz, das System zu untergraben:
    https://www.facebook.com/groups/412804688731690/doc/455685014443657/
    LG Martin

    • Was Du beschreibst, Martin, ist doch der Ausstieg aus dem Kapitalismus, wenn ich Dich richtig verstehe.
      Das muss doch nicht mit Donner und Kanonen gehen! Gerade Alternativen LEBEN könnte einen friedlichen Übergang schaffen – und gleichzeitig alle Waffen, das Geld und Privat-Eigentum ad absurdum führen.
      Das wäre die Variante: Der Kapitalismus wird durch die Menschen vernichtet 🙂 – es ist ja nicht gesagt und gewusst, auf welchem Weg das geschieht…

      Dem Link folgend erhielt ich die Nachricht, ich hätte keine Genehmigung zum Abrufen des Dokuments. Vielleicht teilst Du es öffentlich auf Deinem eigenen Profil und verlinkst das dann hier? Dann müsste es für alle sichtbar sein.

  6. fischi sagt:

    Martin, geht das auch ohne Facebook, ich bin da bewußt nicht Mitglied.

    Occupy kann aber nur einen Teil abdecken.
    Ich kann damit nicht so richtig was anfangen, das ist mir einfach zu intellektuell.
    Die haben ihre Kritik für mich zu eng gefasst.
    Wenn man hier wirklich was erreichen will dann muß man es schaffen das der Leiharbeiter in Deutschland, Der Arbeiter auf der Blumenplantage in Afrika oder der Lagerarbeiter in den USA endlich erkennen das sie genau die gleichen Unterdrücker haben.
    Die alle und noch viele andere müssen einsehen das der Kapitalismus ihr Feind ist.
    Und genau das kann Occupy nicht, aber ei reformierter Kapitalismus bringt in kürzester Zeit genau das was wir schon haben.

    Wenn jemand die DDR als faschistisch bezeichnet ist das meist absichtliche Hetze gegen den Osten.
    Wir wissen doch was man uns in der Schule gelernt hat das war nach der sozialistischen Lehre aber antifaschistisch.
    Und die DDR hat nie Krieg geführt oder Territorien anderer Staaten besetzt.

  7. uhupardo sagt:

    „Occupy kann aber nur einen Teil abdecken.
    Ich kann damit nicht so richtig was anfangen, das ist mir einfach zu intellektuell.
    Die haben ihre Kritik für mich zu eng gefasst.
    Wenn man hier wirklich was erreichen will dann muß man es schaffen das der Leiharbeiter in Deutschland, Der Arbeiter auf der Blumenplantage in Afrika oder der Lagerarbeiter in den USA endlich erkennen das sie genau die gleichen Unterdrücker haben.“

    Wasbin ich froh, dass es noch mehr Leute gibt, die so denken wie wir. „Keep it simple, stupid“, ist unser tägliches Motto, weil wir eben auch der Meinung sind, dass es gar nichts nützt, immer wieder die zehn Prozent ansprechen zu wollen, die es eh schon längst begrifen haben. Muchas gracias, fischi, das hat gut getan!

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