Alain Juppé, durch seine eigene Verwaltung beschuldigt, die Berichte über Syrien gefälscht zu haben

Veröffentlicht am 24. März 2012

Aus „voltairenet“, Übersetzung Remo Santini

Ein französischer Beamter höheren Dienstes hat am 19. März 2012 in Paris stationierte arabische Journalisten eingeladen, um ihnen den Streit zu enthüllen, der sich im Moment hinsichtlich Syriens innerhalb der französischen Regierung im Allgemeinen und am Quai d’Orsay im Besonderen abspielt.
Laut dieser Persönlichkeit hat der französische Botschafter in Damaskus, Éric Chevallier, dessen Botschaft soeben geschlossen wurde und der nach Paris zurück gekehrt ist, seinen Minister vor seinen Kollegen angepöbelt. Er hat Alain Juppé beschuldigt, seine Berichte nicht berücksichtigt und die Synthesen gefälscht zu haben, um einen Krieg gegen Syrien zu provozieren.
Im März 2011, am Anfang des Geschehens, hatte der Quai Untersucher nach Deraa gesandt, um zu erfahren, was da geschah. Der an Paris übermittelte Bericht besagte, dass sich die Spannung nach einigen Demonstrationen wieder besänftigt hatte –, im Gegensatz zu den Reportagen von Al-Jazeera und France24, die berichteten, die Stadt sei durch Feuer und Schwert verwüstet worden. Der Botschafter ersuchte um Verlängerung der Mission, um die Evolution des Geschehens zu verfolgen. Wütend über diesen ersten Bericht telefonierte ihm der Außenminister um zu verlangen, dass er ihn modifiziere und darin eine blutige Repression feststelle. Der Botschafter verband deshalb den Missionschef in Deraa durch eine Telefonkonferenz mit dem Minister, damit er ihm wiederholen konnte, dass es keine blutige Repression gab. Der Minister bedrohte den Botschafter, und das Gespräch endete in eisiger Weise.
Unmittelbar nachher machte das Kabinett Alain Juppés Druck auf AFP (französische Nachrichtenagentur), damit sie erlogene Agenturmeldungen veröffentlichte, die die Ansichten des Ministers stärkten.
Während der folgenden Monate hörten die Zwischenfälle, die Éric Chavallier und Alain Juppé gegeneinander aufbrachten, nicht auf sich zu vermehren, bis zur Angelegenheit mit den iranischen Geiseln und dem Tod des „Journalisten“ Gilles Jacquier. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Botschafter den Befehl, die Agenten der DGSE (Auslandsgeheimdienst), die unter der Tarnung von Journalisten arbeiteten, auszuschleusen. Er wurde sich der Wichtigkeit der von Alain Juppé unternommenen Geheimaktion gewahr.
Als ehemaliger Verteidigungsminister scheint sich Alain Juppé solide Freundschaften in den militärischen Geheimdiensten bewahrt zu haben, von denen ihm einige Agenten treu geblieben sind.
Die gleiche Quelle versichert, dass Berichte des Botschafters vernachlässigt oder verfälscht worden seien und dass dieser, um seine Aussagen zu untermauern, Berichte seiner europäischen Amtskollegen an den Quai habe kommen lassen, die alle bestätigen, dass Syrien nicht mit einem Zyklus Demonstration/Repression konfrontiert ist, sondern mit einer Destabilisierung durch aus dem Ausland gekommene bewaffnete Gruppen. Nach seiner Ankunft in Paris habe Éric Chevallier eine interne administrative Untersuchung verlangt, um seinen eigenen Minister damit zu konfrontieren.
Diese Enthüllungen riefen weitere hervor, und ein anderer hoher Beamter enthüllte, dass Alain Juppé nicht nur im Konflikt mit seiner eigenen Administration stehe, sondern auch mit seinen Kollegen des Inneren und der Verteidigung. Claude Guéant und Gérard Longuet hätten nicht nur mit General Assef Chawkat über die Ausschleusung der sich im islamischen Emirat von Baba Amr befindlichen französischen Agenten verhandelt, wie es Réseau Voltaire berichtete, sondern auch über die Freilassung der drei in Syrien gefangen gehaltenen französischen Kommandos.
Am Sonntag, den 18. März bestätigte die in Beirut herausgegebene prosyrische Tageszeitung Ad-Diyar, dass dem Generalstabschef (chef d’état major, CEMA), Admiral Édouard Guillaud, anlässlich einer Reise in den Libanon – angeblich zur Umorganisation des französischen Kontingents der FINUL unternommen – drei französische Gefangene übergeben worden seien. Laut einer hochstehenden syrischen Quelle habe der Admiral als Gegenleistung persönlich den vollständigen Abbau einer Versorgungsbasis überwacht, den der französische militärische Geheimdienst im Libanon installiert hatte.
Der Konflikt zwischen Botschafter Chevallier und Minister Juppé ist seit langem bekannt. Am 4. April 2011 hatte die elektronische Zeitung Rue98 einen Artikel publiziert, der einem anonymen franco-syrischen Autor zugeschrieben wurde. Man konnte darin lesen, dass der Botschafter „sich zum Sprecher des Regimes gemacht habe, indem er behaupte, die Aufstände in Daraa und Lattaquié seien vom Ausland aus manipuliert und dass die Medien über diese Realität lügten“. Zehn Tage später war es an der Reihe von George Malbrunot in seinem Blog im Figaro zu bestätigen, dass der Botschafter „vollkommen bascharisiert sei“. Und schließlich, am 5. Mai, hatte France24, der unter die Vormundschaft von Alain Juppé gestellte Sender, den Botschafter beschuldigt, „die Revolte zu minimisieren“.
Der Konflikt zwischen dem Generalstabschef und Alain Juppé ist ebenfalls seit langem bekannt. Admiral Édouard Guillaud hatte es gar nicht geschätzt, dass Alain Juppé, damals Verteidigungsminister, zum voraus den Sturz von Muammar Ghaddafi geplant hatte. Mit der diskreten Unterstützung seines neuen Ministers, Gérard Longuet, ließ er öffentlich sein Missfallen wissen, als er den Befehl erhielt, die französischen Truppen gegen Libyen zu mobilisieren.
Was die Beziehung Guéant-Juppé betrifft, so ist sie notorisch scheußlich. Man erinnere sich daran, wie Alain Juppé anlässlich seines Eintretens in die Regierung Fillon mit der ihm eigenen Arroganz die Bedingung gestellt hatte, dass Claude Guéant das Generalsekretariat des Élysée verlassen müsse, weil er nicht gezwungen sein wolle, mit ihm zu sprechen.
Nach dem Abkommen, das sich unerwartet zwischen Washington, London und Moskau ergeben hatte, um die Vorgänge in Syrien zu beruhigen, kann Alain Juppé immer noch auf die Unterstützung von Ankara, Riyad und Doha zählen, wie auch der wichtigsten Medien. Aber im Übrigen findet er sich in Frankreich isoliert und bar der nötigen Mittel für seine Politik – es sei denn natürlich, dass Präsident Sarkozy auf Krieg drängt, um den Kandidaten Sarkozy in den Meinungsumfragen wieder ansteigen zu lassen.

