Und es gibt doch ein Geheimgremium zum ESM!

Eine kleine Umfrage im Bekannten- und Kollegenkreis kommt zu folgenden Ergebnis: „Ein Geheimgremium zur Euro-Rettung gibt es nicht. Das hat das Bundesver- fassungsgericht erfolgreich verhindert.“ Tatsächlich war das der Eindruck, den der Karlsruher Richterspruch im Februar hinterließ. Aber dieser Eindruck ist falsch.

Es gibt nämlich doch ein Geheimgremium! Das hat der Bundestag jetzt ohne viel Aufhebens eingesetzt. Es besteht aus neun Mitgliedern und neun Stellvertretern aller im Bundestag vertretenden Parteien. Für die Union sind Klaus Barthle, Bartholomäus Kalb, Eckhardt Rehberg und Michael Stübgen dabei, die SPD entsendet Lothar Binding und Petra Merkel, die FDP schickt Florian Toncar, aus der Linken macht Dietmar Bartsch mit, und Priska Hintz vertritt die Grünen.

Diese Neun können ganz im Geheimen über milliardenschwere Aufkäufe von Staatsanleihen in Not geratener Euro-Staaten am sogenannten Sekundärmarkt entscheiden. Das heißt, sie kaufen nicht unmittelbar beim griechischen, spanischen portugiesischen oder italienischen Staat, sondern erteilen den Auftrag zum Kauf von älteren Anleihen, die Investoren abstoßen wollen. Auf diese Weise verwandeln sich die dem Wähler verpflichteten Abgeordneten in Investmentbanker.

Wer sich nun verwundert die Augen reibt und rätselt, wie das angesichts des Karlsruher Urteils vom 28. Februar möglich ist, dem sei gesagt, er hat, wie so viele andere auch, schlicht die Ausführungen des Gerichts und die darauf folgende Berichterstattung in den Medien nicht gründlich genug gelesen.

Denn in einem winzigen, vierzeiligen Absatz teilte das Gericht mit: „Verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist die Regelung des  § 3 Abs. 3 StabMechG nur insoweit, als sie dem Sondergremium  Entscheidungskompetenzen für den Fall des Ankaufs von Staatsanleihen  durch die EFSF am sog. Sekundärmarkt verleiht.“

Solche politisch motivierten Sekundärmarktkäufe hat es seit Ausbruch der Finanzkrise schon zuhauf gegeben. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hatte die Europäische Zentralbank (EZB) heftig für den Ankauf von Anleihen am Sekundärmarkt kritisiert, weil sie auf diese Weise das Verbot des Anleihekaufs direkt von den Staaten umgehe.

Außerdem hat sich die EZB nach Einschätzung von Finanzmarkt-Experten auf diese Weise viele faule Eier ins Nest geholt. „Die EZB-Erfahrung ist katastrophal“, sagt Achim Dübel von Finpolconsult in Berlin. Denn die EZB habe die Fundamentalwerte der Papiere nicht analysiert und letztlich viel zu teuer gekauft. Nun müssen die Bundestagsabgeordneten solchen Entscheidungen abwägen. „Es ist fraglich, ob Politiker die Kaufentscheidungen des ESM bei Spanien oder Italien nicht ebenso sachfremd treffen, wie die EZB bei Griechenland“, sagt Dübel.

Solche Sorgen plagen die Politiker offenbar nicht. „Wir berücksichtigen dabei natürlich auch Empfehlungen von Experten“, sagt der Unions-Politiker Norbert Barthle. Außerdem werte er seinen Auftrag als wichtigen Beitrag zur parlamentarischen Demokratie. „Wir schützen den Steuerzahler vor Verlusten. Müssten wir nämlich eine Woche vorher im Bundestag den Ankauf ankündigen, würden sofort die Preise steigen“, sagt Barthle.

Aus genau diesem Grund hat übrigens auch das Verfassungsgericht die Geheimtätigkeit der Abgeordneten in diesem Fall für zulässig erklärt. Das jetzt eingesetzte Gremium gilt zwar nur für den EFSF, aber die Fraktionen arbeiten bereits an einem Gesetz, das, so Barthle, „die parlamentarischen Mitwirkungsrechte beim ESM regelt“.

Das Gesetz soll bis zum 29. Juni stehen, also bis zu jenem Tag, an dem der Bundestag den ESM und den Fiskalpakt ratifizieren will. Barthle meint, am Ende werde man wohl einfach das bestehende Gremium auf den ESM übertragen.

Günther Lachmann am 22 Juni 2012 für Welt Online

viaUnd es gibt doch ein Geheimgremium zum ESM!.

5 Responses to Und es gibt doch ein Geheimgremium zum ESM!

  1. Als Ergänzung zu diesem Artikel ist es wichtig zu wissen, wem die Banken gehören, wer also diese Betrugs- und Lügenpolitik verursacht und wem die Politmarionetten dienen.

  2. fischi sagt:

    Ich brauche blos Bartsch, Linke lesen, das passt.
    Eigendlich können die Politkasperle dort blos Schaden anstellen.
    Vor mir aus gerne, um so eher ist Schluß mit diesem Finanzkieg.
    Was denkts Du eigendlich was man mit den Schwerverbrechern machen soll wenn ihr unsägliches System mal endgültig gescheitert ist.

    • Alle in psychatrische Behandlung mit lebenslanger Sicherheitsverwahrung, wahlweise vor Gericht:
      – Meineid (das bringt mal schon 15 Jahre) – ihr Amtseid, den sie schon gebrochen haben, bevor sie mit Sprechen fertig sind
      – Beihilfe zum Raub in besonders schwerem und vor allem permanenten (nicht nur wiederholten) Fall
      – Betrug in besonders schwerem und permanenten Fall
      – Verbrechen gegen die Menschlichkeit (illegaler Waffenhandel in Krisenregionen, widerrechtliche Kriegsbeteiligung, mindestens Beihilfe zur, wenn nicht gar aktive Vorbereitung und Führung von Angriffskriegen – das geht vor Den Haag.)
      – Hochverrat nach § 81 StGB durch ESM und Fiskalpaket (das allein bringt lebenslang)
      – wiederholte arglistige Täuschung der Bevölkerung der BRD zum Zwecke des Ausraubens der 80 Millionen Menschen (und über ESM und Fiskalpakt der Völker ganz Europas) und aktuell des „Überredens“ zur Zustimmung zu ESM und Fiskalpakt.
      – Stehlen der Würde des Menschen durch per Gesetze verordnete Armut, das ist verfassungswidrig: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

      Diese Anklagepunkte fallen mir auf Anhieb ein. Wenn ich länger nachdenke fallen mir bestimmt noch mehr ein.

  3. fischi sagt:

    Ich wüßte schon was die verdient haben aber man soll ja heute Pazifist sein.
    Vor einer Weile hatte ich mal was über den Unsinn den Romney den Amis in den Wahlkampfreden erzählt.
    Fast das Gleiche versuchen Merkel und Co. hier.
    Ich möchte nicht in einem Land leben wo es entweder Reichtum oder Armut gibt.

    • Zu Deinen Gedanken, die kann ich zu gut verstehen. Aber wenn wir das machen, was die machen, dann sind wir nicht besser als die.
      Darum müssen wir unseren Zorn im Zaum halten.

      Ich möchte nicht in einem Land leben wo es entweder Reichtum oder Armut gibt.
      Ich auch nicht.

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