Übernommen von: Alain Juppé, durch seine eigene Verwaltung beschuldigt, die Berichte über Syrien gefälscht zu haben.

4 Responses to Alain Juppé, durch seine eigene Verwaltung beschuldigt, die Berichte über Syrien gefälscht zu haben

  1. fischi sagt:

    Das ist schon mal erstaunlich das es da einen Bericht auf deutsch gibt.
    Leider wird sowas den meisten ganz anders gezeigt.
    Assad ist so ein schlimmer Mensch und das da ein ganz ekliger Bürgerkrieg stattfindet wird verschwiegen.
    Ich weis einfach nicht was haben die angeblichen Demokraten davon wenn dort extreme Moslems regieren.
    Irgendwo im Netz hab ich jetzt mal die Aussage gefunden das die Demokratie die gefährlichste Gesellschaftsform ist, da fehlt einem einfach die Person eines Gegners.

    • Ich weis einfach nicht was haben die angeblichen Demokraten davon wenn dort extreme Moslems regieren.

      Ruhe, ihre „Geschäfte“ abzuwickeln, Ruhe vor Aufständen, sie können die Ölförderung aus der Verstaatlichung (wieder) in ihre eigenen Hände bekommen (das Land in Ruhe ausplündern), keine Minderung der eigenen Profite durch „soziale Leistungen“.

      Ob der Assad ein „schlimmer Mensch“ ist, kann ich nicht entscheiden. Weder kenne ich ihn noch weiß ich was da wirklich geschieht. Ich maße mir darum nicht an, ihn zu beurteilen.

      Auf jeden Fall zeichnet dieser Artikel ein ganz anderes Bild, als das, was uns vorgegaukelt wird.
      Meines Erachtens beruht die gesamte Kriegspropaganda gegen Syrien (und sicher auch gegen den Iran) nur auf einem: schamlose Lügen.

  2. fischi sagt:

    Mir hat das Thema heute keine Ruhe gelassen.
    Dabei bin ich auf die Seite von Jürgen Todenhöfer gestoßen.
    Was er da über die Kriege im nahen Osten schreibt ist weitab von der üblichen Propaganda.
    Hätte ich einem Mann mit so einem Vorleben nicht zugetraut.

    http://www.juergentodenhoefer.de/presse/artikelinterview/

    • Vielen Dank! Ich habe den ersten Artikel gelesen und seine Analyse entspricht in etwa meiner – allerdings war ich natürlich nicht in Syrien 🙂
      Den Link zur Seite Jürgen Todenhöfers habe ich mir gespeichert. Es lohnt sich, da weiter zu lesen.

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